Für gleiche Chancen auf soziale, kulturelle und ökonomische Teilhabe

Bildung

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Gute Bildung ist eine entscheidende Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Von Anfang an muss gewährleistet sein, dass jedes Kind die gleichen Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsabschluss und damit auf soziale, kulturelle und ökonomische Teilhabe hat. Die Investitionen in Bildung werden in dieser Legislaturperiode nochmals deutlich erhöht.

In den letzten Jahren hat sich an unseren Schulen viel getan. Wir Grünen haben mitgewirkt, das überkommene Bildungssystem nachhaltig und gravierend zu verändern. Wir haben heute nur noch zwei Schulformen, die aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen entwickelten Oberschulen als Regelschule, an der alle Abschlüsse bis hin zum Abitur gemacht werden können. Außerdem gibt es weiterhin die historisch gewachsenen durchgängigen Gymnasien, acht in Bremen und eins in Bremerhaven.
 
Die Oberschulen nehmen alle Kinder auf. Das Abitur wird hier nach Klasse 13 gemacht, um Jugendliche vom überbordenden Leistungsstress zu entlasten. Oberschulen fußen auf dem Prinzip der Gesamtschule. Sie schaffen mehr Durchlässigkeit im System und bieten alle Schulabschlüsse an. Förderzentren für SchülerInnen mit besonderem Hilfebedarf wurden und werden weiterhin mit einigen wenigen Ausnahmen aufgelöst. Ganztagsschulen bestimmen zunehmend das Bild bei den Grundschulen und darüber hinaus. Mit der bundesweit fortschrittlichsten Regelung für Inklusion können SchülerInnen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen gemeinsam zur Schule gehen. Die Früchte dieser Arbeit werden langsam sichtbar. Das zeigt, dass der Weg richtig ist, dass es aber weiterhin viel zu tun gibt. In den nächsten Jahren muss es aus grüner Sicht nun in erster Linie darum gehen, die Schulen in ihrer anspruchsvollen Arbeit zu unterstützen und für gute Arbeitsbedingungen für SchülerInnen und LehrerInnen zu sorgen.

Eine so umfassende Reform, die sehr ambitioniert war und in weiten Teilen gleichzeitig stattfand, geht nicht immer reibungslos und führt auch zu Kontroversen. Das ist wenig verwunderlich. Wir stellen uns jeder Debatte, hoffen aus gemachten Fehlern zu lernen und schätzen das Engagement - auch und gerade die Kritik an  unserer Bildungspolitik - als hohes Gut und Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung.

Vor allem die Aufgabe, gute Bildungschancen auch tatsächlich für alle SchülerInnen, unabhängig von den Bedingungen im Elternhaus, zu schaffen, ist eine große - bisher nicht bewältigte - Herausforderung. Durch gezielte Bemühungen und Investitionen wollen wir weiter gegen die Kopplung von Herkunft und Bildungserfolg ankämpfen. Aus Sicht der Grünen benötigen Schulen Zeit und Planungssicherheit, um die Veränderungen nachhaltig in die Praxis umzusetzen. Erste bundesweite Schulvergleiche zeigen, dass die Veränderungen in Bremen bereits Erfolge bringen, im Bereich der schulischen Inklusion liegt Bremen im Bundesvergleich auf dem ersten Platz. Hierauf darf man sich jedoch nicht ausruhen.

Neben den massiven zusätzlichen finanziellen Ressourcen, die Bremen trotz der Haushaltsnotlage in den Bildungsbereich steckt, geht es nun vor allem darum, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und die Schulen in dieser Arbeit zu unterstützen. In Bremen wird fortan ein unabhängiges Qualitätsinstitut nach Hamburger Vorbild die Schulen unterstützen. Auch Daten zum Leistungsstand von Schülern sollen mehr in die Arbeit der Schulen einfließen. An 15 Grundschulen in Bremen wird jede Woche eine zusätzliche Stunde Mathematik gegeben. Aus grüner Sicht geht es nun darum, die bereits beschlossenen Maßnahmen zur weiteren Qualitätsentwicklung an Bremer Schulen im möglichst großen Schulterschluss der Parteien im Sinne der Kinder und Jugendlichen voranzutreiben: Die Grünen-Fraktion spricht sich für einen neuen Bildungskonsens auf einer möglichst breiten politischen Basis aus.

Der Bildungsbereich ist finanziell weiter gestärkt worden: Für Kitas und Schulen stehen in den Haushalten 2018/19 über 200 Millionen Euro zusätzlich bereit. Mit den Mitteln sollen der Ausbau von Kitas und Schulen beschleunigt, die Inklusion gestärkt sowie die Schulsozialarbeit und Sprachförderung ausgeweitet werden. Darüber hinaus kommen die Mittel insbesondere auch Kitas und Schulen in sozialen Brennpunkten zugute, die viele Kinder mit Sprach- und Entwicklungsdefiziten haben. Dort sollen z.B. die Lehrkräfte pro Woche zwei Stunden weniger unterrichten müssen, um mehr Zeit z.B. für Fallkonferenzen zu haben. Um den Unterricht im vollen Umfang zu sichern, müssen diese Schulen zusätzliche LehrerInnen erhalten. Ein von der Grünen-Fraktion initiierter Antrag sieht ferner vor, dass zehn weitere Grundschulen zu Ganztagsschulen werden bzw. sich von einer offenen in eine gebundene Ganztagsschule umwandeln.

Mit der Schulreform soll auch eine Weiterentwicklung der LehrerInnenausbildung einhergehen. Die Ausbildung muss an die Anforderungen des neuen Schulsystems angepasst werden. Im Mittelpunkt stehen dabei u.a. die Vermittlung fächer- und schulartenübergreifender Kompetenzen unter besonderer Berücksichtigung des Umgangs mit Heterogenität sowie die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen und der Kompetenz für Deutsch als Fremdsprache. Bereits jetzt haben rund 50 Prozent der Kinder im Kita-Bereich und jedes dritte Schulkind einen Migrationshintergrund. Bremen bildet angesichts des Lehrermangels deutlich mehr ReferendarInnen aus, dafür stehen inzwischen 600 Plätze zur Verfügung. Um dem Lehrermangel kurzfristig entgegenzuwirken, hat die Grünen-Fraktion zudem eine inzwischen beschlossene Gesetzesänderung initiiert, durch die LehrerInnen ihre Lebensarbeitszeit zu ihren bisherigen Bedingungen um bis zu fünf Jahre freiwillig verlängern.

Um einen unter Umständen schwierigen Schulstart zu früh eingeschulter Kinder vorzubeugen und sicherzustellen, dass Kinder, für die eine spätere Einschulung sinnvoll ist, ihren Kita-Platz behalten können, wird auf grüne Initiative die Einschulung von sog. Karenzkindern ab dem Schuljahr 2019/20 neu geregelt. In Bremen sind alle Kinder, die zum 30. Juni sechs Jahre alt werden, ab dem 1. August schulpflichtig. Eingeschult werden können auf Antrag der Eltern aber auch sog. Karenzkinder, die im Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Dezember des jeweiligen Jahres das sechste Lebensjahr vollenden. Künftig wird dafür eine zeitlich vorgezogene  schulärztliche Untersuchung erforderlich. Zudem wird das früheste Einschulungsalter  (bisher fünfter Geburtstag bis zum Stichtag 30. Juni)  – auf fünf Jahre und fünf Monate erhöht. Durch vorverlegte und verkürzte Fristen für Karenzkinder und die vorgezogene Schuleingangsuntersuchung wird außerdem sichergestellt, dass Eltern und Kinder zum Zeitpunkt der Kita- und Schulanmeldung Klarheit darüber haben, ob das Karenzkind eingeschult wird oder weiterhin die Kita besucht. Auch die Stadt erhält dadurch mehr Planungssicherheit für die Schaffung von Kita- und Schulplätzen.
 
SchülerInnen brauchen ein attraktives Lernumfeld. Die Schulsanierungen müssen aus Sicht der Grünen-Fraktion konsequent fortgesetzt werden. Dafür stehen in den Haushalten 2018/19 für Bremen und Bremerhaven fast 50 Millionen Euro bereit.

Sprache ist ein entscheidender Schlüssel für Integration. Die Grünen-Fraktion will die Sprachförderung für geflüchtete Kinder und Jugendliche verbessern. Dafür sollen Schulen die bisherigen starren und separaten Vorkurse durch integrierte Modelle eines kontinuierlichen Deutschunterrichts ersetzen können. Hintergrund der Forderung ist, dass viele der hierher geflüchteten Kinder und Jugendlichen nach den sechs- bis zwölfmonatigen Vorkursen nicht über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen, um am regulären Unterricht teilzunehmen und einen adäquaten Schulabschluss zu erreichen. Die kontinuierliche Sprachförderung in den Schulen ist entscheidend für die möglichst rasche Integration.