Altenpolitik

Überdurchschnittlich hohe Kaiserschnittrate in Bremen - Grüne erwarten Initiative für mehr natürliche Geburten

Im Land Bremen kommen über 32 Prozent der Kinder durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Damit liegt Bremen leicht über dem Bundesdurchschnitt, wie aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht. Wenn keine medizinisch zwingende Notwendigkeit vorliegt, ist ein Kaiserschnitt mit höheren Risiken verbunden als eine natürliche Geburt. Geplant ist vor diesem Hintergrund jetzt, ein Bremer Bündnis zur Förderung der natürlichen Geburt zu initiieren. Dazu erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin Kirsten Kappert-Gonther: „Der Runde Tisch unter Einbeziehung aller relevanten ExpertInnen ist die richtige Konsequenz. Am Ende der Beratungen muss es einen Ziel- und Maßnahmeplan für Bremen geben, mit dem mehr natürliche Geburten gefördert werden. Eine sinnvolle Maßnahme könnte z.B. eine kontinuierliche Betreuung der Gebärenden durch Hebammen bei allen Geburten sein, weil das für den Geburtsverlauf gut und sinnvoll ist. Frauen sollten schon während der Schwangerschaft so beraten werden, dass sie sich eine natürliche Geburt zutrauen und wünschen. Außerdem wünschen wir uns, dass in Bremen mindestens ein Hebammenkreißsaal nach erfolgreichem Bremerhavener Vorbild das bestehende Angebot ergänzt. Am Runden Tisch sollte auch darüber nachgedacht werden, ob das generell die bessere Lösung für alle Kreißsäle ist. Schließlich hat eine Vergleichsstudie mit üblichen Kreißsälen ergeben, dass im Hebammenkreißsaal bei gleicher Sicherheit von Mutter und Kind während der Geburt signifikant weniger medizinische Eingriffe erfolgen. Die Rate der Spontangeburten ist hingegen höher.“

Wie sehr sich die Tendenz im Land Bremen von der natürlichen Geburt hin zum Kaiserschnitt verschoben hat, macht eine weitere Zahl aus der Senatsantwort deutlich: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Kaiserschnittrate hier von ca. 15 auf 32,2 Prozent verdoppelt; die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält eine Kaiserschnittrate von rund 15 Prozent aus medizinischer Notwendigkeit für gerechtfertigt. Die Tendenz ist jedoch nach wie vor steigend, in Bremerhaven zeigen sich vergleichsweise stärkere Zunahmen. Den größten Teil machen mit 71 Prozent geplante Kaiserschnitte aus. In Fachkreisen werden verschiedene Ursachen für den hohen Anstieg der Kaiserschnittrate diskutiert – u.a. mangelnde personelle Besetzung im Kreißsaal, die gegenüber der natürlichen Geburt doppelt so hohe Vergütung von Kaiserschnitten durch die Krankenkassen, der Wunsch von Frauen nach einer Schnittentbindung sowie haftungsrechtliche Gründe.