Kinder

Fünf Grüne Forderungen: Perspektiven für Kinder und Familien in Zeiten der Corona-Pandemie

Spielplatz © Afinocchiaro

Spielplatz © Afinocchiaro

Kinder tragen eine große Last bei der Bewältigung der Corona-Pandemie: sie wurden aus ihrem sozialen Umfeld gerissen und von ihren Freund*innen getrennt. Durch die Schließung von Spielplätzen, Kinos, Museen, Sportplätzen und anderen Freizeit- und Kultureinrichtungen wurden den Familien mit Kindern bisher zusätzlich Möglichkeiten genommen, sich außerhalb der eigenen vier Wände zu beschäftigen. Vor allem der Wegfall des direkten Kontakts zu anderen gleichalten Kindern sowie die sozialen und pädagogischen Anregungen in den Kindertageseinrichtungen fehlen. Hieraus entwickeln sich vor allem für die Kinder Nachteile, deren Familien keine oder nur sehr eingeschränkt entsprechende Angebote machen können und für die eine frühe Förderung besonders wichtig ist. Zudem können fehlende Strukturen im Alltag und die kaum vorhandenen Ausweichmöglichkeiten das Konfliktpotential in der Familie erhöhen. Dies bringt für Familien ein hohes Belastungspotential mit sich und ist ein ernstzunehmendes Problem. Ungeachtet der für uns zentralen obersten Priorität für den Gesundheits- und Infektionsschutz ist es daher wichtig, die Lebensbedingungen für Kinder zeitnah so zu ändern, dass sie unter Beachtung verbindlicher Regeln ein Stück weit aus der bestehenden Isolation heraus kommen.

Die Staats- und Senatskanzleien in den Ländern haben aktuell den Auftrag, bis zum 6. Mai 2020 Vorschläge für die weitere schrittweise Öffnung von Kinderbetreuungsangeboten, Schulen und Sportstätten zu erarbeiten. Der Bund-Länder-Beschluss vom 30. April 2020 erlaubt unter Auflagen unter anderem die Nutzung von Spielplätzen, Museen, Ausstellungen, Zoos und botanischen Gärten. Einiges ist also im Fluss, einiges muss noch warten. Wir fordern in dieser Situation klare Perspektiven für Kinder und Familien in Zeiten der Corona-Pandemie.

Ausweitung der Notbetreuung in den KiTas, Einführung von Bedarfsfällen

Die Notbetreuung in den KiTas gilt im Land Bremen mit Stand 20.04.2020 für Kinder, deren Eltern in Betrieben der kritischen Infrastruktur tätig sind. Dabei reicht es aus, dass ein Elternteil dort beschäftigt ist und die zweite erziehungsberechtigte Person berufstätig ist. Für Alleinerziehende gilt dies entsprechend. Um soziale Härten in Familien abfedern zu können, gilt zudem eine Härtefallreglung für alle Kinder, die sich in „problematischen Lagen“ befinden. Das gilt beispielsweise für Kinder, die einen hohen Unterstützungsbedarf aufgrund von Armut oder schwierigen Lagen in der Familie haben. Darüber hinaus werden Kinder von Erziehungsberechtigten aufgenommen, die alleinerziehend oder bei denen beide Erziehungsberechtigten berufstätig sind und keine private Betreuungsmöglichkeit. So die aktuelle Lage.

Darüber hinaus gibt es weitere Gruppen von Kindern, die aus verschiedenen Gründen einen dringenden Bedarf für die Teilnahme an einer Notbetreuung haben. Die Erzieher*innen in den KiTas kennen die von ihnen betreuten Kinder und deren Familien. Sie wissen in vielen Fällen sehr genau, für welche Kinder der KiTa-Besuch besonders wichtig ist. Gründe hierfür können etwa Entwicklungsverzögerungen und / oder große Sprachdefizite bei den Kindern, familiäre Belastungsfaktoren, eine Überforderung der Eltern u.a. sein:

1. Wir fordern eine Ausweitung der Notbetreuung für Kinder, die als „Bedarfsfall“ von ihren KiTas gemeldet werden! Zusätzliche Betreuungskapazitäten in der Notbetreuung könnten bei Bedarf z.B. durch eine Aufteilung der Betreuungszeiten in vormittags und nachmittags bzw.  tageweise (eine Gruppe an 3 Tagen, eine Gruppe an 2 Tagen o.ä.) erreicht werden. Zudem ist denkbar, die Gruppengröße von 5 Kindern pro Gruppe schrittweise zu erhöhen, sofern sich die Ansteckungsgefahr im Bereich der Kindertagesbetreuung als gering erweist. Entscheidend sollte hierbei sein, welche Möglichkeiten der jeweilige Träger bzw. die konkrete Einrichtung sieht, eine Ausweitung der Notbetreuung für diese Kinder unter Beibehalt strenger Regelungen des Gesundheits- und Infektionsschutzes zu ermöglichen. 

Kreative Lösungen für alle Kinder: Frühkindliche Bildung ist wertvoll!

Die Kapazitäten der Notbetreuung sind begrenzt. Je länger die Schließung des regulären KiTa-Betriebs dauert, desto schwieriger wird auch die Situation für Kinder, die weder aus beruflichen Gründen der Eltern an der Notbetreuung teilhaben noch zu einer Härtefall- oder Bedarfsfall-Gruppe gehören. Je mehr Kinder an der Notbetreuung teilnehmen, desto stärker wird das Ungerechtigkeitsgefühl in den Familien, die nicht partizipieren. Frühkindliche Bildung ist wertvoll und darf nicht für Monate komplett ausgesetzt werden. Kinder dürfen sozial nicht isoliert werden. Wir sagen: Auch unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes ist es möglich, allen Kindern – zumindest für ein paar Stunden pro Woche – Kontakt zu anderen Kindern zu ermöglichen, zu spielen und Angebote der frühkindlichen Bildung wahrzunehmen. Nebenbei können so auch Eltern zwischendurch einmal wieder neue Kraft schöpfen. Scheuen wir uns nicht vor kreativen Lösungen! Denken wir über den Tellerrand regulärer Kindertagesbetreuung hinaus:

2. Wir fordern Angebote für Kinder, die nicht in die KiTa-Notbetreuung gehen. Den Regularien der Notbetreuung folgend sollen feste Gruppen von bis zu 5 Kindern ein- oder mehrmals pro Woche ein gemeinsames Angebot wahrnehmen können. Durchgeführt werden könnten die Angebote im Krippen- (unter 3-jährige) und Elementarbereich (über 3-jährige) von Erzieher*innen, die aktuell nicht oder nicht im vollen Stundenumfang ihrer Stelle in der Notbetreuung tätig sind. Insbesondere für Krippenkinder sollte hierbei gelten, dass möglichst eine vertraute Bezugsperson aus der eigenen KiTa für das Betreuungsangebot zuständig ist. Für Kinder im Elementarbereich könnten zusätzlich Angebote von Trägern der freien Jugendhilfe geschaffen werden, die sonst auch Kinder- und Jugendprogramme anbieten. Spezielle Vorschulgruppen für diejenigen Kinder, die im Sommer 2020 eingeschult werden, müssen ebenfalls eingerichtet werden. Denkbar ist zudem, Nachmittagsangebote für Kinder im Schulalter zu schaffen. Äquivalent zur Notbetreuung sollten bei allen genannten Optionen immer die gleichen Kinder mit der gleichen Betreuungsperson eine Gruppe bilden und regelmäßig in genau dieser Konstellation zusammenkommen. Dies ließe sich über Vorgaben festlegen, an denen verbindlich festgehalten werden müsste. Ebenso können auch für diese Betreuungsformen Hygienekonzepte erstellt werden.

Risikogruppen nicht vergessen!

Kleine Kinder, die einer Risikogruppe angehören, haben es besonders schwer. Kontakt zu Freunden können sie noch nicht telefonisch halten, sie werden aber auch lange Zeit nicht wieder in die KiTa gehen können:

3. Wir fordern ein Konzept für den Umgang mit kleinen Kindern, die einer Risikogruppe angehören. Die Kinder müssen wissen, dass sie nicht vergessen wurden. KiTas sollen daher einen Leitfaden erhalten, wie mit den Kindern und Eltern Kontakt gehalten werden und völlige Isolation verhindert werden kann. Hier sollten auch Entwicklungspsycholog*innen einbezogen werden. Kreative Lösungen müssen für jeden Einzelfall möglich gemacht werden, auch und insbesondere für Kinder mit Beeinträchtigungen.

Spielplatzöffnungen als dauerhafte Perspektive gestalten!

Der Bund-Länder-Beschluss vom 30.04. erlaubt, Spielplätze mit Auflagen wieder zu öffnen. Dies wird von uns Grünen ausdrücklich befürwortet. Viele Familien leben in Wohnungen und haben keinen Garten. Doch Kinder wollen draußen spielen! Nun müssen Regelungen und Rahmenbedingungen gefunden werden, die die angekündigte Öffnung auch dauerhaft ermöglichen und das Risiko einer erneuten Schließung minimieren. Auflagen für die Nutzung müssen für Kinder und ihre Eltern realistisch umsetzbar sein. Das Wetter ist schön, der Spielplatz ruft und ist – offen! So sollte es in Zukunft wieder sein.

4. Wir fordern die Spielplatzöffnungen so zu gestalten, dass diese eine dauerhafte Perspektive haben. Bei Plätzen, die erfahrungsgemäß sehr stark genutzt werden, könnten z.B. Spielzeitbuchungen in einer Liste am Spielplatz oder online Abhilfe schaffen. Viele Menschen haben aktuell Zeit und wollen sich gern engagieren. Koordiniert und begleitet werden könnte die Spielplatznutzung und -aufsicht daher durch Ehrenamtliche, die eine Einweisung in diese Tätigkeit erhalten.

Sommerferien in Sicht. Wir müssen jetzt mit den Planungen beginnen!

Eine Feriengestaltung mit Urlaubsreisen oder Ferienprogrammen zuhause zusammen mit vielen anderen Kindern scheint aktuell in weiter Ferne. Es muss daher rechtzeitig geplant werden, wie möglichst viele Ferien- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden können, die den aktuellen Erfordernissen entsprechen. Denkbar sind z.B. Freizeiten für Kleingruppen. Entstehen könnten dadurch auch Tätigkeitsmöglichkeiten für z.B. Sportvereine, Naturschutzgruppen oder Kulturschaffende, die derzeit mit enormen Einnahmeausfällen zu kämpfen haben und ergänzend zu üblichen Anbietern Angebote machen könnten. 

5. Wir fordern einen frühzeitigen Einstieg in die Planung von Sommerferienprogrammen für Kleingruppen verschiedener Altersstufen und mit der Möglichkeit einer kostenlosen Teilnahme, sofern Bedürftigkeit vorliegt. Institutionen und Träger sollen darüber hinaus die Möglichkeit haben und eingeladen werden eigene Programme und Ferienangebote nach bestimmten festgelegten Kriterien zu entwickeln.

Die fünf Grünen Forderungen in der Übersicht

  • Wir fordern eine Ausweitung der Notbetreuung für Kinder, die als „Bedarfsfall“ von ihren KiTas gemeldet werden
  • Wir fordern Angebote für Kinder, die nicht in die KiTa-Notbetreuung gehen
  • Wir fordern ein Konzept für den Umgang mit kleinen Kindern, die einer Risikogruppe angehören
  • Wir fordern die Spielplatzöffnungen so zu gestalten, dass diese eine dauerhafte Perspektive haben
  • Wir fordern einen frühzeitigen Einstieg in die Planung von Sommerferienprogrammen für Kleingruppen verschiedener Altersstufen und mit der Möglichkeit einer kostenlosen Teilnahme, sofern Bedürftigkeit vorliegt

Bremen, den 4. Mai 2020