Stadtteilbesuch der grünen Fraktion in Vegesack

Stadtteilbesuch der grünen Fraktion in Vegesack

Die Folgen der noch nicht verdauten Vulkan-Pleite sowie die geplanten großen Investitionsvorhaben waren die zentralen Themen beim Stadtteilbesuch der grünen Bürgerschaftsfraktion in Vegesack. Die Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen informierten sich einen Tag lang über Probleme und positive Ansätze im Stadtteil. Die Fraktion besuchte auf ihrer Tour das Ortsamt, das Vulkan-Gelände, das Bauamt Bremen-Nord, Haven Höövt, die Kaserne Grohn wegen der dort geplanten Ansiedlung der Rice-Universität sowie die Polizei.


Den Auftakt bildete ein Gespräch mit Ortsamtsleiter Rainer Kammeyer und dem grünen Sprecher im Beirat Vegesack, Reinhold Koch. Breiten Raum nahm dabei das Projekt Haven Höövt ein. Die Grünen befürworteten eine Aufwertung des Geländes durch Erweiterung und Entwicklung der maritimen Meile in Vegesack, Wohnen und Dienstleistungen wie ein Kino und eine Ausweitung des touristischen Angebotes. Dieter Mützelburg, grüner Fraktionssprecher: "Die jetzige Planung mit einem für Vegesacker Verhältnisse riesigen Einkaufszentrum lehnen wir allerdings ab. Der Architektur fehlt jedes Gespür für diesen außergewöhnlichen Ort, die Verkehrsprobleme sind nicht lösbar, und ohne nachdrückliche Veränderung der Grohner Düne im Rahmen einer Gesamtplanung, was auch einen Rückbau nicht ausschließt, wird es nur Einkaufstourismus geben, der in großen Teilen zu Lasten der Vegesacker Innenstadt geht." Klaus Möhle, Abgeordneter aus Bremen-Nord, forderte eine Denkpause für das Projekt und eine neue Planung unter Einbeziehung der vielen kritischen Bürgerinnen und Bürger.


Auf große Aufmerksamkeit und Zustimmung traf die vom Ortsamtsleiter vorgestellte Umwandlung des Ortsamtes in ein Bürgerbüro, in dem die Bürger eine Fülle von kommunalen Dienstleistungen aus einer Hand erhalten. "Es ist an der Zeit, daß dieses Projekt nicht bei einem Modellversuch stehenbleibt, sondern möglichst rasch in der ganzen Stadt umgesetzt wird", erklärte Fraktionssprecher Helmut Zachau.


Ermutigend empfanden die Grünen die Entwicklungen und Arbeitsplatzperspektiven auf dem ehemaligen Vulkangelände. Helga Trüpel, Fraktionssprecherin und grüne Wirtschaftsexpertin: "Hier könnten auf Basis der jetzt schon vorhandenen Arbeitsplätze die Folgen der Vulkan-Pleite mit einem vielfältigen Mix aus Dienstleistungen, Gewerbe und mittleren Industriebetrieben aufgefangen oder wenigstens gemildert werden." Sie begrüßte die geplante Öffnung hin zum Stadtteil mit neuen Wegebeziehungen auf dem Gelände. Skeptisch beurteilte sie die in der Diskussion befindliche Ansiedlung eines Autoumschlages der Firma Daewoo. Sie befürchtet, daß ein derartiger Betrieb bei erheblichem Flächenverbrauch nur wenige qualifizierte und zukunftsfähige Arbeitsplätze schafft.


Bei einem Besuch der Kaserne Grohn bestätigte der Kasernenkommandant Osterwald, daß voraussichtlich schon gegen Ende 1999 eine großer Teil der Kaserne nicht mehr genutzt werde und nach den bisherigen Planungen um 2000/2001 für eine andere Nutzung zur Verfügung stehe. Hermann Kuhn, Wissenschaftssprecher der Grünen, äußerte sich positiv über die geplante Ansiedlung der Rice-Universität an diesem Standort: "Ich würde mich sehr freuen, wenn die möglichen künftigen Nutzer sich auf einen öffentlichen Planungsprozeß einlassen würden, der das bisher eingezäunte Gelände in den Stadtteil integriert."


Beim Besuch des Bauamts Bremen-Nord ließen sich die Grünen von dessen Leiter, Herrn Steuer, die laufenden Planungen vorstellen. Die Grünen lernten dabei ein komplettes Angebot der bauenden und planenden Ämter kennen, zusammengefaßt in einer Behörde. Karin Krusche, Mitglied der Baudeputation, bedauerte, daß das Hochbauamt jetzt im Rahmen der McKinsey-Umorganisierungen aus dem Bauamt herausgerissen werden soll: "Ich hätte mir gewünscht, daß man das für den nördlichsten Bremer Bezirk zuständige Bauamt, das sich mit seinem kompletten Angebot an Bauherren und Bürger bewährt hat, wie bisher beläßt. Dann könnte man beurteilen, ob ein Amt oder die privaten Baubetriebe, die der Senat gerade gründet, die Aufgaben besser und vor allem bürgernäher erledigt." Klaus Möhle, baupolitischer Sprecher der Grünen, kritisierte am Beispiel des Haven Höövt, daß die Vergabe von so wichtigen Grundstücken an einen Investor die Planungs- und Gestaltungshoheit der Gemeinde praktisch aushebelt und die Gemeinde damit erpressbar wird. Er forderte, daß sich das bei der Grohner Kaserne nicht wiederholen dürfe.


Martin Thomas, innenpolitischer Sprecher der Fraktion, besuchte die Polizei. In einem Gespräch mit dem Leiter der Polizeiinspektion Nord, Herrn Werner Fleß, und den Leitern der Polizeireviere Lesum und Vegesack ließ er sich über Prävention informieren. Thomas: "Die gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Schulen und sozialen Einrichtungen ist ein wichtiger und offenbar erfolgreicher Schritt, der Kriminalität vorbeugend zu begegnen." Er hob hervor, daß auch die Schulen selbst aktiv werden und Schülerinnen und Schüler als Streitschlichter ausgebildet werden, um dazu beizutragen, Konflikte in der Schule gewaltfrei zu lösen.