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Kein Fehltritt, kein Ausrutscher: Bremer Brechmittelfolter war ein rassistisches System

Zur Einweihung des Mahnmals zum Gedenken an die Opfer der jahrelangen zwangsweisen Brechmittelvergabe in Bremen

Anlässlich der Einweihung des Mahnmals „Death by Drowning“ der südafrikanischen Künstlerin Usha Seejarim zum Gedenken an Laye-Alama Condé und die Opfer der zwangsweisen Brechmittelvergabe in Bremen hat Kai Wargalla, Innen- und Kulturpolitiker*in der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft, an die vielen Betroffenen dieser Praxis erinnert: „Das war kein einzelner Fehltritt. Kein Ausrutscher. Hier ist nicht einfach etwas aus dem Ruder gelaufen. Wenn man tausend Menschen foltert, dann will man es genau so. Wenn kein einziger dieser Menschen weiß war, dann ist das kein Zufall.“

„Institutionalisierter Rassismus ist ein System, das von vielen getragen wird: Polizei, Politik, Bürgerschaft, Senat, Behörden, Justiz, Rechtsmedizin, Ärztekammer – 13 Jahre lang Unrecht“. Seit dem tragischen Tod des Asylbewerbers Laye-Alama Condé am 7. Januar 2005 nach seiner Zwangsbehandlung am 27. Dezember 2004 im Bremer Polizeipräsidium findet in Bremen keine zwangsweise Brechmittelvergabe zur Beweissicherung bei vermutetem Drogenhandel mehr statt. 2006 erklärte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Praxis für menschenunwürdig und stufte sie als Folter ein.

Zur Einweihung des Mahnmals zwischen dem Gerhard-Marcks-Haus und der Kunsthalle Bremen richtete Wargalla ihre Worte an Laye-Alama Condés Bruder Bangaly, der durch den Einsatz der zivilgesellschaftlichen Initiative, Grüner Abgeordneter und des Innenressorts dazu aus Guinea nach Bremen reisen konnte und den bisher von Seiten des Landes Bremen nie eine offizielle Entschuldigung erreicht hat. Sie zitierte dabei ihre Landtagsrede zum Bürgerschaftsbeschluss von 2020 für die Errichtung des nun fertiggestellten Mahnmals: „Es bleibt mir, für unsere Fraktion und die Koalition, als Abgeordnete und als Mensch persönlich – um Verzeihung zu bitten, ohne diese erwarten zu können. Als Ausdruck der Trauer, als Verantwortungsübernahme und tiefer Scham, dass dies passieren konnte. Dass ein Parlament dies geschehen ließ.“ Im Bürgerschaftsbeschluss hieß es damals: „Die Bürgerschaft (Landtag) ist sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst, die unmenschliche und erniedrigende Behandlung [der zwangsweisen Brechmittelvergabe] jahrelang zugelassen zu haben. Sie bittet alle Betroffenen sowie insbesondere die Hinterbliebenen von Laye-Alama Condé dafür um Verzeihung.“

Die kulturpolitische Sprecher*in würdigt den bundesweit einmaligen offenen Prozess zur Entwicklung des Mahnmals, der vollständig in die Hände von durch von Rassismus betroffene und interessierte Bürger*innen gelegt wurde, während Politik und Verwaltung lediglich organisatorisch unterstützten, und an dessen Ende der Entwurf der südafrikanischen Künstlerin Usha Seejarim stand: „Dass das geklappt hat, dass alle Verantwortlichen das mitgemacht haben, dass niemand es zu verhindern versuchte – das finde ich bis heute bemerkenswert. (…) Die Entscheidung darüber, wie dieser Ort aussehen und welche Geschichte er erzählen sollte, wurde getroffen von Menschen mit eigenen Erfahrungen von Rassismus und Ausgrenzung. Geprägt von ihren eigenen Fragen, Vorstellungen und Perspektiven.“


Die vollständige Rede von Kai Wargalla zur Einweihung des Mahnmals finden Sie unter diesem Link. (Es gilt das gesprochene Wort.)