Wirtschaftsförderung am Bedarf vorbei: Subventionierte Trainingsbahn vergrault Trainer

Wirtschaftsförderung am Bedarf vorbei: Subventionierte Trainingsbahn vergrault Trainer

Das neue Rennpferd-Trainingszentrum in der Mahndorfer Marsch droht nach dem Musical zum nächsten Subventionsgrab zu werden. Helga Trüpel, wirtschaftspolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion, fordert den Senat auf, das umstrittene Projekt im Landschaftsschutzgebiet sofort zu stoppen: "Die Trainingsbahn de luxe wird für die künftigen Nutzer so teuer, dass sie nur für einen sehr kleinen, exklusiven Kreis von Rennpferdbesitzern und -trainern attraktiv sein wird. Der vom Wirtschaftsressort in Aussicht gestellte Arbeitsplatzgewinn ist mehr als fraglich. Bremen droht im Gegenteil den Abbau von Arbeitsplätzen zu subventionieren - absurdes Theater auf der Bremer Rennbahn. Die Verantwortlichen in der Großen Koalition müssen endlich einsehen, dass ihnen bei der Planung dieses Großprojekts die Pferde durchgegangen sind. Bremen darf nicht 47 Hektar Landschaftsschutzgebiet und mindestens 3,5 Millionen Mark opfern, damit ein teurer Spielplatz für einige wenige Millionäre entsteht."


Die Befürchtungen der Grünen sind nicht aus der Luft gegriffen. Sie beziehen sich auf Abwanderungspläne des Bremer Galoppertrainers Hubertus Fanelsa, der mit zehn Mitarbeitern 65 Pferde auf der Rennbahn in der Vahr betreut. Hubertus Fanelsa betont auf der heutigen Pressekonferenz: "Ich möchte gerne in der Vahr bleiben. Das geplante neue Trainingszentrum in Mahndorf kommt für mich aus Kostengründen nicht in Frage, deshalb erwäge ich ernsthaft, den Standort Bremen zu verlassen. Mir liegen Angebote von drei anderen Rennbahnen vor."


Hubertus Fanelsa hält es für illusorisch, dass die geplante Trainingsbahn neue Trainer nach Bremen zieht. "Das gibt die Szene nicht her - das Interesse ist gleich Null."


In den Wirtschaftsförderungsausschüssen hat das Hattig-Ressort auf angeblich mangelhafte Sicherheitsstandards bei der Pferdehaltung in der Vahr hingewiesen. In der Ausschuss-Vorlage für den 30. März 2000 (siehe Anlage) heißt es ausdrücklich: "Der heute übliche Sicherheitsstandard ist auf der Rennbahn nicht zu realisieren." Kommentar von Hubertus Fanelsa: "Vorgeschobene Gründe, man will einfach auf jeden Fall Fakten schaffen."


Helga Trüpel fordert den Senat auf, einen Schlussstrich unter das Projekt Trainingszentrum zu ziehen, bevor neue Sachzwänge geschaffen werden: "Von den über 200 geplanten Boxen drohen viele leer zu stehen, weil sich nur wenige ein solches de luxe-Angebot leisten können. Bei entsprechendem Leerstand wird der Druck wachsen, dass Bremen die laufenden Betriebskosten bezuschusst - eine solche Dauersubventionsanlage kann Bremen sich nicht leisten."