Jugendpolitik gestalten nicht verwalten

Jugendpolitik gestalten nicht verwalten

Auf der Sitzung des Jugendhilfeausschusses in der vergangenen Woche wurde mit den Stimmen der Großen Koalition die Neubildung von Stadtteilbudgets beschlossen, ohne grundlegende inhaltliche Fragen zu klären.


"In der Jugendarbeit brennt die Luft," sagt Anja Stahmann, jugendpolitische Sprecherin der Grünen, "weil seit Monaten inhaltliche Fragen nicht geklärt worden sind. Statt Ziele wie mehr Beteiligung von Kinder und Jugendlichen, mehr Mädchenangebote, weniger Bürokratie und dafür ausreichende Sozialarbeiterstellen in Jugendfreizeitheimen, mehr Medienarbeit und Beratungsangebote anzugehen, passiert genau das Gegenteil."


"Es hakt an allen Ecken und Enden. Überall werden Hürden für die Jugendarbeit aufgebaut. Kein Jugendverband hat Ende Juni einen abschließenden Bewilligungsbescheid über seinen Finanzierungsrahmen für das laufende Jahr erhalten", so Anja Stahmann.


In den städtischen Jugendfreizeitheimen wird die laufende Arbeit empfindlich beeinträchtigt, weil Sozialarbeiter wie z.B. in Oslebshausen fehlen oder vom Freizeitheim Buntentor in das Freizeitheim Thedinghauser Strasse umgeschichtet werden. Das neue Jugendzentrum in der Thedinghauser Strasse wurde offensichtlich ohne schlüssiges Personalkonzept eröffnet. Von rund 50 Stellen in den kommunalen Jugendfreizeitheimen sind derzeit nur 44 besetzt. Die Grüne fordert:" Die unbesetzten 6 Stellen müssen schnellstens wiederbesetzt werden oder die Stadtteile sollen die eingesparten Mittel in Höhe von 397.000 DM umgehend für die Jugendarbeit bekommen."


Dramatisch ist auch die Situation für die Betreuungsangebote für Kinder von 10-13 Jahren, den sog. "Lückeprojekten" in den städtischen Jugendeinrichtungen. Den Betreuungskräften wurde zum 31.7.2001 gekündigt, weil immer noch eine neue Vertragsgrundlage seitens der Behörde fehlt.


Das Jugendfreizeitheim im Buntentorsteinweg hatte für kleinere Anschaffungen ein Girokonto eingerichtet, das gemeinsam mit den Jugendlichen verwaltet wurde. Dies musste jetzt aufgelöst werden, weil der Amtsschimmel in Form des Finanzressorts wiehert. Er meint: Girokonten für Jugendfreizeitheime sollen nur privat möglich sein oder wenn die Einrichtungen extra Vereine gründen. "Absolute Unfähigkeit des Senats die Jugendarbeit zukunftsweisend zu gestalten", diagnostiziert die grüne jugendpolitische Sprecherin Anja Stahmann.


"Für eine lebendige und zukunftsorientierte Jugendarbeit brauchen wir endlich mehr wirtschaftliche Autonomie für die kommunalen Einrichtungen, langfristige Leistungsvereinbarungen und mehr Mitspracherechte der Jugendlichen - und das jetzt!" fordert Anja Stahmann.