Solidarität, Individualität und Prävention

Gesundheit

Gesundheit

Grüne Gesundheitspolitik ist gekennzeichnet durch Solidarität, Individualität und Prävention. Wir Grünen stehen zu einem solidarischen Gesundheitssystem.

Wir lehnen jede Form der Zwei-Klassen-Medizin ab und fordern die Einführung einer Bürgerversicherung, die alle einbezieht. Als Schritt in diese Richtung wollen wir Beamtinnen und Beamten die Möglichkeit geben, ohne finanzielle Nachteile von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Bei der Gesundheitsversorgung geht es im Wesentlichen um die Behandlung von Krankheiten. Doch das ist zu kurz gegriffen: Viele Erkrankungen könnten durch Gesundheitsförderung und Prävention verhindert oder ihre Verschlimmerung vermieden werden. Wir Grünen setzen auf mehr Prävention und Gesundheitsförderung. Dazu wollen wir das neue Präventionsgesetz nutzen und vor allem die Prävention durch lebensweltbezogene Maßnahmen in den Quartieren stärken. Dabei geht es auch um die Bedingungen, unter denen wir leben: Eine Verkehrspolitik, die zu weniger Schadstoffen in der Luft führt, verringert Atemwegerkrankungen; weniger Lärm verringert Herz-Kreislauf-Erkrankungen; mehr Bewegung fördert die Gesundheit; gerechter Zugang zu Bildung und die Chance auf Arbeit fördern die seelische und körperliche Gesundheit. Unsere Ernährung hat einen hohen Einfluss auf unsere Gesundheit. Wir setzen uns für gesunde Ernährung in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Kantinen ein.

Wir setzen uns für eine konsequente PatientInnenorientierung im Gesundheitswesen ein. Die Behandlungsabläufe und Versorgungsstrukturen sind an den Bedürfnissen und Interessen der PatientInnen auszurichten. Dafür sollen der stationäre und ambulante medizinische Sektor besser vernetzt werden. Das ist gerade vor dem Hintergrund der Fallpauschalen wichtig, durch die sich die Liegezeit im Krankenhaus verkürzt. Eine gute gesundheitliche Versorgung darf nicht an langen Wegen und fehlenden Strukturen vor Ort scheitern. Dazu gehört auch ein gutes, unabhängiges Beratungsangebot für körperlich und seelisch Kranke. Damit sich gerade auch in sozial benachteiligten Quartieren ausreichend Arztpraxen ansiedeln, wollen wir eine kleinräumigere Versorgungsplanung.

Ein Schwerpunkt ist die Sanierung der vier kommunalen Kliniken und der Struktur des Klinikverbundes. Wir wollen die vier kommunalen Kliniken erhalten, um für alle BremerInnen eine wohnortnahe medizinische Versorgung zu sichern. Das medizinstrategische Konzept für die Gesundheit Nord muss eine sinnvolle Konzentration von Abteilungen und Investitionen beinhalten, die zu mehr Wirtschaftlichkeit und zugleich einer verbesserten Versorgung der PatientInnen führen. Dabei muss auch die Kooperation mit den anderen Kliniken in Bremen verbessert werden, um Synergieeffekte zu nutzen und Doppelstrukturen abzubauen. Das hochwertige Behandlungsangebot soll auch weiterhin Patientinnen und Patienten aus Niedersachsen zur Verfügung stehen. Die Finanzierung darf dabei aber nicht alleine auf Bremens Schultern lasten. Wir setzen uns für eine gemeinsame Bedarfsplanung von Bremen und dem niedersächsischen Umland ein.

Gute Pflege ist uns wichtig. Wir wollen die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen verbessern. Wir wollen mit den Pflegenden einen Dialog über mehr Ausbildungsplätze, verbesserte Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, verbindliche Personalbemessungen in Kliniken und mehr Durchlässigkeit zu höheren Qualifikationen in Pflege- und Therapieberufen führen. Bremen übernimmt für die Ausbildung in der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie ab August 2018 das Schulgeld. Bremen benötigt auch zusätzliche Pflegekräfte. Um dies zu erreichen, soll der Senat entweder ein Sonderprogramm zur Altenpflege für arbeitslose Menschen auflegen oder im Rahmen der Bremer Pflegeinitiative begleitende Maßnahmen durchführen, um die freien Plätze vollständig zu besetzen. Dafür stehen jährlich 220.000 Euro bereit.

Seelische Erkrankungen und seelisches Leid nehmen zu.  Neben individuellen Bedingungen haben auch politisch beeinflussbare Faktoren wie Bildung, Arbeitsprozesse, Teilhabe, unsere gesamte Umwelt einen Einfluss auf die seelische Gesundheit. Wir Grünen wollen in politisch beeinflussbaren Bereichen Belastungsfaktoren verringern und günstige Bedingungen für seelische Gesundheit fördern.  Das ist eine politische Querschnittsaufgabe: im frühkindlichen und Bildungsbereich, an den Arbeitsplätzen, bei der Stadtentwicklung, im Kulturbereich, in der Verkehrspolitik wollen wir fördern, was sich positiv auf die (seelische) Gesundheit auswirkt. In der Versorgung psychisch kranker Menschen treten wir für eine kontinuierliche Verbesserung und eine gute Vernetzung passgenauer Angebote unter Einbeziehung Psychiatrieerfahrener und Angehöriger ein.
 
Wir Grünen sind gegen eine Sucht- und Drogenpolitik, die einseitig auf Kriminalisierung und Repression setzt. Abhängige Menschen betrachten wir als Hilfsbedürftige, die wir in ihrer jeweiligen Lebenssituation unterstützen wollen. Wir rücken deshalb Prävention, Beratung, gesundheitliche und soziale Hilfe in den Vordergrund.

Husten, Schnupfen, Fieber – wer krank ist, gehört ins Bett. Für obdachlose Menschen ist das leichter gesagt als getan. Die Notunterkunft für Obdachlose mit vielen Menschen auf engem Raum eignet sich nicht zum Auskurieren von Krankheiten. Vor dem gleichen Problem stehen obdachlose Menschen nach einer medizinischen Behandlung im Krankenhaus. Die Umstellung von Pflegetagen auf Fallpauschalen hat zu kürzeren Liegezeiten geführt, die Kliniken entlassen die Menschen früher. Für Obdachlose bedeutet das, auch bei schlechtem Wetter wieder ‚auf der Platte‘ zu leben. Die Folge: Wunden können sich entzünden, der geschwächte Körper kann an seine Grenzen geraten. Vor diesem Hintergrund fordert die Grünen-Fraktion eine Krankenstube für Obdachlose, die vorübergehend erkrankt sind oder sich noch in der Genesungsphase befinden.

In den Kliniken des Landes Bremen gebären immer mehr Frauen Kinder: Seit der Schließung der Geburtshilfe im Klinikum Mitte und dem massiven Abbau von Geburtshilfe-Kapazitäten in den Krankenhäusern des Umlandes haben die Geburten in Bremen um gut 1000 pro Jahr zugenommen, Tendenz steigend. Vor diesem Hintergrund hat sich die Grünen-Fraktion für zusätzliche Kreißsäle in Bremen eingesetzt, um die gute Versorgung von Schwangeren sicherzustellen. Die Geburtshilfe wird deshalb am Klinikum Mitte ausgebaut. Mit rund 30 Prozent ist die Kaiserschnittrate in Bremen deutlich zu hoch. Wir unterstützen die Empfehlungen des ‚Bündnis für natürliche Geburt‘. Das Ziel: Kaiserschnitte auf das Maß zu senken, das medizinisch notwendig und so Mutter und Kind zuträglich ist.
 
Sprach- und Verständigungsprobleme erschweren den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung. Wir wollen die interkulturelle Öffnung der Krankenhäuser weiter vorantreiben. Dolmetscherdienste müssen strukturell verankert werden. Wir wollen mehr MigrantInnen als qualifizierte Fachkräfte für den Gesundheitsbereich gewinnen. Aus humanitären Gründen machen wir Menschen ohne Papiere die Angebote des öffentlichen Gesundheitsdienstes zugänglich. Um die humanitäre Sprechstunde zu sichern, die zahnärztliche Versorgung von Flüchtlingen zu gewährleisten und den erhöhten Beratungsbedarf im Bereich des Prostitutionsgesetzes zu berücksichtigen, sind für das Gesundheitsamt zusätzliche Stellen bewilligt worden.
 
Zur Versorgung schwer kranker Menschen leistet die Hospizbewegung einen wichtigen Beitrag. Wir setzen uns für die bedarfsgerechte Versorgung mit Hospizplätzen ein, um den Menschen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.
 
Angesichts der noch deutlich steigenden Zahl der Demenzkranken wollen wir Konzepte für die Verbesserung der Behandlung im Akutkrankenhaus und die ambulante Betreuung erarbeiten.
 
Wir Grünen setzen uns für Asbest-Geschädigte ein. Das gesundheitsschädliche Asbest wurde bis zu seinem Verbot häufig im Baugewerbe und Schiffbau eingesetzt. Folgeerkrankungen wie Asbestose oder Rippenfellkrebs erreichen erst noch ihren Höhepunkt. Bremen ist dabei aufgrund seiner ehemaligen Großwerften besonders betroffen. Über 5000 Asbest-Geschädigte sind hier registriert. Viele Betroffene müssen vor Gericht darum kämpfen, eine Rente als anerkannte Opfer einer Berufskrankheit zu erhalten. Der Nachweis einer Berufskrankheit gegenüber der Berufsgenossenschaft ist derzeit wegen fehlender Daten der Unternehmen oder auch eines Berufs- und Ortswechsels schwer. Die Grünen wollen über den Bundesrat eine Umkehr der Beweislast erreichen. Zudem fordern die Grünen eine neutrale Gutachterstelle für Betroffene. Nicht zuletzt haben wir mit Kooperationspartnern eine Beratungsstelle für Betroffene im Land Bremen eingerichtet, die wir absichern.