Ernährung und Landwirtschaft

Ernährungswende für Klimagerechtigkeit, Gesundheit und Tiere: Pflanzliche Ernährung fördern!

Salat by fcafotodigital (iStock)

Salat by fcafotodigital (iStock)

Ernährung ist politisch. Was wir essen, hat erheblichen Einfluss auf andere, oft unbeteiligte Dritte: Unsere Landwirtschaft verschärft dramatisch die größten ökologischen Krisen unserer Zeit, den Klimawandel und den Verlust von Artenvielfalt. In Schlachthöfen werden Mitarbeiter*innen unter unwürdigen Bedingungen ausgebeutet. Unsere Art der Tierhaltung schadet nicht nur den Tieren, sondern begünstigt auch antibiotikaresistente Keime und neue Pandemien. Diese Beispiele zeigen, wie sehr unsere Ernährung andere Menschen und Tiere beeinflusst, in vielen Fällen existenziell. Wo die Freiheit von anderen berührt ist, kann Essen nicht nur privat sein. Es braucht eine Politik der Ernährungswende.

Die Gesellschaft ist häufig schon weiter als die Politik: Mehr als die Hälfte der Deutschen versteht sich als flexitarisch, gerade die jüngere Generation ist treibende Kraft im Trend zu pflanzenbasierter Ernährung. Auch in der Wirtschaft wird die Ernährungswende als Chance begriffen und stark in die Entwicklung pflanzlicher Produktalternativen und alternativer Proteinquellen investiert, dem Markt wird weiter enormes Wachstum prognostiziert. Jetzt muss die Politik nachziehen.

Wir Grünen haben bereits in der Vergangenheit für eine Ernährungswende geworben. Für weniger Zucker, für mehr regionales und saisonales Essen, für mehr Transparenz für die Verbraucher*innen. Das alles bleibt richtig. Aber angesichts der Fakten zur Klimawirkung der Ernährung und zur Entstehung von Krankheitserregern, angesichts der weiter wachsenden Weltbevölkerung wie auch angesichts klarer ethischer Schlussfolgerungen zu unserem Umgang mit Tieren, wollen und müssen wir diese Debatte weiterführen. Deshalb muss das Nachdenken über die Fragen, wie wir uns ernähren, noch stärker politisch werden.

In Bremen hat diese Ernährungswende bereits begonnen. Zusammen mit Landwirt*innen, Köch*innen und vielen weiteren Akteur*innen treiben wir die BioStadt Bremen voran und gestalten mit dem Aktionsplan 2025 die Gemeinschaftsverpflegung ökologischer. Für unsere Ziele und die bisherigen Erfolge in öffentlichen Mensen und Kantinen haben wir deutschlandweit Aufmerksamkeit erhalten. Diesen Weg wollen wir weiter gehen und dabei besonders die Anforderungen des Klimaschutzes und der Pandemieprävention sowie die Interessen von Tieren noch stärker in den Fokus nehmen.

A. Ohne Ernährungswende ist das Klimaziel von Paris nicht zu schaffen

Eine herausgehobene Rolle für die Ernährungswende spielt die Klimakrise. Die Klimawirkung von Landwirtschaft und Ernährung ist so groß, dass dieser Sektor allein bei gegenwärtigem Trend die Treibhausgasbudgets zum Erreichen der Paris-Ziele sprengen kann. Selbst wenn wir jetzt sofort sämtliche fossilen Anlagen wie Kohlekraftwerke, Gasheizungen und Dieselautos abschaffen würden, würde der Ernährungssektor allein ein Erreichen des 1,5-Grad-Ziels von Paris unmöglich machen. 

Global trägt unsere Ernährung 21 bis 37 Prozent zum Treibhausgasausstoß bei. Das ist jeweils deutlich mehr als der gesamte Verkehrssektor (14 %) bzw. Bau und Beheizung sämtlicher Gebäude (18 %). Auch über die Klimakrise hinaus sind die Umweltfolgen unserer Ernährung enorm. Den weitaus größten Anteil daran hat die Tierhaltung zur Lebensmittelproduktion. Sie beansprucht riesige Flächen zur Futtermittelproduktion und vergiftet unser Grundwasser durch Nitrat und Arzneimittelrückstände.

Am deutlichsten wird die Notwendigkeit einer Ernährungswende, wenn man einen Blick auf den Flächenverbrauch der Tierhaltung wirft, von der Trockenlegung von Mooren bis zum Abholzen von Regenwäldern. Würde dieser Prozess umgekehrt, könnten die Flächen, die heute als Weiden oder zur Futtermittelproduktion dienen, als potenziell größte bekannte und sichere Kohlenstoffsenken genutzt werden. Wird dieses Potenzial in der Klimabilanz berücksichtigt, „[…] trägt die Ernährung der Menschen in Europa genauso viel zur globalen Erwärmung bei wie der gesamte übrige Verbrauch von Energie und allen weiteren Gütern zusammengenommen“.

Als umweltfreundlichste Ernährungsweise gilt daher eine vegane Ernährung, die ohne tierische Lebensmittel auskommt. Sie ist zugleich vermutlich die wirksamste Maßnahme überhaupt zur Verringerung unseres individuellen Einflusses auf den Planeten. Folglich ist es Aufgabe von Politik, pflanzliche Ernährung in allen Bereichen zu fördern.

Auch wenn eine vegane Ernährung die klimafreundlichste wäre – als klimakompatibel gilt auch die Planetary Health Diet der EAT-Lancet-Kommission, die noch geringe Mengen tierischer Lebensmittel vorsieht. Sie wurde als Ernährungsweise entwickelt, die nachhaltig und mit dem Klimaabkommen von Paris kompatibel ist, im Jahr 2050 eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen ernähren kann und ernährungsbedingte Todesfälle stark verringert. Das Ergebnis ist eine Ernährung, die tierische Lebensmittel im Vergleich zur heute üblichen Ernährung in Deutschland um rund drei Viertel reduziert. Das ist also die Größenordnung, in der der Konsum tierischer Lebensmittel noch ermöglicht, die Klimaziele von Paris einzuhalten. Entscheidend ist dabei vor allem die Menge an tierischen Lebensmitteln, unabhängig davon, ob sich Menschen vegetarisch oder flexitarisch ernähren. Die derzeitigen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gelten dagegen noch nicht als klimaverträglich, auch wenn sie stetig weiterentwickelt werden und Tierprodukte auch dort an Bedeutung verlieren.

B. Größere Ställe machen Landwirtschaft noch nicht tiergerecht

Eine gerechte Ernährung muss die Interessen aller Betroffenen berücksichtigen. Dazu gehören auch die Tiere, die wir allein in Deutschland jedes Jahr milliardenfach zur Lebensmittelproduktion töten. Egal ob Rind, Huhn oder Fisch, diese Tiere sind fühlende Lebewesen, die vielfach ähnliche Emotionen empfinden wie wir Menschen, von Neugierde und Zuneigung bis zu Trauer und Schmerz. Unsere Ernährung ist daher nur dann gerecht, wenn sie auch den individuellen Bedürfnissen dieser Tiere gerecht wird.

Eine umfangreiche, kommerzielle Tierhaltung zur Lebensmittelproduktion entspricht diesen Ansprüchen nicht. Das hat nichts mit Vorsatz oder mangelndem Willen der Landwirt*innen zu tun. Im Gegenteil, häufig leiden sie selbst unter den Bedingungen, die Preisdruck, Konkurrenz, Konzernmacht, Gesetzgebung und Vollzugsprobleme bewirken, zu einem „Wachse oder weiche“ auf Kosten der Tiere führen und die Landwirt*innen schließlich zu den Sündenböcken dieses Systems machen. Dabei ist klar, dass die Wende in der Landwirtschaft nur zusammen mit den Landwirt*innen gelingt.

Die Bedingungen in den Megamastanlagen der Tierindustrie sind häufig Gegenstand von Kontroversen. Aber selbst die Standards der biologischen Landwirtschaft und ihrer Anbauverbände, die einen großen Beitrag für eine umweltverträglichere Landwirtschaft leisten, erlauben Bedingungen, die die Interessen und Bedürfnisse der Tiere dramatisch missachten: Sie erlauben, dass zehn Junghennen auf einem Quadratmeter Stallfläche gehalten werden. Dass in einem Stall 3.000 Legehennen gehalten werden, obwohl Hennen sich nur bis zu einer Gruppengröße von etwa 100 Hennen noch individuell erkennen und eine stabile Sozialstruktur ausbilden können. Es dürfen auf extrem hohe Milch-, Eier- oder Fleischproduktion gezüchtete Rassen eingesetzt werden. Die Kuh, die jedes Jahr neu besamt wird, wird nach der Geburt vom Kalb getrennt, beide rufen in der Regel noch tagelang nacheinander, Kälber entwickeln chronische Stressbelastungen. Ein Schwein, das 100 kg wiegt, darf auf nur 1,3 Quadratmetern Stallfläche gehalten werden. Der Transport zum Schlachthof darf bis zu vier Stunden dauern, bevor das Tier getötet wird.

Man muss keine ausgeprägte Tierfreund*in sein, um zu erklären, dass das kein gerechter Umgang mit Tieren ist. Trotzdem stellen die hier beschriebenen Tierhaltungsstandards die ambitioniertesten Standards dar, die in relevanter Menge am Markt verfügbar sind. Der allergrößte Teil der Tierhaltung erfolgt zu noch schlechteren Bedingungen. Es gibt also eine große Differenz zwischen den Erwartungen der Menschen an den Umgang mit Tieren in der Landwirtschaft und den tatsächlichen Bedingungen. Diese Differenz löst auch die aktuelle Debatte um Tierschutz in der Landwirtschaft nicht auf. Die Debatte findet weitgehend unterhalb der Biostandards statt, es geht also um Verbesserungen auf einem niedrigen Niveau. Das gilt auch für die Ergebnisse des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung („Borchert-Kommission“) und der Zukunftskommission Landwirtschaft.

Daraus wird deutlich: Mit einer klassischen Tierschutzpolitik für bessere Bedingungen im Stall können die Interessen der Tiere nicht angemessen berücksichtigt werden. Gerechtigkeit gegenüber Tieren lässt sich mit dem Konsum tierischer Lebensmittel nicht vereinbaren. In erster Linie sollte es daher darum gehen, weniger Tiere zu halten.

C. Der hohe Konsum tierischer Lebensmittel ist eine Gefahr für die Weltgesundheit

Im Sinne eines One-Health-Ansatzes ist die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt eng miteinander verknüpft. Von einer gesunden Umwelt und Tierwelt profitiert daher auch die menschliche Gesundheit. Diesen Ansatz gilt es in einer gesundheitsfördernden Ernährungspolitik zu verfolgen.

Eine bedeutende Rolle spielen dabei Zoonosen, also Krankheiten tierischen Ursprungs bzw. von Tier zu Mensch (und andersherum) übertragbare Krankheiten. Ob SARS, MERS, AIDS oder Ebola, Schweinegrippe oder Vogelgrippe – die meisten Infektionskrankheiten, die Menschen heute haben, sind solche Zoonosen. Die Folgen sind tödlich: Jedes Jahr sterben 2,7 Millionen Menschen an solchen Krankheiten.

Die Risikofaktoren sind dabei vielfältig. Ein wesentliches Risiko ist der Kontakt mit Tieren in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Dieses Risiko ist größer, je größer die Tierbestände sind und je enger dort der Kontakt von Menschen und mit und unter Tieren. So entstehen ideale Bedingungen für die Mutation, Ausbreitung und Übertragung von Viren auf den Menschen.

Zusätzlich erhöht das Vordringen des Menschen in immer weitere Teile der Natur und in die letzten Lebensräume wildlebender Tiere das Risiko für einen „spillover“, das Überspringen von tierischen Krankheitserregern auf den Menschen. Maßgeblich verantwortlich für die immer größere Flächeninanspruchnahme der Menschen ist die Tierhaltung zur Lebensmittelproduktion, die global zwar nur 18 % der Kalorien bereitstellt, aber 83 % der landwirtschaftlichen Flächen beansprucht. Durch den Klimawandel, der wiederum stark von der Tierhaltung zur Lebensmittelproduktion befeuert wird, wird das Risiko einer solchen Übertragung zusätzlich verstärkt.

Eine weitere Gefahr für die Gesundheit stellen antibiotikaresistente Keime dar, deren Entstehung durch landwirtschaftliche Tierhaltung begünstigt wird. In der EU und den USA werden rund drei Viertel der Antibiotika nicht für die Menschen, sondern in der Tierhaltung eingesetzt – selbst Reserveantibiotika. Mit jeder Antibiotikaresistenz verlieren wir ein Mittel im Kampf gegen Infektionskrankheiten.

Landwirtschaftliche Tierhaltung ist damit ein Risikofaktor für die Weltgesundheit. Weniger Tierhaltung kann dazu beitragen, dieses Risiko zu verringern. Um zukünftige Pandemien zu vermeiden, braucht es daher eine Agrar- und Ernährungswende zugunsten pflanzlicher Lebensmittel.

D. Unsere Forderungen für eine gesundheitsfördernde, klima- und tiergerechte Ernährungspolitik

Die Bremer Klima-Enquete hat eine starke Klimastrategie für das Land Bremen mit ambitionierten Zielen vorgelegt. Im Ernährungsbereich sind die Ziele allerdings nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar. Darüber hinaus muss eine Ernährungspolitik neben einem angemessenen Beitrag zum Klimaschutzabkommen von Paris auch das Risiko zukünftiger Pandemien reduzieren und den Interessen und Bedürfnissen von Tieren gerecht werden. Daher fordern wir zur Förderung pflanzlicher Ernährung für Bremen und Bremerhaven:

1. Ernährungsempfehlungen aktualisieren.
Pflanzliche Ernährung soll in den Ernährungsempfehlungen einen größeren Stellenwert erhalten. Um eine klimagerechte Ernährung zu gewährleisten, sollte die Planetary Health Diet Grundlage der Ernährungspolitik werden.

2. Informieren und sensibilisieren.
Eine breit angelegte öffentliche Kampagne soll über die Vorteile pflanzlicher Ernährung, die Folgen der Tierhaltung für Umwelt, Klima, Gesundheit und Tiere sowie über klimakompatible Ernährungsweisen aufklären. Diese Aspekte sollen auch in der Ernährungsbildung gestärkt werden. Dagegen soll Werbung für tierische Lebensmittel im öffentlichen Raum und wo immer wir als Land oder Kommune darauf Zugriff haben eingeschränkt werden.

3. Zukunftsfähige Lebensmittelindustrie fördern. Bremen ist wichtiger Standort der Lebensmittelindustrie, einer Branche, die gerade in starker Bewegung ist, insbesondere mit Blick auf Alternativen zu Fleisch, Fisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln. Diese positive Entwicklung auch Bremer Unternehmen sollte unterstützt werden. Bremen sollte gezielt innovative Betriebe und die Entwicklung und Markteinführung pflanzlicher Lebensmittel fördern. Das gilt auch für Produkte der „zellulären Landwirtschaft“, also auf Basis von Mikroorganismen oder durch Zellkultivierung, die heute noch wenig zum Einsatz kommen, denen aber enormes Wachstumspotenzial vorausgesagt wird. So entstehen nicht nur Vorteile für Klimaschutz, Tiere und Pandemieprävention, sondern vielfach auch neue wirtschaftliche Chancen in der Nahrungsmittelwirtschaft. Diese Aspekte sollten daher im Innovationscluster Nahrungsmittelwirtschaft mit Food Academy und Food Hub eine zentrale Rolle spielen. Das ist besonders für die fischverarbeitende Industrie in Bremerhaven wichtig, um zukunftsfähige Märkte zu erschließen. Wir holen damit außerdem die Expertise der Wissenschaft im Land Bremen mit ins Boot für die Transformation.

4. Alternativen in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung stärken.
Kochen ohne Tierprodukte muss zum Standard werden, auch in Gastronomiebetrieben und der Gemeinschaftsverpflegung. Dazu müssen nicht nur auf Bundesebene die Regeln der Ausbildung von Köch*innen geändert werden, in denen Fleisch heute noch obligatorisch ist. In Bremen soll die Training Kitchen auch als Lehrküche für pflanzliche Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie genutzt werden. Gastronomiebetriebe sollen Angebote für Beratungsleistungen zur Ergänzung und Weiterentwicklung ihrer Speisepläne erhalten.

5. Öffentliche Mensen und Kantinen zu Vorbildern machen. In der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung trägt Bremen eine besondere Verantwortung für gesunde und klimakompatible Ernährung. Im Land Bremen werden im Rahmen des Aktionsplans 2025 bereits in vielen Mensen und Kantinen die DGE-Standards angewandt und damit die Angebote tierischer Lebensmittel reduziert. Diese Standards sollen nun im Rahmen eines Modellprojekts klimafreundlich weiterentwickelt werden. So hat die Enquetekommission „Klimaschutzstrategie für Bremen 2030“ beschlossen, bei tierischen Lebensmitteln die „unteren Bandbreitenwerte“ anzuwenden. Das bedeutet zum Beispiel in den meisten Fällen, dass kein Fleisch mehr angeboten wird (Brandbreite ist 0 bis 1 Mal pro Woche). Aber auch gemischte Angebote sind denkbar, etwa nach dem Vorbild der Berliner Unimensen, die ihre Speisepläne seit Kurzem zu 68 % vegan und je 2 % mit Fleisch und Fisch gestalten.. Pflanzliche Angebote sollen also den Standard darstellen, Angebote mit tierischen Lebensmitteln dagegen die Ausnahme. Als Anreiz sollen außerdem vegane Speisen stets günstiger angeboten werden als solche mit Tierprodukten, sodass das klimafreundlichste Essen stets das günstigste und für alle bezahlbar ist. Dort, wo Menschen auf das öffentliche Essensangebot angewiesen sind, etwa in Krankenhäusern oder Gefängnissen, muss es immer auch hochwertige vegane Angebote geben.

6. Ernährungsangebote in den Quartieren stärken.
In vielen Quartierszentren und anderen Einrichtungen in Bremen und Bremerhaven gibt es bereits Angebote wie einen günstigen Mittagstisch, um möglichst allen Menschen im Land Bremen eine vollwertige Ernährung zu ermöglichen. Diese Angebote sollen ausgebaut und klimafreundlich gestaltet werden, sodass zukünftig in allen Quartieren günstige, gesunde und vollwertige vegane Speisen angeboten werden.

7. Großveranstaltungen klimakompatibel machen. Ob Freimarkt, Breminale oder Weihnachtsmarkt, auf Großveranstaltungen in Bremen dominieren tierische Lebensmittel das Essensangebot. Zukünftig soll mindestens die Hälfte der Essensstände rein vegan sein. An den übrigen Ständen sollen, wie von der Enquetekommission beschlossen, zumindest vegane Alternativen angeboten werden. Entsprechende Vereinbarungen sollen mit den Schausteller*innen und gastronomischen Betrieben getroffen werden.

Landwirtschafts- und Ernährungspolitik wird maßgeblich auf Bundes- und EU-Ebene gestaltet. Daher müssen auch hier die Hebel zugunsten pflanzlicher Ernährung umgelegt werden:

8. Klare Ziele setzen.
Um die Maßnahmen zur Reduktion von Tierbeständen und des Konsums tierischer Lebensmittel zielgerichtet auswählen und ggf. nachsteuern zu können, aber auch, um Planungssicherheit für die Betriebe und die Beschäftigten in der Landwirtschaft zu gewährleisten, braucht es klare Ziele, bis wann welche Reduktionen erreicht werden sollen. Diese Ziele müssen mit dem Klimaschutzabkommen von Paris kompatibel sein, sie sollten sich also entsprechend der Ergebnisse der EAT-Lancet-Kommission an einer Reduktion um drei Viertel bis zum Zustand der Klimaneutralität orientieren.

9. Subventionen umsteuern.
Tierische Lebensmittel sollten nicht länger durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz subventioniert werden, stattdessen müssen die Klima- und Umweltfolgekosten eingepreist werden. Im Gegenzug sollten klimafreundliche und gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte vergünstigt werden, damit sich alle Menschen eine gesunde und klimakompatible Ernährung leisten können. Pflanzliche Produktalternativen zu tierischen Lebensmitteln und ihre Entwicklung sollten auch auf nationaler und europäischer Ebene gefördert werden. Europäische Subventionen, wie etwa in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), müssen zugunsten der Produktion pflanzlicher Lebensmittel umverteilt werden. Die klimaschädliche Subvention von Kuhmilch durch die EU im Rahmen des Schulprogramms, in dem Kuhmilch kostenlos an Kinder abgegeben wird, sollte beendet werden, denn Kuhmilch ist als zuckerhaltiges Getränk kein geeigneter Pausensnack. Besser sind Obst, Gemüse oder Nüsse und Wasserspender für die Getränkeversorgung.

10. Tierbestände reduzieren, Alternativen fördern.
Wenn der Konsum tierischer Lebensmittel um drei Viertel sinkt, müssen auch die Tierbestände entsprechend sinken. Schließlich produzieren wir bereits heute Fleisch für den Export – der Exportüberschuss beträgt über eine Million Tonnen im Jahr. Auf nationaler und europäischer Ebene gilt es, wirksame Instrumente zum Abbau der Tierbestände einzuführen, ob Moratorien für Stallbauten, eine Flächenbegrenzung, Produktionsquoten, Zertifikatesysteme oder Transformationsprogramme. Ziel ist es dabei, vor allem die Landwirtschaft zu erhalten, die für die Umwelt und insbesondere die Biodiversität wichtige Beiträge leistet, beispielsweise im Bremer Blockland. Dazu können auch strenge Düngevorgaben für Stickstoff und Phosphor beitragen. Zuletzt gilt es, Alternativen zu fördern. Dazu gehört neben der Vergütung von Kohlenstoffsenken wie Aufforstung oder Wiedervernässung von Mooren auch die Förderung von bio-veganer Landwirtschaft, die ohne tierische Düngemittel auskommt, etwa nach dem Standard des biozyklisch-veganen Anbaus. Auch auf Bundesebene sollten außerdem Grundlagenforschung an Produktalternativen tierischer Lebensmittel sowie Produktinnovationen gefördert werden – für pflanzliche Alternativen und solche auf Basis von Mikroorganismen/Fermentation und durch Zellkultivierung. 

11. Verbrauchertäuschung beenden, Transparenz schaffen.
Glückliche Kühe auf einer Wiese, die sie in Wirklichkeit nie sehen: Die Bilder auf Milchtüten und anderen Tierprodukten oder in Werbespots haben oft nichts mit der Realität der Tierhaltung zu tun. Wir fordern den Abbau von sprachlichen und bildlichen Beschönigungen auf Verpackungen und in der Bewerbung von Tierprodukten. Es braucht stattdessen eine klare, verbindliche Kennzeichnung von tierischen Inhaltsstoffen. Die unsinnigen Verbote der EU für Bezeichnungen wie „Hafermilch“ oder „Sojaschnitzel“ gehören abgeschafft.

12. Ernährungsempfehlungen klimakompatibel machen.
Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag erklärt, die DGE-Standards überarbeiten zu wollen. Dabei müssen zukünftig neben den gesundheitlichen Zielen der Ernährungsempfehlungen auch die planetaren Grenzen stärker beachtet werden, insbesondere durch Kompatibilität mit den Pariser Klimazielen.

13. Ernährung zum Thema machen.
Ernährungspolitik muss in der internationalen Klimapolitik und auf Klimakonferenzen einen größeren Stellenwert erhalten.

Bremen, den 29. August 2022

Das Positionspapier als PDF mit allen Fußnoten und Quellenangaben kann hier heruntergeladen werden.