Keine halben Sachen bei Ganztagsschulen - Verbindliche Ganztagsschulen mit neuer Unterrichtsstruktur für jeden Stadtteil

Keine halben Sachen bei Ganztagsschulen - Verbindliche Ganztagsschulen mit neuer Unterrichtsstruktur für jeden Stadtteil

"Bei der Einführung der Ganztagsschule in Bremen und Bremerhaven dürfen wir nicht auf halbem Weg stehen bleiben - die bis auf eine Ausnahme praktizierte strikte Trennung von Unterricht am Vormittag und Betreuung am Nachmittag ist ein Schmalspurmodell, das modernen Unterrichtsformen enge Grenzen setzt. Betreuungsprobleme von Eltern werden damit gelöst - bessere Schulergebnisse werden so nicht automatisch erreicht," erklärt die grüne Bürgerschaftsabgeordnete Anja Stahmann auf der heutigen Pressekonferenz im Anschluss an eine einwöchige Tour durch sieben Ganztagsschulen in Bremen und Bremerhaven.


Die bildungspolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion fordert ein Ganztagsmodell aus einem Guss: "Wir wollen das enge Unterrichtskorsett im 45 Minuten-Takt am Vormittag sprengen. Wir brauchen eine bessere Verzahnung von Unterricht und Betreuung. Das geht nur, wenn alle Kinder auch am Nachmittag in der Schule sind. In anderen europäischen Ländern eine Selbstverständlichkeit. Die von Bildungssenator Lemke aus Kostengründen bevorzugten "offenen Ganztagsschulen", wo nur der Schulbesuch am Vormittag verbindlich vorgeschrieben ist, führen in die Sackgasse."


Die Grünen setzen sich für eine kontinuierlich wachsende Zahl von Ganztagsschulen in Bremerhaven und Bremen ein: "Wir wollen Ganztagsschulen in allen Stadtteilen anbieten - mindestens je eine Grundschule sowie eine weiterführende Schule. Das geht nicht über Nacht, aber sechs neue Ganztagsschulen pro Jahr sind unser Ziel. Der Bedarf ist da - 18 Bewerbungen von Schulen, wurden aus Kostengründen abgelehnt. Das darf nicht das letzte Wort sein. Oft wird kritisiert, dass Lehrer so unbeweglich sind. Ganze Kollegien haben jetzt Konzepte erarbeitet, die den Schulalltag komplett umkrempeln werden und Veränderungsbereitschaft signalisieren. Diese Aufbruchstimmung wollen wir nutzen."


Bei ihrer Schultour haben die Grünen die positiven Auswirkungen des vier Milliarden Euro schweren Bundestagsprogramms mit eigenen Augen sehen können. "An vielen Schulen wird gebaut - Bremen bekommt insgesamt rund 28 Millionen für Umbau und Ausstattung. Schulen sollen einladend wirken. Wer den ganzen Tag in der Schule verbringt, soll sich dort auch wohlfühlen. Da haben einige Schulen noch großen Nachholbedarf. Der Bund hat seinen Teil getan, jetzt ist das Land gefordert."


Auch LehrerInnen brauchen Nachhilfe
Der Lehrer als Einzelkämpfer allein in seinem Klassenraum hat ausgedient. Ganztagsschulen können nur erfolgreich sein, wenn Teamarbeit selbstverständlich ist. Anja Stahmann betont: "Die komplett neue Unterrichtsphilosophie, die enge Zusammenarbeit mit ErzieherInnen und Honorarkräften, die wesentlich längere Anwesenheit an den Schulen - auch am Nachmittag - erfordert LehrerInnen neuen Stils. In der Ausbildung der jetzt aktiven Lehrer war davon noch nicht die Rede. Deshalb ist die Fortbildung auf diesem Sektor besonders wichtig. Wir haben auf unserer Tour viele Kollegien getroffen, die sich in und außerhalb Deutschlands auf die Suche nach Anregungen gemacht haben. Nicht jede neue Ganztagsschule muss das Rad neu erfinden - es gibt Vorbilder, von denen man lernen kann. Von Seiten der Behörden gab es keine Beratung."


SchulleiterInnen stärken
Die SchulleiterInnen von Ganztagsschulen sollte nach Ansicht der Grünen vom Unterricht befreit werden. Anja Stahmann betont: "SchulleiterIn ist kein Halbtagsjob. Er besteht zu einem Großteil aus Managementaufgaben. Mit der Personalführung, der Kooperation mit Kindergärten, Beiräten, Sportvereinen und zahlreichen anderen Organisationen im Stadtteil, den Verhandlungen mit zahlreichen bremischen Gesellschaften über nötige Bauarbeiten und Sanierungsmaßnahmen sowie der Betreuung von Honorarkräften ist die Person mehr als ausgelastet. Wir wollen SchulleiterInnen die Möglichkeit geben, sich auf ihre Leitungsfunktion zu konzentrieren. Außerdem soll jede Ganztagsschule einen Schulassistenten mit Halbtagsstelle bekommen, der organisatorische Aufgaben übernimmt."


Bessere Kooperation zwischen Kita, Schule und Freizi
An vielen Stellen gibt es bereits verschiedene Formen der Zusammenarbeit, bis zur von den Grünen geforderten engen Verzahnung ist es noch ein weiter Weg. Jens Crueger, jugendpolitischer Sprecher der grünen Fraktion, betont: "Die Ressorts Bildung und Soziales müssen enger kooperieren und die Zusammenarbeit der verschiedenen Einrichtungen verbessern. Die Ressourcen werden nicht optimal genutzt. Warum stehen beispielsweise Jugendfreizeitheime vormittags leer und werden nicht von Schulen genutzt"


Es fehlt bisher noch ein gemeinsamer Rahmenplan für KTH´s und Grundschulen. Im Mittelpunkt müssen die Kinder stehen. Bisher fehlt der rote Faden, der sich durch Kindergarten und Schule zieht. Auch Kindergärten haben einen Bildungsauftrag. Es wäre dringend erforderlich, qualifizierte Zweitkräfte einzustellen, damit die Kindergärten dieser Aufgabe auch gerecht werden können. Dann könnte auch ein schriftlicher persönlicher Bericht für jedes Kindergartenkind angefertigt werden, über seine Stärken und Schwächen, welche Fördermaßnahmen mit welchem Erfolg ergriffen wurden. Ein solches Portfolio ist in skandinavischen Ländern selbstverständlich und erleichtert den nahtlosen Übergang vom Kindergarten in die Schule. Dieses Portfolio wird während der ganzen Schulzeit ergänzt und vermittelt jederzeit einen aktuellen Überblick über den Leistungsstand des Kindes."


Ganztagsschulen und Horte müssen zu einer Einheit verschmelzen - und das noch ein weiter Weg. "LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen und Honorarkräfte müssen ein Team bilden, das sich gemeinsam um die Kinder und Jugendlichen kümmert."





Liste der besuchten Schulen:


Bremen: Schule Brokstraße
Schulzentrum Koblenzer Straße
Schule an der Andernacher Straße


Bremen-Nord: Schule Borchshöhe
Schule am Lüssumer Ring


Bremerhaven: Karl-Marx-Schule
Paula-Modersohn-Schule




Mehr Infos unter www.gute-bildung-gute-besserung.de