Früher in die Schule rein- früher aus der Schule raus. Grüne stellen schulpolitische Eckpunkte vor

Früher in die Schule rein- früher aus der Schule raus. Grüne stellen schulpolitische Eckpunkte vor

Die jüngsten bildungspolitischen Beschlüsse der Großen Koalition zur Differenzierung in der Orientierungsstufe und den Abi-Schnellläuferangeboten für Eliten drohen ein Chaos in vielen Sekundarstufe I -Zentren anzurichten. Die Grünen haben diese Beschlüsse abgelehnt und schlagen einen anderen Weg vor, damit der Start ins Berufsleben oder an der Uni früher beginnen kann. Sie setzen dabei an zwei Punkten an. "Wir möchten die Grundschüler früher einschulen und die Oberstufe für das Gros der Abiturienten um ein Jahr verkürzen," erklärt der grüne Bürgerschaftsabgeordnete Dieter Mützelburg auf der heutigen Pressekonferenz, wo er gemeinsam mit dem Bildungsdeputierten Jan Fries schulpolitische Eckpunkte der grünen Fraktion vorstellt (vgl. Anlage). Mit einem Programm "Im Ausland lernen" wollen die Grünen erreichen, dass Bremer Schüler unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern Erfahrungen im Ausland sammeln können. "Das muss Bestandteil der europäischen Integration werden. Wir wollen durch ein offensives Beratungsangebot und finanzielle Unterstützung erreichen, dass möglichst viele Schüler über den Bremer Tellerrand schauen können. Dafür sollen jährlich 1,5 Millionen Mark bereitgestellt werden.." Mützelburg betont, dass die grünen Eckpunkte kein Sparpaket beinhalten: "Im Gegenteil - wir wollen unterm Strich jährlich 29 Millionen Mark mehr ausgeben."


Mit sechs Jahren in die Grundschule


Die Erstklässler sind bei der Einschulung im Durchschnitt sechs Jahre und acht Monate alt - das ist rekordverdächtig im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Die Grünen wollen erreichen, dass möglichst viele Kinder an ihrem 6. Geburtstag Schulkinder sind. Erreicht werden kann das auf verschiedenen Wegen, beispielsweise durch einen generell früheren Stichtag für Erstklässler, durch zwei Einschulungstermine pro Schuljahr oder durch eine generelle Einschulung am 6. Geburtstag. "Welches der richtige Weg ist, wollen wir mit Lehrern und Eltern diskutieren. Klar ist, das sich die Grundschule auf ihre jüngeren Schüler durch ein veränderte Struktur und anderen Unterricht einstellen muss. Ich halte altersgemischte Klassen für sinnvoll, also beispielsweise die Zusammenlegung der ersten und zweiten Klasse. Die Eingangsphase kann dann je nach Entwicklungsstand der Kinder unterschiedlich lange dauern - ein oder zwei Jahre. Ab der dritten Klasse sollen die Kinder spielerisch eine Fremdsprache kennenlernen."


Orientierungsstufe/Sekundarstufe I stärken


"Im Gegensatz zur Großen Koalition wollen wir die Schulzeit in der Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10) nicht verkürzen und auch keine frühzeitige Selektion in der Orientierungsstufe fördern," betont Dieter Mützelburg. Die Grünen halten daran fest, dass die Schüler möglichst lange gemeinsam unterrichtet werden. "Dass Bremen im Vergleich mit anderen Bundesländern weniger Probleme mit Gewalt an Schulen hat, ist auch ein Verdienst des gemeinsamen Unterrichts von Kindern aus verschiedenen Schichten und mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Damit auf letzteres besser eingegangen werden kann, wollen wir für die 5. und 6. Klassen eine Obergrenze von 20 Schülern ziehen. Wir wollen Sek I-Zentren in die Lage versetzen, sich stärker zu profilieren (beispielsweise im musischen, sportlichen oder naturwissenschaftlichen Sektor). Nur so können sie im Wettbewerb mit Gesamtschulen und Gymnasien bestehen. Für diese Profilbildung wollen wir den Schulen 1,5 Millionen Mark zur Verfügung stellen."


Zwölf Jahre bis zum Abi - Chance für alle


"Zwölf Schuljahre bis zum Abitur sind genug - nicht nur für eine kleine Gruppe Überflieger, sondern für die Mehrheit," findet der grüne Bildungsdeputierte Jan Fries. Die Grünen wollen erreichen, dass möglichst viele Abiturienten mit 18 Jahren die Schule verlassen können. "Die Oberstufe kann von drei auf zwei Jahre gekürzt werden, dafür müssen die Lehrpläne entrümpelt und gestrafft werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in der elften Klasse viel Lehrlauf gibt." Für Realschüler, die nach der Mittleren Reife auf Gymnasium wechseln, wollen die Grünen ein freiwilliges Einführungsjahr anbieten. Die von der großen Koalition eingerichteten Schnellläufer-Modelle für besonders Begabte lehnt Fries strikt ab: "Das führt zu einer unnötig frühen Selektion. Spätentwicklern werden Chancen verbaut und ehrgeizige Eltern überfordern möglicherweise ihre Kinder."


Im Ausland lernen


Die Grünen wollen möglichst vielen Schülern ermöglichen, im Ausland Erfahrungen zu sammeln - sei es durch zwei bis sechswöchige Berufspraktika oder Austauschprogramme sowie längerfristige Auslandsaufenthalte von 6 bis 12 Monaten. Bei der Planung und Durchführung sollen möglichst Bremer Firmen einbezogen werden, die über ausländische Standorte oder intensive Kontakte zu anderen Ländern verfügen
"Viele Eltern, die ihren Kindern gern einen Auslandsaufenthalt ermöglichen würden, müssen aus finanziellen Gründen passen. Deshalb wollen wir einen Finanzfonds von 1,5 Millionen Mark jährlich einrichten," begründet Jan Fries. Die Bildungsbehörde soll Beratungsangebote an allen Schulen einrichten, wo sich die Schüler über die verschiedenen Angebote und Förderungsmöglichkeiten informieren können.


Anlage: "Weniger Schule, gemeinsam besser lernen" - Eckpunkte der grünen Fraktion zu Weiterentwicklung der allgemeinbildenden Schulen



Weniger Schule, gemeinsam besser lernen.
Eckpunkte der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Weiterentwicklung der allgemeinbildenden Schulen in Bremen


Vorbemerkung


Aktueller Anlass dieses Papiers ist die wieder auflebende Debatte um Inhalte und Organisationsformen von Schulen.
Wichtige Schlagworte sind dabei "Qualität", "Modernisierung" und "Konkurrenzfähigkeit". In Bremen trifft diese Debatte nach Jahren des "Schulfriedens" und des Bemühens, schulintern den Ansprüchen des Schulgesetzes von 1994 zu genügen, auf eine ausgepowerte, durch zahlreiche Haushaltskürzungen und Koalitionsgerangel zermürbte Lehrer- und Elternschaft.


Das Spannungsfeld zwischen denjenigen, die politisch nach wie vor mehr Bildungschancen für mehr Kinder und Jugendliche wollen und denjenigen, die die Schulkinder möglichst früh sortieren wollen, um - wie sie sagen - dem Individuum gerecht zu werden, wird größer. In diesem Zusammenhang steht auch die Frage nach der 12-jährigen Schulzeit bis zum Abitur.


Aber: Schule nur vom Abitur her zu denken und zu organisieren, ist zu beschränkt. Zwei Drittel der Bremer SchülerInnen beenden die Schule nicht mit der allgemeinen Hochschulreife.
Gleichzeitig ist es eine Chance zu mehr Selbstverantwortung der Jugendlichen, wenn möglichst viele SchülerInnen mit der Volljährigkeit auch die Schulzeit beenden können und das Schulsystem auf dieses Ziel hin organisiert wird. Wir schlagen die Schulzeitverkürzung als ein Mittel unter anderen für eine zukunftsfähige Schule vor., in der sowohl gesellschaftliche Interessen als auch die der SchülerInnen ernst genommen werden.


Die Große Koalition hat weitgehende inhaltliche und organisatorische Veränderungen für Grundschule, Orientierungsstufe und Sekundarstufe 1 beschlossen und damit u.a.die Schulzentren in Existenznot gebracht. Wir bieten Alternativen an.


Eckpunkte der Schulpolitik


Bündnis 90/Die Grünen haben den Schwerpunkt ihrer Bildungs- und Schulpolitik immer auf die innere Schulreform, die Entwicklung der Belehranstalt Schule zu einem weitgehend demokratisch gestalteten Lebens- und Erfahrungsraum für SchülerInnen, Lehrkräfte und Eltern gelegt.
Diese programmatischen Ziele unserer Schulpolitik finden sich in weiten Teilen im Bremer Schulgesetz von 1994 wieder. Sie sind weiterhin Grundlage unserer Politik, müssen aber im Jahr 2000 ergänzt und präzisiert werden.
Bündnis 90/Die Grünen wollen:


Eckpunkt (1):
Mit sechs Jahren wirklich in die Schule. Flexible Eingangsphase in der Grundschule. Engere Zusammenarbeit mit den Kindergärten


Mittlerweile beherrscht jedes 5. Kind die deutsche Sprache unzulänglich. Im Jahr 2008 wird über die Hälfte der SchulabgängerInnen mit dem digitalisierten Alltag nicht umgehen können. In Städten wie Bremen nimmt die soziale und kulturelle Separierung verschiedener Bevölkerungsgruppen und Ethnien zu. Die Bildungseinrichtung Schule muss diese Entwicklung sowohl im Interesse der Kinder als auch mit dem Ziel einer vielfältigen Stadtentwicklung zu ihrer Sache machen.


Um die Gefahr einer sozialen, sprachlichen und digitalen Spaltung unserer Gesellschaft zu verringern, muss die Grundschule so ausgestattet und organisiert sein, dass sie alle Kinder trotz der gravierenden Unterschiede schon beim Eintritt in die Grundschule ihren Fähigkeiten entsprechend fördern kann.


Schulreife soll nicht mehr das Kriterium für die Einschulung sein, der Schulbeginn soll so gestaltet werden, dass möglichst viele Kinder an ihrem 6. Geburtstag Schulkinder sind. Die erste Klasse soll von einer jahrgangsübergreifenden Eingangsphase abgelöst werden, die dann je nach Entwicklungsstand des Kindes ein oder zwei Jahre dauern kann. Zur Vorbereitung ist eine enge Zusammenarbeit mit den Kindergärten nötig. Die Integration von Kindern mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten wird durch dieses Konzept erleichtert.


Wir wollen neue Formen des Schulbeginns öffentlich diskutieren, die verschiedenen Modelle beraten und die Erfahrungen anderer Bundesländer auswerten, bevor mit neuen Konzepten begonnen wird. (Als Konzept sind sowohl frühere generelle Einschulung, mehrere Einschulungstermine oder Einschulung am 6. Geburtstag zu prüfen.)


Eckpunkt (2):
In der Grundschule früh sprachliche Fähigkeiten entwickeln. Erste Fremdsprache spätestens in Klasse 3 und muttersprachlicher Unterricht für Migrantenkinder


Die sozialen und kulturellen Unterschiede der Kinder drücken sich vor allem in der Sprachkompetenz aus - eine besondere Herausforderung für Schulen in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil, allen Kindern in den ersten Jahren ausreichende Deutschkenntnisse zu vermitteln. Andererseits sind Kinder im Grundschulalter besonders befähigt, weitere Sprachen zu lernen, insbesondere wenn sie mit der eigenen Sprache umzugehen gelernt haben. Deshalb ist sowohl die Förderung der Muttersprache als auch der frühe spielerische Erwerb einer Fremdsprache wie Englisch - anknüpfend an Versuche im Kindergarten - Französisch, Spanisch, Russisch oder Türkisch sinnvoll.


Eckpunkt (3):
Gemeinsam lernen bis Klasse 7. Orientierungsphase statt Orientierungsstufe


Wir halten an dem Ziel fest, möglichst viele Kinder möglichst lange gemeinsam zu unterrichten. Integrative und möglichst durchlässige Schulformen haben sich auch international bewährt.
Alle Kinder, die nicht eine Gesamtschule oder eine sechsjährige Grundschule besuchen (von denen wir - sofern Eltern und LehrerInnen es wünschen - mehr einrichten möchten), sollen in den Klassen 5 und 6 in den Schulzentren der Sekundarstufe 1 gemeinsam unterrichtet werden. Die derzeitige Orientierungsstufe, wollen wir in eine zweijährige Orientierungsphase umwandeln, die in der Regel Teil der Sekundarstufe-I-Zentren ist und räumlich, personell und inhaltlich in diese integriert wird. Hierfür muss ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden, das die Erfahrungen der Gesamtschule aufgreift und dem Ziel, den Übergang in die weitere Schullaufbahn vorzubereiten, entspricht. Um binnendifferenziert arbeiten zu können, sollen die Klassen 5 und 6 nicht mehr als 20 Schüler umfassen. Den Schulen soll ein großer Spielraum bei der Entwicklung der gegeben werden.


Eckpunkt (4):
Die Sekundarstufe 1 inhaltlich entwickeln. Die Schulzentren verbessern statt sie zu Restschulen werden zu lassen.


In der Sekundarstufe I (5. - 10. Klasse) fallen Vorentscheidungen über die weitere Schullaufbahn und über die berufliche Orientierung der SchülerInnen. Deshalb muss sie in jeder Organisationsform möglichst "durchlässig" sein und den Kindern das Umsteigen ermöglichen. Um das zu sichern, wollen wir die Schulzentren der Sekundarstufe I stärken als eine Schulform, in der Haupt-, Real- und GymnasialschülerInnen gemeinsam in einer Schule, wenn auch ab Klasse 7 nach Schulformen differenziert, unterrichtet werden.


Um im "Wettbewerb" mit Gesamtschule und Gymnasien bestehen zu können, müssen die Sekundarstufen-1-Zentren künftig eigene klare Profile, insbesondere im naturwissenschaftlich-technischen sowie im wirtschaftlichen, sportlichen oder musischen Bereich, entwickeln. Das soll durch materielle Anreize und Wettbewerbe von der Stadt gefördert werden. Es sollen verstärkt schulartenübergreifende Angebote gemacht werden.


Wir wollen die besonderen Begabungen und Neigungen der einzelnen Kinder fördern und sie für das Lernen auf Gebieten begeistern, die bisher für sie nur schwer zugänglich sind. Deshalb wollen wir als Nachmittagsangebote "Lernstationen" in jedem Stadtteil, in denen Kinder aller Bildungsgänge mit besonderen Begabungen und Interessen (z.B. in Naturwissenschaften) zusammen zusätzliches Wissen erwerben können. Diese Lernstationen können Ausgangspunkt für Ganztagsschulen sein.


Eine größere Nähe der SchülerInnen zur Wirtschafts- und Arbeitswelt möchten wir durch intensivere und längere Betriebspraktika (möglichst ab der 8. Klasse) fördern. Vor allem aber sollen mehr "Externe" (AusbilderInnen, WissenschaftlerInnen, SozialpädagogInnen) mit den SchülerInnen in- und außerhalb der Schule zusammen gebracht werden, um die Kinder und Jugendlichen enger an die gesellschaftliche Wirklichkeit heranzuführen.


Um Schulverweigerung vorzubeugen, sollen für schulmüde Kinder und Jugendliche in Anlehnung an die in Hamburg und Berlin praktizierten Modelle "Stadt als Schule" Lern- und Praxisangebote entwickelt werden, die in weiten Teilen außerhalb der Institution Schule stattfinden.


Für alle Kinder und Jugendlichen sollen kürzere und längere organisierte Auslandsaufenthalte unterstützt und gefördert werden. Dafür ist beim Bildungssenator. ein Förderprogramm "Im Ausland lernen" aufzubauen, das finanzielle Unterstützung und Beratung über Aufenthalte im Ausland vermittelt.


Eckpunkt (5):
Den Übergang in die verkürzte Oberstufe ab der 10. Klasse neu gestalten. Eine freiwillige 11. Klasse einrichten.


Alle SchülerInnen, die das Abitur ablegen wollen, sollen es grundsätzlich nach 12 Jahren ablegen können. Zur Unterstützung arbeiten die Gesamtschulen und Sekundarstufe-I-Zentren im 2. Halbjahr der 10. Klasse eng mit einem Oberstufenzentrum zusammen. In diesem "Kooperationsprojekt" werden die künftigen AbiturientInnen an die Arbeitsweise und die Inhalte der Oberstufe herangeführt. Für die SchülerInnen, die eine Berufsausbildung anstreben, finden entsprechende Kooperationen mit berufsbildenden Schulen statt.


Der Übergang in die "Abiturslaufbahn" soll flexibler als bisher gestaltet werden, um möglichst vielen Jugendlichen einen solchen Abschluss zu ermöglichen. In der "normalen" Schullaufbahn bis zum Abitur wird die jetzige 11. Klasse nicht mehr vorkommen. Für SchülerInnen (gerade aus der Realschule), die sich noch nicht ausreichend auf die Oberstufe vorbereitet fühlen, soll ein freiwilliges Einführungsjahr in der gymnasialen Oberstufe angeboten werden.


Vor dem Übergang auf die Oberstufe sollen mehr als bisher auch Erfahrungen außerhalb der "Schullaufbahn" gefördert werden. SchülerInnen können die jetzige 11. Klasse auch für einen Auslandsaufenthalt, ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr nutzen und erst danach in die Qualifizierungsphase eintreten.


Eckpunkt (6):
Die neue Oberstufe: In 2 Jahren qualifiziert zum Abitur.


Die eigentliche Gymnasiale Oberstufe beschränkt sich auf die von der Kultusministerkonferenz vorgeschriebene "Qualifizierungsphase" (heutige Klassen 11 und 12). Der Unterricht findet in Kursen statt. Die Wahlmöglichkeiten und das Angebot sollen verbessert werden, eine Zusammenarbeit mit neu entstehenden beruflichen Gymnasien und Fachoberschulen soll ebenso von der Stadt gefördert werden wie die Kooperation mit den anderen beruflichen Schulen.
Außerdem soll künftig mindestens eine Gesamtschule so mit der Oberstufe verbunden werden, dass sie zur achtjährigen Gesamtschule mit Abitur ausgebaut wird.


Die grundsätzliche Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur darf nicht als Schnellschuss ohne ein klares inhaltliches Konzept für die jetzigen 11., 12. und 13. Klassen eingeführt werden. Eine einfache Kompression der Inhalte ist noch kein pädagogisches Konzept.



Notwendige Rahmenbedingungen zur Realisierung


Voraussetzung jeder Reform ist eine demokratisch organisierte und öffentlich geführte Diskussion über Art, Inhalt und Zeitpunkt von Veränderungen. Schulpolitik eignet sich nicht für Machtdemonstrationen, Koalitionskungelei und überhastetes Durchpeitschen.


Die inhaltliche Versbesserung von Schulen kann nur unter verbesserten Rahmenbedingungen gelingen:


Bündnis 90/die Grünen wollen:
·Neue und neu ausgebildete LehrerInnen und weiteres qualifiziertes Personal für gezielte Förderung und Betreuung. (vgl. grüner Vorschlag "Aktionsprogramm gegen Lehrermangel")


·Weiterentwicklung der wirtschaftlichen und pädagogischen Autonomie für die Schulen in einem von der Schulbehörde und der Politik definierten verbindlichen und verlässlichen Rahmen.
Aktive Einbeziehung von Eltern und Schülern in die innere Umgestaltung; Vielfalt muss gewünscht sein.


·Förderung von Schulprofilen und -programmen durch Wettbewerbe und materielle Anreize.
Moderne technische Ausstattung und aktuelle Lehrmittel.


·Verbesserung der Instrumente zur internen und externen Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle von Schule und Unterricht einschließlich vergleichender Untersuchungen in Europa.


·Schulgebäude, die in einem Zustand sind, der zum Lernen und nicht zum Zerstören auffordert. Für diesen Zweck soll neben dem Reparaturfonds, der fortgeführt werden muss, den einzelnen Schulen ein "Schulunterhaltungsfonds" gegeben werden, aus dem sie die notwendigen laufenden Gebäudeunterhaltungen finanzieren.


·Eine unvermeidbare Konsequenz heißt: Mehr Geld in Schule und Bildung: Bis 2005 sind rund 150 Millionen DM zusätzlich erforderlich (s. Anlage "Kosten für eine bessere Schulpolitik").


Und schließlich:
Bremen ist keine Insel. Die Zusammenarbeit mit den benachbarten Gemeinden und ihren Schulen, die weitere Öffnung der Landesgrenzen für SchülerInnen ist als Teil einer integrierenden Regionalpolitik dringend erforderlich.



Bremen, Dezember 2000



Anlage:


Geschätzte Zusatzkosten für Eckpunkte Schulpolitik


1. Personal
a) Grundschule (40 LehrerInnen/Jahr zusätzlich) 4,0 Mio. DM
b) Sekundarstufe I (50 LehrerInnen/Jahr mehr) 5,0 Mio. DM
c)Oberstufe (20 LehrerInnen/Jahr weniger) -2,5 Mio. DM
zusammen 6,5 Mio. DM


2. Schulreparatur (15 Mio. DM/Jahr mehr) 15,0 Mio. DM


3. Ausstattung (2 Mio. DM/Jahr mehr) 2,0 Mio. DM


4. Nicht unterrichtendes Personal 2,5 Mio. DM


5. Programm "Lernen im Ausland" 1,5 Mio. DM


6. Schulprofile 1,5 Mio. DM
zusammen 29,0 Mio. DM