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Kompetent, geschützt und selbstbestimmt

Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erziehungsberechtigten im Land Bremen stärken – jetzt ein Gesamtkonzept entwickeln

Digitale Medien sind fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Die aktuelle Debatte um Altersgrenzen für Social Media zeigt: Verbote allein reichen nicht aus. Das Land Bremen steht in der Verantwortung, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu befähigen, digitale Medien kompetent, verantwortungsvoll und selbstbestimmt zu nutzen und das nicht erst ab 15 Jahren. Gleichzeitig braucht es eine konsequente Begrenzung der Marktmacht und Geschäftspraktiken der Tech-Konzerne, indem ihre Suchtverstärkenden Mechanismen, manipulativen Algorithmen und intransparenten Strukturen wirksam reguliert und demokratisch kontrolliert werden.

Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für gesellschaftliche Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit und demokratische Resilienz. Sie umfasst kritisches Denken, den Schutz der eigenen Daten, der Umgang mit Desinformation und das Bewusstsein für Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Gleichzeitig benötigen Eltern und Erziehungsberechtigte verlässliche Informationen, Orientierung und Unterstützung, um Kinder im digitalen Alltag begleiten zu können.

Im Land Bremen bestehen bereits vielfältige Angebote zur Förderung digitaler Bildung, die jedoch noch nicht ausreichend systematisch verzahnt sind. Aus Sicht der Grünen-Fraktion braucht es daher ein umfassendes, langfristig angelegtes und altersgerechtes Gesamtkonzept zur Stärkung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen das Schule, Elternhaus und außerschulische Lernorte gleichermaßen einbezieht.

Forderungen der Grünen-Fraktion

Die Grüne-Fraktion fordert den Senat auf, unter Einbeziehung relevanter Akteur*innen aus Bildung, Jugendhilfe, Medienpädagogik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ein landesweites Medienkompetenz-Konzept für Kinder und Jugendliche zu entwickeln und umzusetzen. Dieses Konzept soll insbesondere folgende Punkte berücksichtigen:

  • Stärkung der Medienkompetenz von Eltern und Erziehungsberechtigten
    • Mehrsprachige, niedrigschwellige Informations-, Unterstützungs- und Beratungsangebote für Eltern zur Begleitung der Mediennutzung.
    • Transparente Aufklärung über Möglichkeiten, Grenzen und Risiken digitaler Medien sowie über technische Schutz-, Beschränkungs- und Kontrollinstrumente – insbesondere für schulisch bereitgestellte iPads.
    • Austauschformate zwischen Eltern, Lehrkräften und Fachkräften für die Entwicklung gemeinsamer Strategien zur Medienbegleitung.
    • Informationen über Medien-, Straf-, Disziplinar- und Zivilrecht.
       
  • Konsequente Vermittlung von Kinder- und Jugendschutz
    • Altersgerechte Vermittlung der Bedeutung von Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum.
    • Stärkung der Handlungskompetenz von Kindern und Jugendlichen und die Entwicklung klarer Beschwerdewege bei digitalen Gefährdungen sowie Informationen über Medien-, Straf- und Zivilrecht.
       
  • Systematische Förderung von Medienkompetenz
    • Verbindliche, durchgängige und fächerübergreifende Vermittlung von Medienkompetenz in allen Schulstufen einschließlich außerschulischer Angebote und Träger.
    • Förderung von kritischem Medienverständnis, Informations- und Nachrichtenkompetenz sowie dem reflektierten Umgang mit sozialen Netzwerken und digitalen Plattformen.
    • Stärkung der pädagogischen Arbeit, damit Lehrkräfte digitale Medien bewusst und pädagogisch sinnvoll einsetzen können und in der Weiterentwicklung der Unterrichtsformate unterstützt werden.
       
  • Psychische Gesundheit und Medienkompetenz
    • Entwicklung altersgerechter Präventions- und Aufklärungsangebote zu den psychischen Auswirkungen exzessiver Mediennutzung, einschließlich Themen wie Suchtverhalten, Schlafmangel, soziale Isolation, Ängsten und Stress.
    • Stärkung von Resilienz und digitaler Selbstregulation durch Strategien zur bewussten Mediennutzung, Offline-Zeiten und einem gesunden Medienkonsum.
    • Sensibilisierung von Lehrkräften, Eltern und Fachkräften der Jugendhilfe für Anzeichen problematischer Mediennutzung und die Bereitstellung niedrigschwelliger Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie die Förderung von Peer-to-Peer-Ansätzen.
       
  • Schutzfunktionen auf schulischen Endgeräten
    • Entwicklung und Implementierung einer technischen Lösung, die Eltern niedrigschwellig ermöglicht, auf schulisch bereitgestellten iPads altersgerecht Beschränkungen (z. B. Zeitlimits, App-Nutzung, Internetfilter) vorzunehmen, ohne die schulische Funktionalität zu beeinträchtigen.
    • Schaffung verbindlicher, landesweit einheitlicher Standards für die Geräteverwaltung (Mobile Device Management), die sowohl pädagogische Anforderungen der Schulen als auch elterliche Aufsichtspflichten berücksichtigen, mit klarer Regelung der Zuständigkeiten und Einstellungsmöglichkeiten sowie Schulungen der Eltern.
       
  • Verankerung von Künstlicher Intelligenz im Lehrplan
    • Verbindliche Integration von Grundlagen zu Funktionsweisen, Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) in die Lehrpläne, einschließlich der Sensibilisierung für KI-generierte Inhalte, Deepfakes und Desinformationen
    • Förderung eines reflektierten, ethisch verantwortungsvollen und kreativen Umgangs mit KI-Anwendungen.
    • Gezielte Fortbildung von Lehrkräften im Bereich KI und digitaler Didaktik.
       
  • Einheitliche Überprüfung, Evaluation und Monitoring
    • Entwicklung landesweit einheitlicher Instrumente zur Überprüfung des Wissensstands und der Kompetenzen von Schüler*innen im Bereich Mediennutzung und digitaler Bildung.
    • Aufbau eines kontinuierlichen Evaluations- und Monitoringsystems zur Analyse von Nutzung, Kompetenzen und Unterstützungsbedarfen.
       
  • Ausweitung digitaler Unterstützungsangebote und Lernräume
    • Ausweitung des Angebots von telli (datenschutzkonformer KI-Chatbot für die Schule) auf Schüler*innen als niedrigschwelliges, unterstützendes digitales Hilfs- und Informationsangebot.
    • Prüfung weiterer kind- und jugendgerechter digitaler Tools zur Unterstützung von Lernen, Beratung und Teilhabe.
       
  • Handyverbot in Schule mit Verstand und Klarheit
    • Evaluation des seit Sommer 2025 bestehenden Handyverbots an Bremer Schulen und Prüfung schulischer Eigenlösungen, die eine demokratische Beteiligung der Schüler*innen gewährleistet.
    • Landeseinheitliche, grundsätzliche Empfehlungen der Handynutzung an Schulen für Klarheit und Akzeptanz der Maßnahme.