Bildungsgerechtigkeit herstellen, Bildungsangebote weiter verbessern

Kinder

Kinder

In Krippen und Kindergärten werden die Grundlagen gelegt, um Kindern die Chance für eine erfolgreiche Entwicklung zu eröffnen. Zugleich ermöglicht die Kinderbetreuung eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Betreuungsquote soll mit zusätzlichen Plätzen weiter erhöht werden. Die Öffnungszeiten wollen wir flexibilisieren und damit insbesondere auch die Situation von Alleinerziehenden verbessern.

Auf den Anfang kommt es an: Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Krippen und Kindergärten bilden zusammen mit den Grundschulen das Fundament des Bildungswesens. Hier werden bereits entscheidende Weichen für die Kinder gestellt. Gerade die Förderung in den ersten sechs Jahren ist von großer Bedeutung für die Zukunftschancen der Kinder. In der frühen Kindheit werden die Grundlagen für alle nachfolgenden Bildungsprozesse gelegt: der Aufbau von Sozialkompetenz, die Entwicklung der körperlichen Geschicklichkeit, die Ausbildung des Sprachvermögens, der sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit, der Phantasie und des Denkens. Zu alledem können Krippen und Kindergärten einen wertvollen Beitrag leisten. Krippen und Kindergärten sind neben ihrem Bildungsauftrag aber nach wie vor auch Orte des unbeschwerten Spiels, des Kennenlernens von Gleichaltrigen und des kindgerechten Zusammenseins und nicht zuletzt auch Einrichtungen, die beiden Eltern ermöglichen, ihrem Beruf nachzugehen.
 
Die Grünen-Fraktion will die Kita-Beiträge für 3- bis 6-jährige Kinder zum Kita-Jahr 2019/20 abschaffen. Die angestrebte Beitragsfreiheit darf allerdings nicht zulasten des weiteren Kita-Ausbaus und der Betreuungsqualität gehen. Der Senat ist mit einer Koalitionsinitiative gefordert, nun die Details auszuarbeiten. Dabei geht es u.a. um die beitragsfreie Stundenanzahl, aber auch um die Frage, wie viel mehr Personal benötigt wird und ob das angesichts des aktuellen Fachkräftemangels realistisch ist.

Grünes Ziel ist es, von Anfang an mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Dafür ist es auch wichtig, die frühkindlichen Bildungsangebote weiter zu verbessern. Der Kita-Ausbau und die Schaffung weiterer Krippen-Plätze für Kinder unter drei Jahren in allen Stadtteilen, gerade auch denjenigen mit vermehrten sozialen Problemlagen, ist auch in dieser Legislaturperiode ein zentrales  grünes Anliegen. Kitas in benachteiligten Stadtteilen werden stärker gefördert: Pro Jahr stehen ab 2018 zusätzlich 2,3 Millionen Euro für mehr Sprachförderung und pädagogische Angebote bereit. Bildung von Anfang an ist schließlich das wirksamste Mittel, um Kindern den Weg aus der Armut zu eröffnen.

Aufgrund der Zuzüge, hohen Geburtenrate und einem veränderten Anmeldeverhalten steht Bremen vor der Herausforderung, innerhalb kurzer Zeit zusätzliche Krippen- und Kitagruppen sowie Klassenverbände zu schaffen. Zwar hat der Ausbau von Krippen und Kitas allein zum und während des laufenden Kita-Jahres 2017/2018 mit rund 2000 zusätzlichen Plätzen einen historischen Höchststand erreicht. Doch der Kraftakt geht weiter, schließlich werden bis 2020 mehr als 3800 neue Kita-Plätze benötigt.  Damit der Neu- und Umbau von erforderlichen Kitas und auch Schulen inklusive Ganztagsausbau nicht mehr bis zu sieben Jahre dauert, fordert die Grünen-Fraktion u.a. beschleunigte Verfahren. Vorbild dafür können die Erfahrungen mit dem raschen Aufbau von Flüchtlingsunterkünften sein. Die zuständigen MitarbeiterInnen der Ressorts Bildung, Bau sowie Finanzen und die MitarbeiterInnen von Immobilien Bremen müssen eng verzahnt werden, um Zeitverluste bei nötigen Abstimmungen der verschiedenen Stellen zu verringern. Gleichzeitig müssen bremische Regelungen wie in der Bauordnung und im Vergaberecht überprüft werden, um eventuelle Hürden abzubauen und mehr Tempo beim Neubau aufzunehmen. Die beteiligten Stellen müssen auch finanziell und personell in die Lage versetzt werden, das Bauprogramm schnell und effizient umzusetzen.. Nicht zuletzt soll IB fortan ausreichend Flächen für die städtische Infrastruktur bereithalten, statt sie in erster Linie zu verkaufen. Der Senat ist mit einem beschlossenen Antrag der Koalitionsfraktionen gefordert, dies nun umzusetzen.

Offenbar ist im Krippen- und Kitabereich aber auch das starre Planungssystem überfordert, solche kurzfristigen Schwankungen wie Zuzüge und plötzlichen Geburtenanstieg verlässlich aufzufangen. Die Grünen-Fraktion macht sich deshalb für einen Systemwechsel stark: Die zentrale und kleinteilige Planung von Betreuungsplätzen soll perspektivisch durch ein flexibleres Kita-Gutschein-Modell ersetzt werden. Das wird erfolgreich in Hamburg und Berlin praktiziert. Das Kita-Gutschein-System vereinfacht die Planung erheblich. Die Stadt stellt mit einem Rahmenvertrag weiterhin  die Qualitätsstandards sicher,  plant aber nicht jeden Kita-Platz selbst. Das machen die Träger anhand der tatsächlichen Nachfrage. Die Eltern erhalten von der Behörde einen Gutschein mit der gewünschten Stundenzahl und lösen ihn bei einer Kita ein, die ihren Bedürfnissen entspricht. Die Kita rechnet die Kosten auf Basis des Gutscheins direkt mit der Stadt ab. Das entlastet alle Kitas vom bürokratischen Aufwand. Für Träger und Eltern wird es einfacher. Die Umstellung müsste allerdings parallel zum aktuell nötigen Ausbau erfolgen. Dafür sind zusätzliche Kräfte in der Verwaltung nötig, weil nicht dieselben Leute für den jetzigen Kita-Ausbau und für die Implementierung eines Gutschein-Systems für die Zukunft sorgen können.
 
Flexibler werden müssen nach Ansicht der Grünen-Fraktion die Kinderbetreuungszeiten. Alleinerziehende in einer Großstadt z.B. müssen in der Regel ohne familiäre Unterstützungssysteme auskommen. Grundlage einer Erwerbstätigkeit ist daher eine verlässliche und flexible – an den tatsächlichen Bedarf angepasste – Kinderbetreuung. Hier gibt es in Bremen einen enormen Nachholbedarf, denn die Regelbetreuung von 8 bis 16 Uhr in den öffentlichen Kitas hat mit den regelhaften Arbeitszeiten eines Großteils der Beschäftigten in Bremen wenig zu tun. Es braucht daher dringend ein zukunftsfähiges Konzept für bedarfsgerechte Betreuungszeiten und den Ausbau flexibler Kinderbetreuungsangebote, insbesondere zu Ferienzeiten, Wochenenden, zu Randzeiten oder als Notfallbetreuung; damit Mütter und Väter mit Berufen z.B. im Pflege- und Erziehungsbereich, im Einzelhandel und in der Gastronomie, mit Schichtdiensten oder während Qualifizierungsmaßnahmen Familie und Beruf vereinbaren können.
 
Die Grünen-Fraktion will die Übergänge für sog. Karenz-Kinder von der Krippe in die Kita und von der Kita in die Schule vereinfachen. Das Ziel: Die Kindergartengruppen sollen für mehr frühkindliche Bildung u.a. von Wickelkindern entlastet werden und die Einschulung soll sich stärker an der Schulreife des Kindes orientieren. Um dies zu erreichen, soll der Stichtag für den Übergang von der Krippe in die Kita auf den 30. September vorgezogen werden. Dadurch würden alle Kinder, die später geboren sind, noch ein weiteres Jahr in der Krippe verbleiben. Zugleich müsste das Krippenangebot entsprechend ausgeweitet werden bzw. auch mehr Sharing-Plätze eingerichtet werden, bei dem sich Eltern auf eigenen Wunsch einen Platz für ihre Kinder teilen können.  Auch die Einschulung von Karenz-Kindern soll auf eine solidere Grundlage gestellt werden. Bisher erfolgt die verbindliche Schulanmeldung der Kinder im Januar eines jeweiligen Jahres.  Die Zurückstellung des Kindes kann nur beantragt werden, falls die erst im Frühjahr erfolgende Schuleingangsuntersuchung einen entsprechenden Entwicklungsstand attestiert. Sollten sich die Eltern dann gegen die Einschulung entscheiden, ist die Platzvergabe im Kindergarten jedoch schon abgeschlossen. Falls dem Kind die Schulreife nicht attestiert wurde, stehen Eltern vor der Wahl, schlimmstenfalls ohne Betreuung dazustehen oder den Schulerfolg des Kindes von Beginn an zu gefährden. Um das zu vermeiden, will die Grünen-Fraktion die Anmeldefrist für die Grundschule ebenso auf den September vorziehen wie die Schuleingangsuntersuchung. Dadurch erhielten Eltern eine gute Basis für ihre Entscheidung, ob ihr Karenz-Kind bereits eingeschult werden soll oder nicht und hätten den Kita-Platz weiterhin sicher.

Die Qualität des Lernens und des interaktiven Umfeldes, das den Kindern in den Kindertagesstätten geboten wird, hängt eng mit der Anzahl der Fachkräfte und dem Niveau der Ausbildung der PädagogInnen und ErzieherInnen zusammen. Im Bereich der Qualitätsentwicklung setzen sich die Grünen für eine verbesserte Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte ein. Kinder brauchen für ihre Entwicklung und Bildungschancen in den Tageseinrichtungen qualifiziertes, fachlich kompetentes Personal. Um die Aufnahme der ErzieherInnen-Ausbildung deutlich attraktiver zu machen, wird eine Praxis-Integrierte Ausbildung (PIA) angeboten, die wie eine duale Ausbildung mit den Lernorten Berufsschule und Arbeitsplatz KiTa organisiert ist. Zudem kostet sie nicht nur kein Schulgeld sondern die Auszubildenden erhalten eine Ausbildungsvergütung, die von knapp unter 1.000 Euro im ersten Jahr bis auf über 1.000 Euro im Abschlussjahr anwächst. Mittelfristig sollen alle Ausbildungsplätze so ausgestaltet sein. Attraktivität der Ausbildung und eine angemessene Bezahlung der Fachkräfte sind das wirksamste Mittel gegen den herrschenden Fachkräftemangel. Darüber hinaus wollen die Grünen in Krippen und Kitas zu einem Fachkräftemix kommen, der auch SozialassistentInnen  und andere Berufsgruppen enthält. Zur Entlastung und Unterstützung der ErzieherInnen können zahlreiche Fachkräfte beitragen. , Auch den Anteil von Männern und Fachkräften mit Migrationshintergrund wollen wir deutlich erhöhen, denn beide haben wichtige Vorbildfunktion für die Kinder in unseren Kitas.

Um die Vernachlässigung von Kindern frühzeitig zu erkennen und den Kinderschutz zu stärken, haben wir den Bereich Kindeswohl personell verstärkt. Wesentliche Bedeutung hat die Vernetzung verschiedener Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten. Inzwischen gibt es klare Zuständigkeiten, verbindliche Kooperations- und Meldestrukturen und die stärkere Vernetzung mit dem Gesundheitssystem. Die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder haben wir verbindlich gestaltet. Familien, die mit ihren Kindern nicht an den Untersuchungen teilgenommen haben, werden aufgesucht.
 
Für Kinder sind gerade in einer Großstadt intakte Spielplätze wichtig. Bewegung fördert die Entwicklung des Nachwuchses, auf Spielplätzen lernen Kinder zudem das soziale Miteinander. Viele Spielplätze in Bremen sind aber mittlerweile in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Um bei den Spielplatz-Sanierungen schneller voranzukommen als bisher, ist der Haushaltsansatz auf grüne Initiative um 700.000 Euro auf 1,025 Millionen Euro jährlich erhöht worden. Die Spielplätze werden nun anhand einer Prioritätenliste nach dringendem Bedarf saniert. Kinder sollen bei der Gestaltung der Spielplätze künftig stärker einbezogen werden.