Gesundheit

Grüne: Medizinausbildung in klinischer Phase statt Vollstudium

Die Grünen-Fraktion spricht sich aufgrund der immensen Kosten gegen die Etablierung eines medizinischen Vollstudiums in Bremen aus. Für den Ausbau der klinischen Ausbildung hingegen spricht vieles, zumal die positiven Effekte für Bremen wie die Sicherung hier ausgebildeter ÄrztInnen und die Stärkung der Gesundheitswirtschaft auch so zu erreichen sind. Bei dieser Variante absolvieren die Studierenden den theoretischen Teil der Medizinausbildung woanders und kommen erst nach dem vierten Semester zur klinischen Ausbildung und dem Praxisjahr nach Bremen. Das ist das grüne Fazit nach der gemeinsamen Anhörung von Wissenschaftsausschuss und Gesundheitsdeputation zur Medizinausbildung in Bremen.

Dazu erklärt die wissenschaftspolitische Sprecherin Henrike Müller: „Mit einem Medizin-Vollstudium würde Bremen sich finanziell überfordern. Zu den Kosten von knapp 31.000 Euro pro Studienplatz kommen dabei noch deutlich höhere Kosten für bauliche Investitionen, Anschaffungen von medizinischen Großgeräten und laufende Kosten für den Unterhalt der Infrastruktur hinzu. Das würde bestehende Wissenschaftsstrukturen schwächen. Für die klinische Phase hingegen spricht viel. Dafür wollen wir die Möglichkeiten unter Einbeziehung der Kompetenzen aller bremischen Hochschulen geprüft wissen. Nur wenn wir ein wirklich innovatives Ausbildungsangebot entwickeln, können wir die Medizinausbildung erfolgreich in Bremen ansiedeln.“ Henrike Müller betont darüber hinaus, dass heute nicht die Weichen für ein Medizinstudium gestellt, sondern die Prüfaufträge konkretisiert wurden. „Eine Entscheidung über eine klinische Ausbildung kann und wird erst nach Vorlage einer Machbarkeitsstudie fallen“, so die Abgeordnete.

Der gesundheitspolitische Sprecher Nima Pirooznia will für die Medizinausbildung in Bremen die tatsächlichen Bedarfe in den medizinischen Teilbereichen wie Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde oder auch Medizin des Alterns, eine Verknüpfung mit der akademischen Ausbildung in den Heil- und Pflegeberufen sowie innovative Aspekte wie die kultur- und queersensible Versorgung als Attraktivitätsmerkmal mitgedacht wissen: „Ein Medizin-Vollstudium ist einer der teuersten Studiengänge überhaupt. Das lehnen wir ab. Für uns steht ein Kooperationsmodell im Vordergrund, bei dem Bremen den klinischen Teil der Ausbildung übernimmt. Der Fokus sollte auch nicht nur auf die MedizinerInnenausbildung gelegt werden. Ein mögliches Medizinstudium in der klinischen Phase muss sich in die gesamte Gesundheits- und Wissenschaftsstruktur Bremens einfügen, um Synergieeffekte zu nutzen und sich von anderen Ausbildungsstandorten abheben zu können. Dies könnte durch die Schaffung eines Bremischen Gesundheitscampus erfolgen, der die akademische Ausbildung der Hebammen sowie der Pflege- und Heilberufe ebenso berücksichtigt wie neue Themenfelder. Das könnte die Versorgungsforschung oder auch die kultursensible und queersensible Versorgung sein.“