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Geld allein schafft keine Inklusion
Warum Bremens neue Kita-Finanzierung ein strategisches Fundament braucht
Ausgangslage und strategische Herausforderung
Inklusion ist kein freiwilliges Angebot, sondern ein Menschenrecht. Das muss auch in der frühkindlichen Bildung gelten. Im Land Bremen wird inklusive pädagogische Arbeit in vielen Kindertageseinrichtungen bereits seit Jahrzehnten engagiert gelebt. Die gesellschaftliche Realität zeigt gleichzeitig eine deutliche Dynamik: Die Zahl der Kinder mit Förder- und Inklusionsbedarf in Bremen und Bremerhaven steigt seit Jahren immer weiter an.
Die Rahmenbedingungen für inklusive Arbeit unterscheiden sich heute stark zwischen einzelnen Einrichtungen und Trägern. Dies führt zu strukturellen Ungleichheiten bei den Entwicklungs- und Teilhabemöglichkeiten der Kinder. Mit der aktuellen Neuaufstellung der Kita-Finanzierungssystematik im Land Bremen wird nun ein entscheidender, systemischer Hebel umgelegt: Die Vergabe von Finanzmitteln wird grundlegend reformiert. Auch Inklusionsbedarfe werden von vornherein besser, transparenter und bedarfsgerechter abgebildet.
Die neue Finanzierungssystematik stellt das notwendige finanzielle Fundament bereit – sie garantiert die grundsätzliche Refinanzierung der Inklusionsleistung. Um jedoch zu gewährleisten, dass diese zusätzlichen Mittel zielgerichtet in nachhaltige Qualität, spürbare Entlastung und verlässliche Strukturen fließen, ist für uns Grüne klar: Es bedarf zwingend eines strategischen Überbaus – einen verbindlichen „Entwicklungsplans Inklusion in der Kita“. Geld allein schafft noch keine verbesserten Strukturen; es braucht einen klaren Plan für den strukturellen Mitteleinsatz.
Grüne Kernpositionen zur strukturellen Umsetzung
Um die neuen finanziellen Mittel optimal zu nutzen, muss der zu erarbeitende Entwicklungsplan folgende Säulen strukturell verankern:
1. Multiprofessionelle Teams als Standard etablieren
Die systemische Bewältigung komplexer Förderbedarfe darf nicht allein auf den Schultern der Erzieher*innen lasten. Die zusätzlichen Mittel aus der neuen Finanzierungssystematik müssen gezielt genutzt werden, um multiprofessionelle Teams fest in den Einrichtungen zu verankern.
Die systematische Integration von heilpädagogischen, therapeutischen und anderen spezialisierten Fachkräften direkt im Alltag der Kitas ist flächendeckend auszubauen. Dies entlastet das bestehende Personal und ermöglicht eine ganzheitliche Förderung im vertrauten Sozialraum.
2. Strukturierte Entlastung: Vor- und Nachbereitungszeiten
Inklusive Pädagogik erfordert ein hohes Maß an Absprache, Dokumentation und Reflexion. Im Rahmen des Entwicklungsplans ist intensiv zu prüfen, wie erweiterte Zeitkontingente für Vor- und Nachbereitung sowie für Supervision in inklusiven Settings rechtssicher und refinanziert ausgewiesen werden können. Nur durch professionelle Begleitung bleibt das Personal langfristig gesund und resilient.
3. Flexibilisierung von Gruppengrößen
Starre Gruppenstrukturen werden der Vielfalt der Bedarfe oft nicht gerecht. Der Entwicklungsplan muss verlässliche Modelle aufzeigen, wie Gruppengrößen anhand der realen Förderbedarfe flexibel angepasst werden können. Wenn mehrere Kinder mit hohem Inklusionsbedarf in einer Gruppe betreut werden, muss sich dies mindernd auf die Gesamtgruppenstärke auswirken. Das muss insbesondere dann gelten, wenn die Inklusionsbedarfe den Einsatz von mehr Personal, beispielsweise von persönlichen Assistenzen, bedeuten. Denn zu viele Erwachsene in einer Gruppe sorgen oft nicht für eine bessere Versorgung, sondern bringen auch mehr Unruhe rein, die gerade für Kinder mit Inklusionsbedarfen problematisch sein können.
4. Systemische Inklusionsberatung ausrollen
Die praktischen Erfahrungen und Erprobungen beim Eigenbetrieb Kita Bremen haben wertvolle Erkenntnisse geliefert. Eine flächendeckende, trägerübergreifende Inklusionsberatung muss als feste Unterstützungsinfrastruktur für alle Kitas im Land Bremen auf Basis dieser Erkenntnisse etabliert werden. Kitas dürfen bei akuten Herausforderungen nicht allein gelassen werden.
5. Schnittstellen und ganzheitlicher Ansatz
Ein isolierter Blick auf den Gruppenraum greift zu kurz. Der Entwicklungsplan Inklusion muss Schnittstellen zu anderen Unterstützungssystemen systematisch zusammendenken:
- Verzahnung mit der Frühförderung & Bildungsplan 0-10: Um Brüche in den Bildungsbiografien der Kinder zu vermeiden, müssen die Schnittstellen zur medizinisch-therapeutischen Frühförderung nahtlos und strukturell ausgestaltet werden. Die inklusiven Prinzipien müssen sich zudem wie ein roter Faden durch den Bildungsplan 0-10 ziehen.
- Resiliente Elternarbeit: Angebote der Eltern- und Familienbildung dürfen kein „Add-on“ sein, sondern müssen als integraler Bestandteil inklusiver Kita-Arbeit konzipiert und implementiert werden. Niedrigschwellige Angebote stärken das System der frühen Hilfen und binden Familien aktiv als Partner*innen ein.
- Aus- und Fortbildungsoffensive: Es braucht eine systematische Verankerung inklusionspädagogischer Inhalte in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften, insbesondere durch gezielte Anpassungen in den entsprechenden Rahmenlehrplänen, um nachhaltige Kompetenzentwicklungen zu sichern.
Politischer Ausblick
Die Verhandlungs- und Erarbeitungsphase eines solchen Entwicklungsplans ist ein intensiver Prozess, der nur unter enger Einbeziehung aller relevanten Akteur*innen (Träger, Behörden, Elternvertretungen) gelingen kann. Wir erwarten, dass dieser Prozess jetzt begonnen wird.
Für uns Grüne ist klar: Die neue Kita-Finanzierungssystematik ist der erste Schritt. Der „Entwicklungsplan Inklusion in der Kita“ muss nun folgen, damit aus der Umschichtung und bedarfsgerechteren Verteilung der Finanzmittel spürbare Qualität, Entlastung in den Einrichtungen und echte Chancengerechtigkeit für alle Kinder im Land Bremen werden.