Antrag „Errichtung eines Mahnmals zur Erinnerung an die massenhafte Beraubung europäischer Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime und die Beteiligung bremischer Unternehmen, Behörden und Bürgerinnen und Bürger“

In der Sitzung der Stadtbürgerschaft am 8. November 2016 wurde der Antrag beschlossen.

Der bau- und stadtentwicklungspolitische Sprecher Robert Bücking betonte in der Debatte, dass sowohl Behörden, die Wirtschaft als auch Bürgerinnen und Bürger in die systematische Beraubung von Jüdinnen und Juden und die Verwertung ihres Eigentums im Rahmen der nationalsozialistischen „Arisierung“ eingebunden waren. Von zentraler Bedeutung beim Transport von Möbelstücken und Wertgegenständen sei dabei der Beitrag des Bremer Unternehmens Kühne+Nagel gewesen, das seine Kompetenz und Organisationsfähigkeiten in den Dienst der Transporte, vor allem im Zuge der „Aktion M“, gestellt habe. Robert Bücking appellierte an den Unternehmer Klaus-Michael Kühne: „Öffnen Sie die Archive Ihres Unternehmens, beauftragen Sie unabhängige Historiker mit der Erforschung der Geschichte Ihres Unternehmens. Bei allem gebotenen Respekt und Takt: Das ist dieses große Unternehmen den Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschine schuldig und es tut am Ende gut, wenn wir uns nicht in Schweigen und Abwehr verbarrikadieren.“ Die kulturpolitische Sprecherin Kirsten Kappert-Gonther ergänzte: „Wir wollen, dass dieses Mahnmal anregt, sich mit der eigenen Verantwortung, der eigenen Verwicklung in die systematische Ausplünderung von Jüdinnen und Juden und der Shoa insgesamt auseinanderzusetzen.“

Der Antrag
vom 03. November 2016, Drucksache 19/401 S

Antrag „Errichtung eines Mahnmals zur Erinnerung an die massenhafte Beraubung europäischer Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime und die Beteiligung bremischer Unternehmen, Behörden und Bürgerinnen und Bürger“

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Jüdinnen und Juden in Deutschland im Zuge der „Arisierung“ aus ihren beruflichen Stellungen und dem Erwerbsleben verdrängt. Zahlreiche jüdische Familien verließen Deutschland über Bremerhaven und mussten dort häufig ihren Besitz zurücklassen. Dieser wurde dann auf sogenannten „Juden-Auktionen“ versteigert. Neben der Finanzbehörde profitierten davon auch Bremer Bürgerinnen und Bürger, die Möbelstücke und Wertgegenstände ersteigerten, welche sich teilweise noch heute in Bremer Wohnzimmern befinden. Bremen profitierte nicht nur von der Auswanderung, sondern auch von der Beraubung der europäischen Jüdinnen und Juden im Rahmen der „Aktion M.“ Diese Aktion – M steht für Möbel – hatte zum Ziel, den Besitz der jüdischen Bevölkerung aus den von der Wehrmacht besetzen Ländern Frankreich, Belgien und den Niederlanden in großem Umfang nach Deutschland zu schaffen. Als Logistiker waren hieran auch noch existierende Bremer Unternehmen, wie die Spedition Kühne und Nagel, beteiligt.

Die Fraktion der Grünen, mit dem bau- und stadtentwicklungspolitischen Sprecher Robert Bücking und der kulturpolitischen Sprecherin Kirsten Kappert-Gonther, hat nun gemeinsam mit der SPD und der LINKEN einen Antrag eingebracht, der den Bau eines „Arisierungs“-Mahnmals anstrebt. Das Mahnmal soll an die Beraubung der vertriebenen und ermordeten Jüdinnen und Juden erinnern und dabei die besondere Rolle Bremens, ihrer Institutionen und Unternehmen benennen, aber auch an die Beteiligung der privaten Profiteure in der Bevölkerung erinnern.