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Gedenkstättenkonzept Kolonialismus

Bremen und Bremerhaven sind ideale Standorte für eine nationale Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum

Die Aufarbeitung des deutschen und europäischen Kolonialismus sowie ihrer Folgen für die heutige Zeit ist eine Aufgabe, die noch sehr unvollständig erfüllt ist. Bundesweit gibt es zahlreiche Vereine, Netzwerke und Einrichtungen, die sich mit viel Engagement dem Thema gewidmet haben. Eine nationale Gedenkstätte oder gar ein nationales Erinnerungskonzept besteht bislang nicht. Kulturstaatsminister Weimer kündigte im vergangenen Jahr ein eigenes Konzept zum Gedenken an den Kolonialismus an. Dabei solle eine Gedenkstätte entstehen, die von kulturhistorischer Relevanz sei und über eine sinnvolle Einbettung in eine bestehende Museumslandschaft sowie eine lebendige Zivilgesellschaft verfüge und zudem eine gute verkehrliche Anbindung besitzen würde. Es wurde in diesem Zusammenhang gefordert, dass an diesem Ort Forschung, Bildung und lebendige Zivilgesellschaft stattfinden könne.

Bremen und Bremerhaven bieten ideale Voraussetzungen im Sinne der geforderten Voraussetzungen. In Bremen gibt es eine intensive Auseinandersetzung und Erinnerungskultur, die sich am Antikolonialdenkmal Elefant und dem Erinnerungsort für den Völkermord an den Nama und Herero im Nelson-Mandela-Park fokussiert. Der Elefant ist das größte in Deutschland der Erinnerung an den Kolonialismus gewidmete Denkmal.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Bremen mit der aktiven Erinnerungskultur Kolonialismus. Von Bremen ging die erste Kolonie im damaligen Deutsch-Südwestafrika aus.  Alljährlich findet eine Gedenkveranstaltung am 11. August unter Schirmherrschaft des Bürgermeisters zum Beginn des Völkermordes statt. Bremen hat eine aktive Museumslandschaft mit dem benachbarten Übersee-Museum und dem Focke-Museum, die sich dem Thema widmen. Eine Städtepartnerschaft von Bremen mit dem namibischen Windhoek ist von einem intensiven Austausch geprägt. Das Thema Kolonialismus und die Auswirkungen auf die jetzigen Generationen spielen eine große Rolle dabei. Es gibt eine agile Zivilgesellschaft, die sich um den Erhalt des Denkmals oder um Straßenumbenennungen kümmert. Zwei umfangreiche Bürgerschaftsanträge wurden beschlossen, die sich mit der Erinnerungskultur Kolonialismus beschäftigen (Drucksachen 19/107 S und 20/378 S). 2026 wurde schließlich der Landesdekolonialisierungsbeirat unter Beteiligung der Museen in Bremen und Bremerhaven gegründet. In Bremerhaven gibt es eine vom Magistrat der Stadt eingesetzte Arbeitsgruppe zum Thema Kolonialismus an der unter anderem das Auswandererhaus und das historische Museum beteiligt sind.

Bremerhaven hat mit dem Auswandererhaus ein sehr engagiertes Museum, das sich mit dem Kolonialismus als Schwerpunkt beschäftigt und mittels eingeworbener Drittmittel die Forschungstätigkeit zum Thema gern ausbauen würde. Unweit des Museums befindet sich der Kaiserhafen. Dort wurden Kolonialtruppen auf den Weg geschickt zum Beispiel im Jahre 1900 zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China. Zu diesem Anlass besuchte Kaiser Wilhelm II die Stadt. Die Ansprache, die er vor den Soldaten hielt ist wegen ihrer harten Wortwahl als sogenannte „Hunnenrede“ bekannt: „Kommt Ihr vor den Feind so wird derselbe geschlagen, Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht.“ Ein berüchtigter Befehl keine Gefangenen zu machen, ist ebenso mit dem deutschen Generalleutnant Lothar von Trotha verbunden, als er den erbarmungslosen Vernichtungskrieg gegen die Nama und Herero befahl.

In Bremen und Bremerhaven bestehen beste Voraussetzungen, um sich dem Thema Kolonialismus umfassend und aus verschiedenen Perspektiven zu widmen und zu nähern. Es handelt sich bei diesem Vorschlag ausdrücklich darum, eine nationale Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum zu errichten. Die vorhandenen Strukturen und Orte erleichtern dessen Einrichtung. Die Gedenkstätte wäre im Bereich des Antikolonialdenkmals Elefant anzusiedeln. Das Dokumentationszentrum wäre beim Auswanderhaus zu verorten.

Wir schlagen vor:

  1. sich für eine gemeinsame nationale Gedenkstätte und Dokumentationsstätte Kolonialismus in Bremen und Bremerhaven einzusetzen.
  2. Mit der Bundesregierung und dem Kulturstaatsminister Gespräche zur konzeptionellen Ausgestaltung und einer möglichen Realisierung zu führen.
  3. bundesweit relevante zivilgesellschaftliche Akteure zu beteiligen.  Dabei sind Partnerschaften, wie Bremen und Windhoek sie etabliert haben sowie Nachkommen der Opfer und ihre politischen Vertreter*innen angemessen einzubinden.  
  4. Die Sanierung und regelmäßige Unterhaltung des Antikolonialdenkmals Elefant wie geplant umzusetzen.
  5. In Zusammenarbeit mit dem Magistrat Bremerhaven eine Gedenkstele am Hafen zur Hunnenrede von Kaiser Wilhelm II. anlässlich der blutigen Niederschlagung des Boxeraufstandes in China zu realisieren.
  6. Zur Vorbereitung der Gespräche mit dem Bund die Expertise des Landesdekolonialisierungsbeirats einzubinden.