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Nicht als Problem, sondern als gesellschaftlichen Wert betrachten wir die Vielfalt in unserem Land. Die Gesellschaft lässt sich nicht mehr aufteilen in „Wir“ und „die Anderen“. Für uns alle, die wir hier leben, gleichgültig, woher wir kommen, welche Farbe unsere Augen haben oder zu welchem Gott wir beten, ist dies unsere Heimat. Das gilt natürlich besonders für die jungen Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind. Wir alle erwarten die gleichen Chancen: zum Lernen, zum Arbeiten, zum Leben, zum Glücklichsein.
Vielfalt ist eine Errungenschaft der Demokratie. Gerade wir in Deutschland angesichts unserer historischen Erfahrungen mit Gesellschaftssystemen, die auf einen staatlich verordneten Menschentyp aufbauten und Diversität verfolgten, sollten uns dessen bewusst sein. Ohne Vielfalt ist die Gesellschaft statisch und verliert ihre Kreativität. Kaum eine Entwicklung hat dieses Land seit 1945 so grundlegend verändert wie die verschiedenen Phasen der Migration, von den Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs bis zu den Menschen mit Migrationshintergrund heute, auch wenn lange versucht wurde, dies zu verdrängen.
Allzu sehr und allzu lange hat sich die Integrationspolitik in Deutschland noch an dem Dualismus des „Wir“ und „die Anderen“ orientiert. Für die einen hieß Integration, dass sich „die Anderen“ anpassen müssten. Für die anderen war es ein „beiderseitiger Prozess“, der in der Realität aber häufig neue Konflikte aufwarf und noch aufwirft. Konkurrenz entstand um Ansprüche der Teilhabe, um Zuordnung von Stellenwerten im gesellschaftlichen Prozess, in der Bildung, auf dem Arbeitsmarkt. Kampf um Ressourcen. Wir brauchen einen neuen Grundansatz, der von vornherein die Zusammengehörigkeit in den Vordergrund rückt. Das ist Vielfalt - Diversity!
Wir wollen die Vielfalt nicht sich selbst überlassen, sondern sie gestalten. Integrationspolitische Konzepte müssen um ein Diversity Mainstreaming erweitert werden, die Akzeptanz und positive Einbeziehung der gesellschaftlichen Vielfalt in jedem Lebensbereich. Frühkindliche Spracherziehung heißt gleichzeitig Förderung der Erstsprache (Muttersprache). Bildungsreform heißt Anpassung an die kulturelle Heterogenität in den Klassenzimmern. Sozialpolitik heißt Abreißen der Barrieren für alle ausgegrenzten Gruppen. Gleichstellungspolitik heißt Kampf gegen jegliche Diskriminierung, gleich unter welchem Vorwand. Arbeitsmarktpolitik heißt Aufgeben von Besitzständen und Erbhöfen, heißt gleiche Chancen für alle.