Gesundheit | Soziales und Jugendpolitik

Mehr Suizide durch umfassende Prävention verhindern

Gefahren erkennen, Gespräche anbieten und Gelegenheiten verhindern

Bremen muss seine Unterstützungsangebote für Menschen in seelischen Krisen ausbauen und besser vernetzen, von Rund-um-die-Uhr-Krisentelefonen bis hin zu gezielten Programmen für besonders gefährdete Gruppen. Auf Initiative der Grünen fordert die rot-grün-rote Koalition den Senat auf, ein Präventionsprogramm zur Stärkung der psychischen Gesundheit und zur Verhinderung von Selbsttötungen zu entwickeln. Denn jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 10.000 Menschen durch einen Suizid – in Bremen sind es etwa 100 Tote. Die Anzahl der versuchten Selbsttötungen dürfte zehnmal so hoch sein – und auch für davon betroffene Menschen, oft auch für ihre Angehörigen, hat das vielfach gravierende gesundheitliche Folgen.

Lebenslagen verbessern, Gespräche anbieten

„Bei vielen betroffenen Menschen ist es nicht unbedingt so, dass sie nicht mehr leben wollen – sondern, dass sie so nicht mehr leben können“, mahnt Ralph Saxe, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. „Wir brauchen passende Rahmenbedingungen und Angebote, um ihnen zu helfen und sie zu stärken, ihre Situation rechtzeitig zu verbessern, bevor sie keine Auswege mehr sehen. Dazu zählen ambulante Rund-um-die-Uhr-Angebote wie eine Online-Beratung und ein einheitliches Krisentelefon als sinnvolle Ergänzung zur Telefonseelsorge. Wichtig ist auch ein außerklinisch betreuter Rückzugsort mit der Möglichkeit einer Übernachtung in Krisensituationen.“ Auf Initiative der Grünen wurde in Bremen bereits ein runder Tisch zur Suizidprävention begründet. „Es ist nun absolut sinnvoll und sachgerecht, diesen federführend beim Gesundheitsamt anzusiedeln“, so Saxe.

Gefahren erkennen und benennen

„Offensichtlich ist beim Thema Suizid, dass wir zu wenig über lokale Hotspots, über besonders gefährdete Gruppen, und über gefährdende Lebenssituationen wissen. Eine strukturierte Erhebung und den Austausch von Daten dazu gibt es bislang aber nicht“, erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen. „Wichtig ist, das Thema insgesamt aus der Tabuzone und dem Schweigen zu befreien – und darüber offen zu reden. Wir wollen deshalb jetzt ein Präventionsprogramm zur Stärkung der psychischen Gesundheit entwickeln.“ Wichtig sei dabei die Einbindung von Gesundheitsfachkräften und den regionalen Fachkräften für psychische Gesundheit. „Auch relevante andere Fachkräfte, Polizist*innen oder Rettungssanitäter*innen zum Beispiel, müssen durch Gatekeeper-Training befähigt werden, Suizidwarnsignale zu erkennen“, ergänzt Saxe.

Gelegenheiten vermeiden

Auch praktische und technische Fragen gehören für ihn zu einer umfassenden Präventionsstrategie: „Der Impuls für einen Suizidversuch hält oft nur 15 bis 30 Minuten an – in der kurzen Zeitspanne können ein Zaun oder ein Netz die Gelegenheit zur Selbsttötung verhindern. Eine weitere einfache Maßnahme wären verkleinerte Packungsgrößen und Verordnungen bestimmter potenziell tödlicher Medikamente“, schlägt Saxe vor.