Klimaschutz und Energiewende

Natürlicher Klimaschutz - Moorböden schützen

Borgfelder Wümmewiesen by zenzen (iStock)

Borgfelder Wümmewiesen by zenzen (iStock)

Ob das Bremer Blockland, das besonders tiefe Ruschdahl-Moor in Bremen-Nord, das Fehrmoor in Bremerhaven oder die Borgfelder Wümmewiesen, Bremen weist einige Moorböden auf. Die Feuchtwiesen und die typischen Marsch- bzw. Moorgräben sind charakteristische Elemente der Bremer Kulturlandschaft und bieten Lebensraum für seltene Arten wie den Schlammpeitzger oder die Krebsschere. Gleichzeitig sind die torfhaltigen Böden riesige CO2-Speicher. Sie sind Chance und Risiko zugleich, denn während entwässerte Moore CO2 emittieren, können sie mit der richtigen Bewirtschaftung und Pflege auch zusätzliches CO2 binden.  Die Wiesen, Auen und Ackerflächen in unseren beiden Städten bieten also ein großes Potenzial für Klima- und Artenschutz, das es mit geeigneten Maßnahmen gemeinsam mit der Bremischen Landwirtschaft zu heben gilt.

Moorböden als Klima-Retter oder CO2-Verursacher?

Für Deutschland wird davon ausgegangen, dass in Mooren genauso viel Kohlenstoff gespeichert ist wie in Wäldern, obwohl Moore hierzulande nur ca. 4 Prozent der Landesfläche bedecken.[1] In Deutschland sind allerdings derzeit über 90 Prozent dieser Moorböden entwässert und verursachen damit jährlich einen Anteil von etwa 6,7 Prozent der gesamten nationalen Treibhausgas-Emissionen.[2] Damit ist die Bundesrepublik nach China und Polen das Land mit den meisten CO2-Emissionen pro Quadratmeter Moorboden.[3] Weltweit bedecken Moore nur drei Prozent der Landfläche. Es liegt in ihnen aber ungefähr doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern unseres Planeten.[4]

Die CO2-Emissionen für das Dauergrünland in Bremen schätzt das Bremer Umweltressort auf etwa zwei Prozent der gesamten Bremer CO2-Emissionen.[5]

Woran liegt das? Über 10 % der Bremer Landesfläche sind Moorböden.[6] Moore wirken wie ein Schwamm. Wird das Wasser entzogen, verbleibt nur die alte, im Boden eingelagerte, Biomasse im Boden. Sauerstoff füllt statt Wasser die Zwischenräume und das Material verrottet und zersetzt sich zu Kohlenstoff. Wenn Moorböden trockenfallen, geben sie also das in ihnen gespeicherte CO2 ab. Je intensiver die Bewirtschaftung ist und je tiefer der Wasserstand künstlich gehalten wird, umso schneller degenerieren die Moorböden. So emittieren Ackerflächen und tiefenentwässertes, intensiv bewirtschaftetes Grünland auf torfhaltigen Böden bis zu vier Mal so viel CO2 wie bei einer extensiven Bewirtschaftung.[7] Die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden ist also extrem klimaschädlich. Die bremische Landwirtschaft ist hingegen weit überwiegend extensiv.

Hinzu kommen durch den Klimawandel verursachte vermehrte und längere Trockenperioden, die die Böden zusätzlich beanspruchen, denn wichtig für den Torferhalt ist besonders, dass der Grundwasserstand im Sommer nicht zu tief fällt.

Werden Moore andererseits vollständig wiedervernässt, speichern sie langfristig sogar mehr CO2 ein, da sich der Boden mit der Zeit regeneriert und so neues Moor entsteht. Doch Moorschutz dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern schützt uns auch vor den Folgen eines steigenden Meeresspiegels. In unseren Breiten beträgt der Moorschwund durchschnittlich 1-2 cm pro Jahr. Fallen Moorböden unter den Meeresspiegel, führt dies insbesondere in unseren Küstenbereichen zu einem steigenden Hochwasserrisiko.

Die Klimaschutzziele im Moorschutz

Das deutsche Klimaschutzgesetz sieht keine expliziten Ziele für die Senkung der CO2-Emissionen aus Mooren vor. Die Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Moorschutz setzt sich zum Ziel, eine Reduktion der bundesweiten Emissionen aus Mooren um jährlich 5 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Das Greifswalder Moorzentrum hält dieses Ziel für deutlich zu ambitionslos, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, denn sie bedeuten nur 11 Prozent CO2-Einsparung gegenüber den momentanen Emissionen organischer Böden. Im Vergleich zu den Zielen in anderen Sektoren wie Energie oder Verkehr ist das extrem wenig. Nähme man das übergeordnete Klimaziel des Klimaschutzgesetzes als Maßstab, müssten bis 2030 bereits über die Hälfte aller Moorflächen wiedervernässt werden.[8] Das würde bedeuten, ab sofort jedes Jahr 50.000 Hektar trockengelegte Moore wiederzuvernässen.

Bremen sollte sich also nicht am Bund-Länder-Ziel orientieren, sondern eigene Ziele zum Moorschutz festlegen, die mit dem Pariser Klimaschutzabkommen vereinbar sind. Die CO2-Emissionen aus Mooren sind bisher allerdings noch kein Teil der Bremer Klimaschutzstrategie der Enquete-Kommission. Unser Ziel ist es, mit einer verbesserten Datenlage in Zukunft die Emissionen aus Mooren in die Klimaschutzstrategie zu integrieren.  Der CO2-Reduktionspfad der Klimaschutzstrategie der Enquete-Kommission und das Klimaziel, bis 2030 60 % der Emissionen einzusparen, dürfen dabei allerdings nicht aufgeweicht werden. Das bedeutet auch für den Moorschutz erhebliche Anstrengungen für die nächsten Jahre.

Dabei hat Bremen eine besondere Verantwortung, denn die Vorräte an organischem Kohlenstoff sind in Nordwestdeutschland besonders hoch.[9]

Die Bremer Moorböden – Wiedervernässung ja, aber wie weit?

Es gibt in Bremen ein paar wenige Hochmoorgebiete, die meisten Moorböden sind allerdings Niedermoore, Moorgleye oder andere organische Böden mit einer ähnlichen Zusammensetzung und einer ebenfalls hohen Klimarelevanz.

Die meisten Niedermoorböden werden in Bremen als Grünland oder Weideland für die Milchproduktion genutzt. Der Wasserstand in den Böden wird durch Entwässerungsgräben und Polder künstlich beeinflusst. Dazu muss man wissen, dass die heutige Kulturlandschaft über jahrhundertelange Urbarmachung des Landes entstanden ist. Mit der Besiedlung der Weserniederung wurde auch das Land trockengelegt und Deiche wurden erbaut. Statt der für Moore typischen Röhricht- und Erlenbruchwald-Landschaften bildete sich eine Feuchtwiesenlandschaft. Die Natur hat sich daran angepasst. Heute leben in den Entwässerungsgräben viele schützenswerte Lebewesen wie die Krebsschere, die sehr seltene Libellenart Grüne Mosaikjungfer und auf europäischer Ebene kaum noch zu findende Fischarten wie der Schlammpeitzger und der Steinbeißer. Die Wiesen sind Lebensraum für seltene Wiesenvogelarten wie Brachvogel und Kiebitz. Würde man nun alle organischen Böden mit hohen Wasserständen dauerhaft fluten, würden diese Arten verloren gehen.

Es gilt also, ein gutes Gleichgewicht zwischen Moorschutz, Naturschutz und dem Erhalt unserer heutigen Kulturlandschaft zu finden. Das würde bedeuten, dass jede Fläche jeweils möglichst optimal genutzt wird: Hochmoorflächen sollten im Sinne des Klimas vernässt werden, während die Niedermoorflächen, die heute Kernbereiche des Wiesenvogelschutzes sind, weiterhin als Weiden und Wiesen beispielsweise für die Milchwirtschaft genutzt werden, mit besonderem Fokus auf den Artenschutz. Wieder andere Flächen könnten dagegen für eine veränderte Grünlandnutzung mit angepassten, möglichst hohen Wasserständen genutzt werden. Eine naturschutzgerechte, extensive Grünlandnutzung auf Moorstandorten ist dabei auch mit „moorschonenden“ Grundwasserständen[10] noch möglich. Dann wird zwar weiterhin CO2 freigesetzt, aber deutlich weniger, beispielsweise durch Feuchtwiesennutzung mit Paludikulturen[11], eine Beweidung mit Wasserbüffeln oder die Verbindung von Landschaftspflegemaßnahmen zum Moorschutz und Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen (Agri-PV).

Ein solcher Idealzustand würde auf manchen Flächen die heutige Nutzung fortführen, auf anderen starke Veränderungen bedeuten. Das geht nur gemeinsam mit den Landwirt*innen, die für solche Maßnahmen hinreichend entlohnt werden müssen, also auch für den Klima- und Artenschutz.

Was muss gegen den Moorschwund jetzt getan werden?

Dank eines guten Gebietsmanagements und einer guten Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirt*innen werden viele Flächen schon heute in Bremen extensiv bewirtschaftet, mit geringem Viehbestand und ohne mineralische Düngung. In einzelnen Gebieten wie dem Fehrmoor, dem Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen, dem Naturschutzgebiet Hollerland und in zwei Poldern im Blockland (Polder Oberblockland und Polder Semkenfahrt) werden natürliche Wasserstände simuliert. Eine „Entwicklungsstrategie für die Milchvieh- und Weidehaltung im Land Bremen“, die die Themenfelder Klima, Tierschutz, Biodiversität und Wertschöpfung miteinander verbinden soll, ist zudem momentan bei der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau in der Erstellung.

Bisher gibt es allerdings keine flächendeckenden lokalen Daten für Bremen darüber, wie hoch der Grundwasserstand gehalten werden muss, um flächendeckend das Torf zu schonen oder zumindest eine weitere Degeneration möglichst gering zu halten. Einige Flächen, besonders im Bremer Blockland, haben den Vorteil, dass eine natürliche Kleischicht den Torfkörper bedeckt und damit eine Grünlandnutzung erleichtert. Es kann also durchaus sein, dass sich auf diesen Flächen nicht wesentlich viel ändert. Intensiv bewirtschaftete Flächen und Ackerböden auf Torfkörpern sollten allerdings, wo dies möglich ist, in eine extensive Nutzung überführt werden, die höhere Grundwasserstände erlaubt.

Neue Möglichkeiten durch Bundesprogramm

Um im Moorschutz nachzubessern, legte das Umweltministerium im März 2022 Eckpunkte für ein Aktionsprogramm für natürlichen Klimaschutz vor, das mit vier Milliarden Euro hinterlegt ist. Im Eckpunktepapier des Umweltministeriums heißt es:

„Wir werden landwirtschaftliche Betriebe bei Maßnahmen zur Wiedervernässung und bei der Einführung angepasster Bewirtschaftungsweisen und deren Wertschöpfung unterstützen. Zusammen mit den Ländern wollen wir geeignete Flächen für Renaturierungsmaßnahmen identifizieren und den Zustand der ungenutzten und geschützten Moore verbessern.“[12]

Auch die Wiedervernässung der Bremer Moore kann nur mit einer guten Rahmensetzung und Hilfe des Bundes erreicht werden. Moorschutz bedarf ähnlich dem Kohleausstieg einer Weiterentwicklung in der Landwirtschaft, die nur gemeinsam erreicht werden kann. Bremen sollte die Chance auf Unterstützung des Bundes ergreifen und bereits eine gute Vorarbeit leisten, während die Maßnahmen auf Bundesebene auf den Weg gebracht werden.

Wie gelingt uns der Moorschutz?

Unser Grundsatz ist: Moorschutz nur mit der Landwirtschaft. Landwirt*innen kennen ihr Land am besten. Moorschutz geht nur mit ihnen zusammen. Das bedeutet, dass bei den Maßnahmen für mehr Moorschutz Freiwilligkeit stets im Vordergrund steht. Wir wollen neue wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen, das Land zu bewirten, und dabei Planungssicherheit über lange Zeiträume geben. Ordnungsrecht kann und soll erst als letzter Schritt in einzelnen Fällen eingesetzt werden.

Für jede Moorschutzmaßnahme ist zudem viel Absprache notwendig, da eine Grundwasseranhebung meistens unterschiedliche Landeigentümer*innen betrifft. Gesprächsrunden sollten daher aktuelle Hemmnisse aufdecken und Lösungsvorschläge erarbeiten. Dazu soll ein Runder Tisch Moorschutz etabliert werden.

Zur Umsetzung der Ziele für den Moor-, Klima- und Artenschutz sollte Bremen eine Moorschutzstrategie und konkrete Projekte auflegen, die folgende Punkte umfassen:

Die Datenlage verbessern:

  1. Datenlage erheben: Um Flächen weiterhin als Grünflächen bewirtschaften zu können und sie als Wiesen für Wiesenvögel attraktiv zu halten und gleichzeitig den Grundwasserspiegel auf einem torfschonenden Niveau zu halten, braucht es Daten über die Beschaffenheit der Böden. Aktuell wird eine genaue Kartierung durch das LBEK (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) des Landes Niedersachsen auch für Bremen durchgeführt. Auf der Basis dieser Daten lassen sich erste Schlussfolgerungen ziehen, wo landwirtschaftliche Nutzung und Moorschutz gut vereinbar sein werden und wo Abwägungen getroffen werden müssen. Darauf aufbauend sollte eine Studie in Auftrag gegeben werden, die die CO2-Emissionen der Bremer Moorböden abschätzt und Optimierungspotenziale ermittelt.
  2. Moorschutz als Teil der Bremer Klimaschutzstrategie etablieren: Auch die CO2-Emissionen aus den Mooren sollten – sobald die Daten vorliegen – in der Bremer CO2-Bilanz mitbetrachtet und controllt werden.
  3. Moorschutz muss Teil der Bremer Biodiversitätsstrategie sein: Moore zählen nicht zu den artenreichsten Lebensräumen. Jedoch sind sie Lebensraum für spezialisierte Tiere[13] oder viele Pflanzen, insbesondere Moose.

Moorschutzstrategie erarbeiten:

  1. Ziele festlegen: Erstes Ziel des Bremer Moorschutzes sollte es sein, eine Verschlechterung des Zustandes der Böden im Vergleich zu heute zu vermeiden. Dies ist allerdings für die Erreichung der Pariser Klimaschutzziele nicht ausreichend. Bremen sollte sich auf Basis der neu gewonnen Daten aus der Kartierung und der Klimaschutzstrategie der Enquete-Kommission neue ambitionierte Moorschutz-Ziele setzen.
  2. Potenzialflächen sichten: Auf Basis der Kartierung können auch erste Flächen ausgewählt werden, auf denen das Potenzial zum Moorschutz besonders hoch ist oder eine torfschonende Anpassung des Wasserhaushaltes relativ leicht möglich ist. Zudem sollten Flächen ausgewählt werden, auf denen eine vollständige Wiedervernässung initiiert werden kann und zu möglichst wenigen Interessenskonflikten mit Landwirtschaft und Naturschutz führt. Attraktiv ist es zumeist, möglichst große Flächen gemeinsam wiederzuvernässen, da der Torfkörper wesentlich durch die Umgebung beeinflusst wird.
  3. Einen Schwerpunkt Moorschutz im „Entwicklungskonzept Landwirtschaft Bremen 2035“ setzen: Ab Mitte 2022 plant die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau gemeinsam mit Interessenvertretungen aus Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft, Umweltschutz, Gesellschaft und mit der öffentlichen Verwaltung ein solches Konzept. Dieser Prozess bietet die Möglichkeit, Moorschutz als wesentliche Zukunftsaufgabe im Kontext der unterschiedlichen Flächennutzungskonflikte und -synergien einzubinden.

Konkrete Maßnahmen umsetzen:

  1. Überflutungsmöglichkeiten verbessern: Nicht an allen Orten im Land Bremen ist es momentan einfach möglich, den Grundwasserhaushalt gut zu regulieren oder ehemalige Feuchtböden in den Wintermonaten zu überfluten. Hier sollte beispielsweise über Wiedervernässungspolder und zusätzliche Wasserzufuhr in Gräben nachgebessert werden.
  2. Moorprogramm auflegen: Flächen bodenschonend und gleichzeitig artenschutzgerecht zu bewirtschaften, ist vorteilhaft für Natur- und Moorschutz, allerdings sind diese Modelle heute oft nicht wirtschaftlich für Landwirt*innen umsetzbar. Gleichzeitig wird es durch die klimatischen Veränderungen und Bodendegradation auch für Landwirt*innen in der Zukunft Flächen geben, die eine neue Art der Bewirtschaftung bedürfen. Für die Potenzialflächen sollte daher gemeinsam mit den Landbesitzer*innen ein Maßnahmenprogramm erarbeitet werden, das ökologische Leistungen honoriert. Um möglichst große Flächen gemeinsam renaturieren zu können, kann auch eine Flurbereinigung helfen. Alternativ können die Kommunen geeignete Flächen für Moorschutzgebiete aufkaufen. Welche Strategie wo sinnvoll angewendet werden kann, muss Teil des Programms sein.
  3. Neue Wirtschaftsmodelle ausprobieren: Dort, wo Landwirtschaft bleibt und die Flächen extensiv und nass genutzt werden, muss Agrarpolitik attraktive ökonomische Anreize setzen. Der Anbau von Schilf oder Rohrkolben oder Weidehaltung von Wasserbüffeln und Heidschnucken wären für sich aktuell nicht ökonomisch auskömmlich. Es gibt bereits heute unterschiedliche erprobte Modelle, wie wiedervernässte Moorflächen gut nutzbar gemacht werden können. Ein Beispiel wären Paludikulturen, deren Ertrag zur Fernwärmeerzeugung genutzt wird oder Agri-PV-Anlagen auf den Flächen. Durch eine schrittweise Anpassung von Grundwasserständen sollte systematisch in Feldversuchen untersucht werden, wie die Landwirt*innen ihre Bewirtschaftung optimal daran ausrichten können. Wo klimaschonende Bewirtschaftung von Mooren wirtschaftlich nicht auskömmlich ist, sollen öffentliche Förderprogramme greifen.
  4. Landesnaturschutzrecht anpassen und Schutzgebiete ausweiten: Auch durch gesetzliche Maßnahmen kann Moorschutz weiter unterstützt werden. So sollte wegen des öffentlichen Interesses durch Senat und Landtag ein Vorkaufsrecht für Moorflächen für die Kommunen eingeführt werden. Eine Weidedichtebeschränkung auf Moorböden wäre ebenfalls zu prüfen. Gleichzeitig sollten bestehende Regeln so angepasst werden, dass sie den Moorschutz besonders begünstigen, beispielsweise sollten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gezielt auch für den Moorschutz genutzt werden.[14] Über die Schutzgebietsverordnung kann verhindert werden, dass wertvolle Moorböden durch Grünlandumbruch oder Grünlanderneuerung weiter degenerieren. An Stellen, wo dies notwendig ist, sollten Schutzgebiete daher ausgeweitet werden oder der Schutzstatus erhöht werden.
  5. Finanzierung sicherstellen: Ob Fördermittel oder der Ankauf von Potenzialflächen durch Land oder Kommunen – für Moorschutz braucht es finanzielle Mittel. Für einige Projekte zum Moorschutz im Blockland und Oberneuland fehlt momentan die Finanzierung. Daher sollte ein Ankaufs- und Bewirtschaftungsfonds eingerichtet werden. Für die Bewertung von Ankaufpreisen für Moorflächen sollte zudem ein CO2-Schattenpreis von aktuell 201 Euro pro Tonne CO2, wie er in der Enquete-Klimastrategie vorgesehen ist, mit eingepreist werden.
  6. Raumordnungsprogramm und Flächennutzungsplan weiterentwickeln: Torfhaltige Flächen sollten im Land Bremen nicht weiter versiegelt werden dürfen. Der Außenbereich des Flächennutzungsplans sollte daher unbedingt auch weiter gesichert werden. Besonders begrüßenswert ist, dass die Moorböden am Nordwestknoten (zwischen Autobahn und Maschinenfleet in Gröpelingen) bisher nicht zur Gewerbegebietsentwicklung genutzt wurden. Hier sollten weitere Möglichkeiten der Flächennutzung für Agri-PV und Moorschutz untersucht werden. Auch das in Kooperation zwischen Bremen und Achim geplante Gewerbegebiet Achim-West auf niedersächsischem Gebiet gefährdet laut Gutachten Moorböden. Es wird ein Vorkommen von 36 000 m3 Torf geschätzt. Die Untersuchungen über ihre tatsächliche Mächtigkeit und die Möglichkeiten zur Reduzierung des Eingriffs dauern noch an.   Zudem sollten Vorrangflächen mit dem Ziel der Moorentwicklung im Rahmen der Neuaufstellung des Landesraumordnungsplans eingeführt werden. Um weitere moorschonende Nutzungen von Flächen zu erlauben, sollte zudem die Installation von Agri-PV-Anlagen auf ausgewählten Flächen erlaubt werden.
  7. Fördermittelmanagement: Niedersachsen und Bremen kofinanzieren gemeinsam das Förderprogramm der Europäischen Union für Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen (AUKM), die auch Moorschutzmaßnahmen fördern. Bremen unterstützt zudem eine nachhaltige Weidehaltung mit einer Weideprämie. Beweidung und Moorschutz müssen sich nicht zwangsläufig entgegenstehen. Mittelfristig sollten die Bedingungen derart angepasst werden, dass sie torfzehrende Bewirtschaftungsformen auf Moorböden nicht mehr fördern.

Neue Allianzen schmieden:

  1. Akteur*innen in Bremen und Niedersachsen einbeziehen: Beim Moorschutz müssen viele Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen. Nur gemeinsam mit den Landwirt*innen, den Gewässerobleuten, den Deich- und Bodenverbänden, den Naturschutzverbänden, den Beiräten und der Umweltbehörde ist ein umfassender Moorschutz in Bremen möglich. Gleichzeitig enden Wasserstände und Moorflächen nicht an der Landesgrenze. Am sinnvollsten ist daher ein abgestimmtes Vorgehen mit Niedersachsen. Die gemeinsame Kartierung durch das LBEK stellt dafür eine erste Grundlage dar. Gemeinsamer Moorschutz sollte daher im Kommunalverbund gemeinsam bearbeitet werden.
  2. Fördermittel einwerben: Es ist abzusehen, dass mit dem Aktionsprogramm der Bundesregierung bald Gelder für den Moorschutz zur Verfügung stehen werden. Der Senat sollte bereits jetzt Planungen für konkrete Moorschutzmaßnahmen erarbeiten, um sich schnellstmöglich auf Fördermittel der Bundesebene bewerben zu können.
  3. Zusammenarbeit auf Bundesebene: Eine Anpassung der Flächennutzung maßgeblich von momentan landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen im großen Stil braucht eine funktionierende Anreizsetzung. Widersprüche zwischen Wasserrecht, Naturschutz und Moorschutz treten vereinzelt auf. Beispielsweise kann die Eingriffsregelung im Naturschutzgesetz ggf. auch Eingriffe, die notwendig zur Wiedervernässung sind, behindern. Durch eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe sollten hier ein schneller Austausch von Problemen und Lösungsmöglichkeiten gefördert werden.

Bremen, den 14. November 2022


[1] Jeweils ca. ein Drittel der Kohlenstoffvorräte ist in Wäldern und Mooren gespeichert. Quelle: GMC (2019): Ein Drittel aller CO2-Emissionen einzusparen ist möglich – schnelle Einstellung von Moor-Entwässerung für wirkungsvollen Klimaschutz nötig! Faktenpapier zu Mooren in Mecklenburg-Vorpommern, aktualisiert 12/2019.

[2] Das sind jährlich 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Quelle: BMUV (2022): Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Eckpunktepapier.

[3] Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag (2021): Ausarbeitung CO2-Emissionen landwirtschaftlich genutzter Flächen. WD 8 - 3000 - 099/21.

[4] BUND Magazin 2/2022

[5] Gemäß dieser Grobanalyse handelt es sich um ca. 190.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr.

[6] Das Land Bremen hat ca. 4600 ha Moorböden. Quelle: Landschaftsprogramm Bremen 2015.

[7] CO2-Emissionen von Ackerflächen und intensiv bewirtschaftetem Grünland: 34 bis 41 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Hektar pro Jahr. Quelle: BAFU (2013): Moorregeneration als Klimaschutzmaßnahme: eine Recherche zur neuen Kyoto-Aktivität Wetland Drainage and Rewetting, S. 15.

[8] Ebenda.

[9] Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag (2021): Ausarbeitung CO2-Emissionen landwirtschaftlich genutzter Flächen. WD 8 - 3000 - 099/21.

[10] Mit einem winterlichen Grundwasserstand geringer als 25 cm unter Flur und einem Absinken von bis zu höchstens 40 cm unter Flur erst im späten Frühjahr.

[11] Paludikulturen sind landwirtschaftliche Nutzungen von Moorböden mit dem Ziel der Entstehung zusätzlichen Torfs. Hierzu werden beispielsweise Moose angebaut, die als Ersatz für Torf in Gartenbauerde Verwendung finden können oder Pflanzen, die in Biogasanlagen verfeuert werden können.

[12] BMUV (2022): Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Eckpunkte.

[13] Zum Beispiel Goldregenpfeifer, Birkhuhn, Hochmoor-Perlmuttfalter, Hochmoor-Mosaikjungfer oder die Spinne des Jahres 2022, der Trommelwolf.

[14] Nitsch, H.; Schramek, J. (2021): Grundlagen für eine Moorschutzstrategie der Bundesregierung. Endbericht zum gleichnamigen F+E-Vorhaben (FKZ: 3519 800 300).