Kulturangebote sichern und verlässlich fördern

Kunst und Kultur

Kunst und Kultur

Kunst und Kultur gehören zu den unverzichtbaren Fundamenten des menschlichen Lebens. Kunst setzt sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander, reflektiert Veränderungen und vermag kreativ in den gesellschaftlichen Wandel einzugreifen. Sie hat besondere Bedeutung für den Bereich der Bildung sowie für demokratische und gesellschaftliche Teilhabe. Die kulturelle Vielfalt trägt entscheidend zur urbanen Lebensqualität in Bremen bei und gehört zu den innovativen Bausteinen des Strukturwandels.

Die Beschäftigung mit Kunst und Kultur wirkt inspirierend, schafft Grundlagen für Offenheit, Toleranz und Kreativität, liefert Denkanstöße. Das bedeutet für uns nicht nur, Kultureinrichtungen und -projekte zu unterstützen. Das heißt auch, dass die Künste und Kulturen viel mehr BürgerInnen und vor allem jungen Menschen erlebbar und nutzbar gemacht werden müssen. Wir wollen mehr Räume schaffen, wo dieses Potenzial gelebt und gemeinsam entwickelt werden kann. Kunst und Kultur sind wichtige Angebote an alle – nicht nur in ihrem Konsum, auch in der Praxis. Wir haben den „Bremen-Pass“ eingeführt. Damit können Vergünstigungen bei kulturellen Veranstaltungen, im Sportverein oder beim Musikunterricht genutzt werden. So wollen wir allen BremerInnen soziale und kulturelle Teilhabe  ermöglichen.
 
Kunst und Kultur benötigen Freiräume, in denen sie sich entfalten können. Wir wollen Einrichtungen und Projekten Planungssicherheit geben. Bei der finanziellen Förderung haben für uns jene Einrichtungen und Projekte, die das Stadtleben und die Kulturlandschaft prägen, eine besondere Bedeutung gegenüber kurzlebigen Events und kommerziell zu bewerkstelligenden Angeboten. Für die kulturelle Projektförderung werden Mittel über einen festen Haushaltstitel ausgewiesen. Darin enthalten soll ein fester Anteil für Kinder- und Jugendkultur sein. Die notwendigen Investitionen zum Substanzerhalt und zur baulichen Ertüchtigung der bremischen Kultureinrichtungen sind sichergestellt.

Wir setzen uns dafür ein, dass Kunst und Kultur vom Kindergarten und den ersten Schuljahren an eine wichtige Rolle spielen. Kulturelle Bildung vermittelt Schlüsselkompetenzen. Wir wollen Modellprojekte und Patenschaften zwischen Ganztagsschulen und Kulturschaffenden und -einrichtungen vorantreiben. Kunst und Kultur können eine Brücke sein zwischen den Menschen aus verschiedenen Ländern in unseren Städten. Wir wollen den interkulturellen Dialog verstärken.
 
„Neues“ muss in einer sich wandelnden Gesellschaft Räume und Ressourcen erobern können. Gerade auch zeitlich befristete Projekte können erhebliche Impulse für Kultur- und Stadtentwicklung geben, ohne institutionalisiert werden zu müssen. Ganz besonders betrifft das temporäre Zwischennutzungen leer stehender Gebäude oder Flächen. Die Fraktion hatte eine Vermittlerrolle übernommen, um eine weitere subkulturelle Nutzung des Alten Sportamtes in der Pauliner Marsch zu ermöglichen. Zur beschlossenen Vereinbarung gehört, dass die NutzerInnen für bestimmte z.B. versicherungsrechtliche Fragen auch Verantwortung übernehmen. Seit mehr als vier Jahren sucht der Verein Zucker – ein Netzwerk aus Kunst- und Kulturschaffenden – einen Raum für ein soziokulturelles Zentrum. 2016 konnte der Hochbunker an der Hans-Böckler-Straße als geeigneter Ort für Clubraum, Werkstätten und Ateliers ausgemacht werden. Die Finanzierung für die Nutzung bzw. Umbaumaßnahmen des Bunkers hat der Verein u.a. über Crowdfunding sichergestellt. Die Grünen-Fraktion unterstützt das Vorhaben mit einem Antrag, die nötigen bau- und vergaberechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Schließlich hat das soziokulturelle Projekt auch weit über die Grenzen Bremens hinaus Strahlkraft. Um die Zwischenzeit zu überbrücken, unterstützt die Grünen-Fraktion die Nutzung des ehemaligen Papageienhauses durch das Zucker. In den letzten Jahren finden sich vermehrt engagierte junge Menschen aus der Subkulturszene Bremens zusammen, um jeweils einen Sommer lang ein jeweils einzigartiges kulturelles Programm auf die Beine zu stellen. Der Kulturbeutel e.V. trägt mit seinen in den Sommermonaten stattfindenden Zwischennutzungsprojekten – vom Unterhalb und Außerhalb, über das Anderswo bis hin zum Irgendwo – zu einer kreativen, jungen Dynamik der Subkulturszene Bremens erheblich bei. Auch Die Komplette Palette im Hemelinger Hafen veranstaltet während der Sommermonate ein vielfältiges Kulturprogramm und hat sich bereits nach kurzer Zeit in der Kulturszene Bremens etabliert.  Die Grünen-Fraktion setzt sich für diese Arten der Zwischennutzung ein und unterstützt die Prozesse der Kommunikation zwischen allen Beteiligten, um hier immer wieder Lösungen für ungewöhnliche, innovative Projekte zu finden.

Im Sommer sind auch Freiluftpartys aus dem subkulturellen Leben Bremens nicht wegzudenken. Früher kam es bei selbstorganisierten Freiluftpartys wegen unklarer Rahmenbedingungen immer wieder zu Problemen mit der Polizei bzw. Ordnungsbehörden. Um kollektive Freiluftpartys unbürokratisch zu ermöglichen und zugleich Konflikte zu vermeiden, hat die Bürgerschaft ein von den Grünen erarbeitetes Gesetz verabschiedet. Gefeiert werden darf auf öffentlichen Grünflächen und an Badestellen. Bis zu sieben Mal darf auf der gleichen Fläche jährlich gefeiert werden. Ausgenommen sind Naturschutzgebiete, denkmalgeschützte Orte sowie Flächen, die die Stadtteilbeiräte zum Feiern per Votum ausschließen. Die Feier unter freiem Himmel ist gebührenfrei beim Stadtamt anzumelden. Die Party-Kollektive müssen bis zu drei Ansprechpersonen mit Telefonnummer für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie die  genaue Örtlichkeit benennen. Die VeranstalterInnen haben sicherzustellen, dass keine AnwohnerInnen durch Lärm gestört werden. Nicht zuletzt verpflichten sie sich, bis 10 Uhr des Folgetages gröbere Verschmutzungen zu beseitigen. Eine Stadt, die für junge Menschen attraktiv werden möchte, muss ihnen auch Freiräume ermöglichen.

Die Ausplünderung von Jüdinnen und Juden hatte in Bremen eine besondere Dimension: Die Finanzbehörde profitierte von den Habseligkeiten, die sie bei ihrer Flucht über Bremerhaven zur Versteigerung hergeben mussten. Speditionen wie Kühne + Nagel transportierten im großen Stil den Hausstand von deportierten Jüdinnen und Juden aus den besetzten Ländern zur Versteigerung nach Deutschland. Bremerinnen und Bremer ersteigerten zu Spottpreisen Möbel und mehr, während die EigentümerInnen in den Vernichtungslagern vergast wurden. An diese besondere Rolle Bremens soll ein Mahnmal erinnern, das die Grünen-Fraktion in Anlehnung an eine taz-Initiative beantragt hat. Das Mahnmal ist beschlossen, vorgesehen ist nach intensiver öffentlicher Debatte ein Standort an der Schlachte. Nach über 70 Jahren wird es ein Mahnmal zu diesem beschämenden Kapitel deutscher bzw. bremischer Geschichte geben.

Der deutsche Kolonialismus hatte auch in Bremen seinen Ursprung: Der Bremer Kaufmann Alfred Lüderitz hatte 1884 Namibia (damals Deutsch-Südwestafrika) mit einem unlauteren Vertrag in Besitz genommen und wurde damit zum Begründer der ersten deutschen Kolonie. Ob Straßennamen, Gebäude wie das Überseemuseum, Denkmäler wie der Elefant oder auch der von H.H. Meier gegründete Norddeutsche Lloyd – in Bremen sind viele Spuren der kolonialen Vergangenheit sichtbar. Eine klare Linie zur kritischen Aufarbeitung der Bremischen Rolle im Kolonialismus fehlte bis auf punktuelle Initiativen bislang. Die Grünen-Fraktion hat daher mit einem Antrag ein Erinnerungskonzept gefordert. Daran wird derzeit senatsseitig mit den diversen Akteuren gearbeitet.

Für die kulturelle Bildung brauchen wir auch eine leistungsstarke Volkshochschule, gut ausgestattete Bibliotheken und zeitgemäße Bürgermedien. Die Stadtbibliothek ist ein Treffpunkt für alle BremerInnen. SchülerInnen machen dort gemeinsam ihre Referate, Geflüchtete lernen Deutsch, Freunde treffen sich zu einer Partie Schach, Menschen mit geringem Einkommen nutzen das kostenlose Internet. Die Stadtbibliothek ist ein öffentlicher Ort von Begegnung und Teilhabe. Aber ausgerechnet sonntags, wenn die Menschen am meisten Zeit haben, muss die Bibliothek geschlossen bleiben. Für sie gilt im Gegensatz zu anderen Kultureinrichtungen wie Theatern, Konzertsälen oder auch Museen bisher keine Ausnahme im Bundesarbeitszeitgesetz. Die Grünen-Fraktion setzt sich für die Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek ein, damit BremerInnen ihre Bibliothek gerade an Sonntagen als kostenlosen Treffpunkt, zur Muße oder Bildung nutzen können. Außerdem sollen volljährige KundInnen die Stadtbibliothek auch dann nutzen können, wenn keine MitarbeiterInnen anwesend sind. ‚Open Library‘ heißt das Konzept. Es kommt aus Dänemark, wo es seit über zehn Jahren ohne negative Folgen wie Vandalismus etc. gut angenommen wird. Die KundInnen haben dabei mit ihrem Bibliotheksausweis den digitalen Schlüssel, um die Bestände auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu nutzen. Die Stadtbibliothek will das Open Library-Konzept zunächst an zwei Außenstandorten erproben, die Grünen-Fraktion unterstützt dies.
 
Kreativbranchen wie Kultur und Medien, Design, Software-Entwicklung, Marketing, Veranstaltungswesen und Freizeitwirtschaft sind ein bedeutender Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung und Impulsgeber für andere Wirtschaftszweige. Wir wollen die hiesige Kultur- und Kreativwirtschaft zielgenau unterstützen und ihr Potenzial besser nutzen.