Lebensraum für Insekten schützen!

Laut einer aktuellen Studie gehen die Insektenbestände in Deutschland dramatisch zurück. Eine Auswertung von 63 deutschen Schutzgebieten zwischen den Jahren 1989 und 2016 zeigt einen Rückgang der Fluginsekten-Biomasse von 76 Prozent. In einigen untersuchten Gebieten waren es sogar über 80 Prozent (1).
Insekten sind die artenreichste Klasse der Tiere und spielen eine zentrale Rolle für das Funktionieren unserer Ökosysteme. Sie sind bedeutsam als Nutztiere und sind Nahrungsgrundlage für andere Tierklassen wie Vögel, Säugetiere, Amphibien oder Reptilien. Sie sind die wichtigsten Pflanzenbestäuber und spielen eine erhebliche Rolle beim Stoffumsatz im Boden und auf der Bodenoberfläche. Überdies sind Insekten wichtige Nützlinge in der Forst- und Landwirtschaft.
Wenn es nicht gelingt, den Insektenschwund aufzuhalten, wird dies dramatische Konsequenzen auch für Mensch und Umwelt haben. Wir Grünen wollen deshalb die Voraussetzungen dafür schaffen, die Quantität des Insektenbestandes und die Artenvielfalt zu erhalten.

1. Warum sind Insekten so wichtig?

Insekten sorgen dafür, dass rund 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen bestäubt werden. Damit sichern sie landwirtschaftliche Erträge und Nahrungsquellen für viele Tierarten. Alleine der volkswirtschaftliche Nutzen von Bienen wird in Deutschland auf ca. 2,5 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Das Insektensterben hat weitereichende Konsequenzen für unser gesamtes Ökosystem und für die Lebensgrundlagen der Menschen. Verschwinden die Insekten, dann sterben langfristig viele Pflanzen aus, weil sie nicht mehr bestäubt werden und sich nicht mehr vermehren können. Dadurch müssen Menschen auf einen Großteil ihrer Nahrung verzichten, auch auf viele Obst- und Gemüsesorten. Ferner kann das Insektensterben auch zu einem umfangreichen Artensterben führen, da die Nahrungsgrundlage vieler Tiere schwindet, ebenso ist die Verwertung von Nutzpflanzen betroffen.

2. Was verursacht das Insektensterben?

Die Ursachen für das Insektensterben sind vielfältig und noch nicht umfassend erforscht. Es verdichten sich in den letzen Jahren jedoch die Hinweise darauf, dass folgende Faktoren für das Insektensterben mitverantwortlich sind:

  • der Einsatz von Pestiziden, z. B. Neonicotinoide und Glyphosat,
  • Flächenversiegelung durch Bau von Straßen, Siedlungen, Industrieanlagen,
  • Nährstoffanreicherung der Pflanzenwelt durch diffuse Stickstoff- und Phosphateinträge,
  • Anbau von Monokulturen,
  • Intensive Landwirtschaft und Bodenverdichtung durch den Einsatz von schweren landwirtschaftlichen Maschinen und Fahrzeugen,
  • Einflüsse von Klimaveränderungen: Pflanzen blühen z. B. früher. Der frühere Blühzeitpunkt bringt den Rhythmus mancher Insekten durcheinander.

3. Was können wir gegen das Insektensterben tun?

Der Einsatz von Pestiziden scheint eine wesentliche Rolle beim Insektensterben zu spielen. Dass Pestizide das Bestäubungsverhalten von Hummeln beeinträchtigen, wurde jüngst mit einer Studie belegt. (2) Deshalb gilt es, vor allem den Einsatz der entsprechenden Pestizide zu miniminieren bzw. ganz zu stoppen. Das Bundesland Bremen ist im Gegensatz zu den Flächenländern vom großflächigen Einsatz solcher Pestizide kaum betroffen, auch weil auf Initiative der Grünen in den letzten Jahren verstärkt Anreize zum Ausbau der Bio-Landwirtschaft in Bremen geschaffen wurden. Wir fordern:

Auf Bundes- und Europaebene

  • ein Programm zur Reduktion des Pestizideinsatzes, insbesondere konsequente Umsetzung der biodiversitätsschützenden Ziele und Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (BMEL 2013) sowie aktive Information der Öffentlichkeit über die Zielerreichung,
  • die Reform des Zulassungsverfahrens für Pestizide,
  • das Fördern der Forschung zur Reduktion des Pestizideinsatzes,
  • ein schnelles, dauerhaftes Verbot von insektengefährdenden Pestiziden,
  • die Etablierung eines langfristig angelegten bundesweiten Insektenmonitorings.

Auf Ebene des Bundeslandes Bremen

  • einen im Landesnaturschutzgesetz geregelten Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide in Naturschutzgebieten und geschützten Biotopen,
  • den weitgehenden Verzicht auf Pestizideinsatz bei der Grünlanderneuerung und die Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern durch eine gezielte Beratung,
  • die Beibehaltung der extensiven Landwirtschaft,
  • eine Biodiversitätsberatung für die Landwirtschaft,
  • ein Förderprogramm zur Schaffung von standortangepassten Blühstreifen und -flächen im Bremer Grünlandring und auf Ackerstandorten,
  • die weitere Umgestaltung hin zu einer ökologischen, bienenfreundlichen Landwirtschaft mit blütenreichen landwirtschaftlichen Nutzflächen, vielfältigen  Fruchtfolgen, Mischkulturen und dem Einsatz von Nützlingen,
  • die Förderung des Biotopverbundes durch das Wiederherstellen und die Schaffung insektenfreundlicher Lebensräume,
  • den Erhalt wertvoller Grünflächen in den Stadtteilen,
  • einen konsequenten Schutz von vorhandenen Lebensräumen für Bienen und Wildbienen,
  • die Begrünung von öffentlichen Flächen wie Parks und Verkehrsinseln mit insektenfreundlichen Blumen und schmetterlings- und raupenfreundlichen Futterpflanzen,
  • das Schaffen von Wildblumenwiesen, Streuobstwiesen und Blühstreifen mit heimischen, bienenfreundlichen Wildstauden, die das Nahrungsangebot für Bienen in der Stadt verbessern,
  • die Schaffung von kleinen Baum-Grünräumen in den jeweiligen Stadtteilen,
  • darauf hinzuwirken, dass auch im privaten Bereich verstärkt insektenfreundliche, heimische und robuste, an die urbanen Herausforderungen angepasste Bäume und Pflanzen angepflanzt werden,
  • die Bepflanzung der kommunalen Friedhöfe mit insektenfreundlichen Blumen und schmetterlings- und raupenfreundlichen Futterpflanzen,
  • eine Aufklärungskampagne über das insektenfreundliche Gärtnern und die positiven Auswirkungen von insektenfreundlichen Bäumen und Pflanzen für private Gärten,
  • die Förderung geeigneter sog. „Insektenhotels“ auf öffentlichen Flächen und in Privatgärten,
  • die weitere Förderung von Urban-Gardening,
  • bei Gewerbetreibenden mit ungenutzten großen Flächen dafür zu werben, diese insektenfreundlich zu bepflanzen und dafür zu sorgen, dass ImkerInnen beratend zur Seite gestellt werden,
  • Gespräche mit Gewerbebetrieben zu suchen, um zu klären, wie ungenutzte Gewerbe-Flächen auch Menschen zur Verfügung gestellt werden können, die imkern möchten, aber selber keine nötigen Flächen besitzen.

    (1) http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809
    (2) https://www.nature.com/articles/s41598-017-14660-x


    Bremen, 16. März 2018

Zuständige Abgeordnete