Umwelt- und Naturschutz | Verkehr

B74 N darf Naturschutz, Moore und Fahrradrouten nicht zerstören

Gemeinsame Erklärung der Grünen in Bremen und im Kreis Osterholz

Seit gut vier Jahrzehnten ist eine Ortsumgehung für die B 74 in Scharmbeckstotel und Ritterhude im Gespräch. Wahrscheinlich geworden ist inzwischen die sogenannte Ostvariante, weil eine mögliche Westvariante durch bestehende Siedlungen führen würde. Bei der Ostvariante ist aus der ursprünglich kleinen Ortsumgehung ein großflächiges Schnellstraßenprojekt mitten durch Naturschutz-, Moor- und Vogelschutzgebiete geworden. Mit der endgültigen Trassenentscheidung ist nun in diesem Jahr zu rechnen.
 

Die Grünen in der Bremischen Bürgerschaft und im Kreis Osterholz lehnen das Großprojekt im Naturschutzgebiet ab:

„Diese Ostvariante für eine neue B 74 greift viel stärker als erwartet in geschützte Gebiete ein“, kritisiert Ralph Saxe, der verkehrs- und umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft. „Die Ostvariante hat nur negative Auswirkungen auf Bremen und wird von uns abgelehnt“, erklärt der Grünen-Politiker: „Der Eingriff in Schutzgebiete wäre enorm. Mehrere viel frequentierte Radverbindungen würden gekappt oder könnten nur mit großen Umwegen fortgeführt werden. Und auch für gemeinsame Naturschutzprojekte mit Niedersachsen wie den Naturpark Teufelsmoor/Hamme- und Wümmeniederung wäre dieses Straßenbauprojekt kontraproduktiv. Die großflächige Zerstörung von Moorböden für überdimensionierten Straßenneubau scheint seltsam aus der Zeit gefallen. Wir werden bei den gegebenen bremischen Betroffenheiten sehr kritisch hinsehen“, sagt Saxe. Einen Antrag, der den Bremer Senat aufruft, sich dieser Ablehnung anzuschließen, hat die Grünen-Fraktion während ihrer Klausur Ende Juni entworfen.

„Die Antwort auf die nötige Entlastung der Orte entlang der jetzigen B74 liegt in einer noch besseren Taktung des ÖPNV, weiteren Fahrradschnellwegen und Lärmschutzmaßnahmen. Stattdessen plant man zur verkehrlichen Entlastung zweier Dörfer entweder die Naturlandschaft im Teufelsmoor zu zerstören, Moorboden in großem Stil abzutragen oder an anderer Stelle Wohnorte abzureißen und zu zerschneiden, das lehnen wir ab!“, erklärt Daniel Kreschner, grünes Ratsmitglied in Osterholz-Scharmbeck.

Emilia De Rosa, Sprecherin des Grünen-Kreisverbandes Osterholz, ergänzt: „Was damals als Umgehungsstraße gedacht war, ist inzwischen zu einer Schnellstraße mit Autobahnkreuz-ähnlichen Auffahrten und Tunneln bzw. hohen Brücken über Bahnstrecke und Hamme mutiert. Es wird inzwischen auch nicht mehr mit einer Verkehrsabnahme auf der Strecke der B74alt gerechnet, die damals Bedingung bei der Beantragung der Umgehungsstraße war, sondern mit einer Zunahme des Verkehrs auf alter und neuer Strecke. Deshalb freuen wir uns sehr über die Unterstützung aus Bremen.“