Rindfleisch aus der Region: Gut für Verbraucher, Landwirtschaft und Umwelt

Rindfleisch aus der Region: Gut für Verbraucher, Landwirtschaft und Umwelt

Ab April wird "british beef" wieder in Deutschland verkauft. Ob verpackt, lose oder im Restaurant - das Fleisch muss mit "XEL" gekennzeichnet sein. Das BSE-Problem ist damit nicht vom Tisch. Kommentar von Karin Mathes, umweltpolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion: "Die Kennzeichnung ist eine Art letzter Rettungsanker. Solange Tiermehl als Futtermittel verwendet wird, ist die Rinderwahn-Gefahr nicht gebannt. Wir brauchen gesunde, artgerecht produzierte Lebensmittel, die ohne großen Zeitaufwand und langfristige Planung von jedermann gekauft werden können."


Positive Ansätze wie die tierische Ökokiste oder spezielle Verkaufsstände auf Bauernmärkte besetzten bisher wichtige Nischen. Die Grünen fordern den Senat auf, die Förderung regional erzeugter landwirtschaftlicher Produkte und ihre Vermarktung zu einem Schwerpunkt zu machen. Die bisher gezeigte Unterstützung durch die Landesregierung ist marginal und beschränkt sich weitgehend auf blumige Sonntagsreden. Karin Mathes, seit vier Jahren Mitglied im Agenda 21-Arbeitskreis "Aus der Region - für die Region", erinnert an zahlreiche Projektvorschläge, die wegen fehlender öffentlicher Unterstützung bisher nicht umgesetzt wurden oder in der Verwaltung lange Zeit stecken blieben: "Als Stichwort nenne ich nur die Kita-Küche der kurzen Wege oder die Produkt-Vermarktung Wümmewiesen. Das ökologische und ökonomische Potential dieser Ansätze wird bei weitem nicht ausgeschöpft. 117 landwirtschaftliche Betriebe haben in Bremen zwischen 1991 und 1997 aufgegeben. Diese Entwicklung muss gestoppt werden - ohne extensive Landwirtschaft ist der ökologisch wertvolle Bremer Grüngürtel nicht zu erhalten. Im Sinne klassischer Mittelstandsförderung könnte der Senat den Kleinbauern bei der Vermarktung der Produkte unter die Arme greifen - das rettet Arbeitsplätze, schafft neue im Marketing und Vertrieb und erhält beliebte Naherholungsgebiete. Im übrigen ist dies ein idealer Ansatzpunkt für eine länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und Bremen." Als positives Beispiel nennt Karin Mathes eine öffentlich bezuschusste Kampagne für "Eichsfelder Produkte": "Die Region Eichsfeld liegt im niedersächsisch-thüringischen Grenzgebiet. Mit 500.000 Mark aus EU- und Landes- und Kreismitteln wurde die bessere Vermarktung der Lebensmittel bezuschusst. Es sind mehrere Hofläden - mit Unterstützung des regionalen Tourismusverbandes - entstanden. Zusätzlich bieten elf Gastwirte Essen aus der Region mit dem Logo "Eichsfeld pur" auf ihrer Speisekarte an.


Produkt-Vermarktung Wümmewiesen


Bei einer Kostprobe von Rindfleisch aus der eigenen Produktion erläutert Geschäftsführer Joachim Lüllmann das Konzept der Erzeugergemeinschaft "Produkt-Vermarktung Wümmewiesen", in der über 20 Bauern aus Lilienthal, Borgfeld, Oberneuland, Fischerhude, Oyten und Ottersberg organisiert sind: "Die Mitglieder haben sich strenge Erzeugungs- und Vermarktungsregeln auferlegt, die dem Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher gerecht werden und die Umwelt schonen. Unter anderem haben sich die Landwirte verpflichtet, keine Hormone einzusetzen und verzichten beim Füttern auf jegliche Form von Tiermehlen und Tierfetten." Überwacht wird die Einhaltung der Regeln durch eine unabhängige Kontrollkommission, die sich aus Vertretern von Verbänden und öffentlichen Institutionen zusammensetzt. Verkauft wird das Rindfleisch direkt auf den Höfen und in einem Fleischerei-Fachgeschäft in Fischerhude. "Wir würden gern jemanden einstellen, um die Vermarktung zu verbessern. Dafür haben wir eine Anschubfinanzierung in Höhe von 160.000 Mark in Bremen, Niedersachsen und bei der Zentralen Marketing Gesellschaft beantragt."


Karin Mathes hält dies angesichts der wünschenswerten Öffentlichkeitsarbeit und des Aufbaus eines breit gefächerten Vermarktungswegs für eine bescheidene Summe. "Ich würde mir wünschen, dass der Bremer Senat sich aktiv um die bessere Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte aus der Region kümmert. Wenn die Ressorts von Wirtschaft, Umwelt und Gesundheit dabei an einem Strang ziehen, könnte man eine Menge bewegen. Wie viel Fördermittel dafür in den nächsten Jahren eingesetzt werden, ist noch offen. Für den gesamten Bereich Landwirtschaft, Forsten und Küstenschutz beabsichtigt der Senat für das Jahr 2000 insgesamt 2,3 Millionen Mark bereitzustellen. Bei den vielen Projekten, die in der Agenda 21 Arbeitsgruppe diskutiert wurden, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Angesichts der zahlreichen Großprojekte der Großen Koalition wird dieser Bereich stiefmütterlich behandelt."