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Kunst und Kultur

Kunst und Kultur gehören zu den unverzichtbaren Fundamenten des menschlichen Lebens. Kunst setzt sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander, reflektiert Veränderungen und vermag kreativ in den gesellschaftlichen Wandel einzugreifen. Sie hat besondere Bedeutung für den Bereich der Bildung - insbesondere auch der Kinder und Jugendlichen - und für demokratische und gesellschaftliche Teilhabe. Die kulturelle Vielfalt trägt entscheidend zur urbanen Lebensqualität in Bremen bei und gehört zu den innovativen Bausteinen des Strukturwandels. Die Beschäftigung mit Kunst und Kultur wirkt in vielerlei Hinsicht inspirierend, bringt Erkenntnisse über die eigene Identität und schafft Grundlagen für Offenheit, Toleranz und Kreativität. Kultur prägt Werte, befördert Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit und bildet damit Schlüsselqualifikationen für lebenslanges Lernen und für den Zusammenhalt des Stadtlebens auch vor dem Hintergrund der Herausforderungen des demografischen Wandels, globalisierter Kommunikation und interkultureller Lebensformen. Kunst liefert Denkanstöße für Bildung und Wissenschaft, Stadtentwicklung und Wirtschaft.

Das bedeutet für die Grünen nicht nur, die Existenz der Kultureinrichtungen und -projekte zu sichern und verlässlich zu fördern. Das heißt auch, dass die Künste und Kulturen viel mehr BürgerInnen und vor allem den jungen Menschen erlebbar und nutzbar gemacht werden müssen. Kunst und Kultur sind wichtige Angebote an alle – nicht nur in ihrem Konsum, auch in Praxis und Auseinandersetzung.

Bunte Kulturlandschaft [Quelle: ©iStockphoto.com/rzeszutek]

   
Kunst und Kultur benötigen Freiräume, in denen sie sich entfalten können. Wir wollen Einrichtungen und Projekten Planungssicherheit geben. Bei der finanziellen Förderung haben für uns jene Einrichtungen und Projekte, die das Stadtleben und Kulturlandschaft prägen, Vorrang vor kurzlebigen Events und kommerziell zu bewerkstelligenden Angeboten.

Bremen unterhält ein vielfältiges Kulturangebot und touristische Attraktionen, die gerade auch auswärtige BesucherInnen nutzen. Wir führen zum 1.4.2012 eine Tourismusabgabe ('City-Tax') ein, um zusätzliche Projektmittel für die Kultur zu generieren.

Wir setzen uns dafür ein, dass Kunst und Kultur vom Kindergarten und den ersten Schuljahren an eine wichtige Rolle spielen. Kulturelle Bildung vermittelt Schlüsselkompetenzen. Musik, Kunst, Theater und die Vermittlung von Medienkompetenz sollen einen größeren Unterrichtsanteil ausmachen. Kreative und Kultureinrichtungen sollen hierzu Angebote entwickeln Wir wollen Modellprojekte und Patenschaften zwischen Ganztagsschulen und Kulturschaffenden und -einrichtungen vorantreiben. Kunst und Kultur können eine Brücke sein zwischen den Menschen aus verschiedenen Ländern in unseren Städten. Wir freuen uns über den Wert dieser Vielfalt der Kulturen und wollen den interkulturellen Dialog verstärken.

Es gilt, sich sowohl aus städtischer Sicht als auch aus Sicht der Kultureinrichtungen und der Kulturschaffenden gesellschaftlichen Veränderungen zu stellen und neue Wege zu beschreiten. „Altes“ muss sich verändern und „Neues“ muss in einer sich wandelnden Gesellschaft Räume und Ressourcen erobern können. Gerade auch zeitlich befristete Projekte können erhebliche Impulse für Kultur- und Stadtentwicklung geben, ohne institutionalisiert werden zu müssen. Ganz besonders betrifft das temporäre Zwischennutzungen leer stehender Gebäude oder Flächen, Projekte der Popkultur und der Netzkultur sowie der zeitgenössischen Soziokultur, die die Stadtentwicklung sowie die kulturelle und politische Bildung insgesamt stützen. Solche Projekte wollen wir vorrangig fördern. Wir Grünen setzen uns daher auch für eine ressortübergreifende Kulturpolitik ein. Künstler und Kreative sind für uns beim Umbau der Gesellschaft und der Erneuerung Bremens als Impulsgeber und Seismografen wichtige Berater, Begleiter und Vermittler in demokratischen und politischen Prozessen.

Für die kulturelle Bildung brauchen wir auch eine leistungsstarke Volkshochschule, gut ausgestattete Bibliotheken und zeitgemäße Bürgermedien. Die Stadtbibliotheken sollten möglichst oft auch sonntags öffnen dürfen. Mit der Sonntagsöffnung der Bibliothek wollen wir auch jene Menschen und Familien erreichen, die sie sonst aufgrund ihrer Arbeitszeiten kaum nutzen können.

Kreativbranchen wie Kultur und Medien, Design, Software-Entwicklung, Markting, Veranstaltungswesen und Freizeitwirtschaft sind ein bedeutender Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung und Impulsgeber für andere Wirtschaftszweige. Wir wollen das Potenzial der hiesigen Kultur- und Kreativwirtschaft zielgenau unterstützen und ihr Potenzial besser nutzen. Zwischen der öffentlich geförderten Kultur und diesen Branchen bestehen und entwickeln sich zunehmend Querverbindungen. Mit beiden Seiten wollen wir verstärkt Kultur-, Stadt- und Wirtschaftsentwicklung diskutieren und ressortübergreifend die bestehenden Förderstrategien überprüfen und weiter entwickeln. Gerade auch Existenzgründerinnen und Existenzgründer sollen verbindlich gefördert werden.

Das soziale „Kulturticket“ (mehr Infos hier: Kulturticket) soll weiter entwickelt und vereinfacht werden, um allen Bremern und Bremerinnen soziale und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Daher begrüßen und prüfen wir auch die Idee von „Kultur-Flatrates“ und freie Museumseintritte für Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten sowie Auszubildende, die in Kombiangeboten der Einrichtungen, privaten Patenschaftsmodellen oder Kooperationsvereinbarungen zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen jungen Menschen den Zugang zu Kultur erleichtern.

Bei vielen Kunstwerken ist unklar, ob sie in der Nazi-Zeit unrechtmäßig in Bremer Museen gelangt sind. Daher können auf die Museen Restitutionsansprüche von AlteigentümerInnen zukommen. Das Bremer Gemeinwesen muss sich seiner historischen Verantwortung stellen. Deshalb werben wir im konkreten Fall darum, gemeinsam mit BürgerInnen, Unternehmen und MäzenInnen finanzielle Mittel für den Ankauf unrechtmäßig angeeigneter Werke bereitzustellen - natürlich nur, wenn die AlteigentümerInnen das statt einer Rückgabe wollen.