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Nationale Gedenkstätte und Dokumentationszentrum zum Kolonialismus in Bremen und Bremerhaven ansiedeln

Bremen und Bremerhaven bieten ideale Voraussetzungen für eine nationale Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum zum deutschen Kolonialismus.

Anlässlich des Jahrestages des Beginns des Völkermords an den Herero und Nama am 11. August fordert die Grüne Bürgerschaftsfraktion die Einrichtung einer nationalen Gedenkstätte und eines Dokumentationszentrums zum deutschen Kolonialismus in Bremen und Bremerhaven. Grundlage ist ein von der Fraktion beschlossenes Positionspapier.

Dazu erklärt Ralph Saxe, Sprecher für Demokratie der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Es ist überfällig, dass Deutschland eine nationale Gedenkstätte für die Opfer des Kolonialismus erhält. Wir schlagen vor, sie am Antikolonialdenkmal Elefant in Bremen anzusiedeln und mit einem Dokumentationszentrum in Bremerhaven zu verbinden. Bis heute sind der deutsche und europäische Kolonialismus und seine Folgen unvollständig aufgearbeitet. Trotz zahlreicher Initiativen fehlt es weiterhin an einem zentralen Ort des Gedenkens und einem nationalen Erinnerungskonzept. Bremen und Bremerhaven bieten dafür ideale Voraussetzungen und erfüllen die Bedingungen, die Kulturstaatsminister Wolfram Weimer formuliert hat. Eine aktive und gut vernetzte Zivilgesellschaft setzt sich hier seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung des Kolonialismus ein. Mit dem Deutschen Auswandererhaus, dem Übersee-Museum und dem Focke-Museum verfügt das Land zudem über große Expertise in Forschung und Bildung. Und mit dem zentral gelegenen und gut erreichbaren Antikolonialdenkmal Elefant gibt es in Bremen bereits einen bedeutenden Erinnerungsort. Wir stellen uns unserer Verantwortung mit sehr viel Engagement.“

Historisch gesehen befinden sich in Bremen und Bremerhaven viele Orte, die eine differenzierte Beschäftigung mit dem Thema ermöglichen. Von Bremen ging die erste deutsche Kolonie im heutigen Namibia aus. In Bremerhaven hielt Kaiser Wilhelm II. seine berüchtigte Hunnenrede bevor er deutsche Truppen zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China losschickte.

„Auch die Städtepartnerschaft Bremens mit Windhoek steht für einen intensiven Austausch und verdeutlicht, welche Bedeutung die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit bis heute hat. Mit dem neu gegründeten Landesdekolonialisierungsbeirat gibt es zudem ein Gremium, in dem die drei Museen, zivilgesellschaftliche Akteur*innen und die Politik gemeinsam an der weiteren Aufarbeitung arbeiten. Darin liegt eine große Chance: Bremen kann seine Erinnerungskultur weiterentwickeln, den Austausch mit anderen Städten mit kolonialen Kontinuitäten wie Hamburg oder Hannover ausbauen und insbesondere die Gemeinschaften der Opfer des Völkermordes und ihre Nachkommen stärker einbeziehen“, ergänzt die kulturpolitische Sprecher*in Kai Wargalla.

Eine wichtige Rolle soll in dem Vorschlag der Grünen Bürgerschaftsfraktion Bremerhaven übernehmen. Michael Labetzke, Sprecher für Bremerhaven der Grünen Bürgerschaftsfraktion, hebt dabei insbesondere die bestehenden Strukturen und die historische Bedeutung der Stadt hervor: „Mit dem Deutschen Auswandererhaus verfügt Bremerhaven über ein engagiertes Migrationsmuseum, das sich längst intensiv mit dem Thema Kolonialismus auseinandersetzt. Gleichzeitig bietet die historische Rolle Bremerhavens als Ausgangspunkt kolonialer Expeditionen wichtige Anknüpfungspunkte für Forschung und Vermittlung. Wir schlagen deshalb vor, das Dokumentationszentrum beim Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven anzusiedeln.“