

Die Gleichstellung von Frauen und Männern steht zwar in der Verfassung, erreicht ist sie aber längst nicht. Immer noch sind Frauen von Gleichberechtigung beispielsweise im Berufsleben weit entfernt – sie verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen und werden bei Spitzenpositionen nach wie vor seltener berücksichtigt als ihre männlichen Mitbewerber. Verwunderlich ist das schon allein vor dem Hintergrund, dass Mädchen im Durchschnitt bessere Abschlüsse erreichen als Jungen. Mit grüner Regierungsbeteiligung kommen endlich auch Frauen verstärkt zum Zuge. Viele Spitzenpositionen in der Bremer Verwaltung und Gesellschaften sind inzwischen mit Frauen besetzt worden. Wir werden eine Bundesratsinitiative starten, um auch in Unternehmen die Gleichstellung voranzutreiben.
![Wissenschaftlerin am Parabolrinnenkollektor [Quelle: BMU/wiminno] Wissenschaftlerin am Parabolrinnenkollektor [Quelle: BMU/wiminno]](../../../media/69/69529.wissenschaftlerin_am_parabolrinnenkollek.jpg)
Die Grünen verstehen Gleichstellungspolitik als Querschnittsaufgabe. Um die nach wie vor bestehenden strukturellen Benachteiligungen von Frauen und Mädchen abzubauen, werden wir eine Politik machen, die ihre gleichberechtigte gesellschaftliche und ökonomische Teilhabe gewährleistet. Dazu gehört unter anderem, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den massiven Ausbau der Kinderbetreuungsangebote in Bremen zu verbessern. Aber auch in den Unternehmen muss angesichts des demographischen Wandels ein Umdenken erfolgen: Wir befürworten die Einrichtung von Betriebskindergärten ebenso wie familienfreundliche Strukturen am Arbeitsplatz – von Teilzeitangeboten für beide Elternteile bis zur flexibel von beiden Elternteilen in Anspruch zu nehmenden Elternzeit.
Die wirtschaftliche Unabhängigkeit und soziale Absicherung von Frauen stehen für die Grünen im Vordergrund. Ziel ist es, eine eigene Existenzsicherung für Frauen zu erreichen. Wir setzen uns für zielgerichtete Arbeitsmarktprogramme ein, die Frauen beispielsweise nach einer längeren Familienpause den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Frauen, die sich mit einer Idee und dem dazugehörigen Mut selbstständig machen wollen, unterstützen wir mit speziellen Angeboten für Existenzgründerinnen.
Gewalt gegen Frauen bekämpfen die Grünen konsequent. In jeder vierten Partnerschaft sind Frauen das Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt, wie eine Studie der Bundesregierung belegt. Auch in Bremen muss die Polizei laut Statistik täglich Wohnungsverweise gegen Männer verhängen, die ihre Frauen schlagen. Und das ist nur Spitze des Eisberges, weil viele von Gewalt betroffene oder sexuell missbrauchte Frauen und Mädchen sich zu sehr schämen, um Hilfe zu holen. Auch in Zeiten knapper Kassen brauchen Mädchen und Frauen besondere Zufluchtsmöglichkeiten. Wir werden uns deshalb mit aller Kraft dafür einsetzen, die Frauenhäuser zu erhalten. Ebenso muss die Beratungsstelle für die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution durch öffentliche Zuschüsse gesichert bleiben.
Bei Frauengesundheitsprojekten hat Bremen eine Vorreiterrolle eingenommen. Die knappen Mittel zwingen dazu, die Arbeit auf drängende Problemfelder zu konzentrieren, um beispielsweise Migrantinnen den Zugang zum Regelversorgungssystem zu ermöglichen. Psychisch kranke sowie abhängige Frauen und Mädchen benötigen passgenaue Therapien. Darauf sollen ambulante und stationäre Versorgungsangebote ausgerichtet werden. Verbesserungen wollen wir zudem bei niedrigschwelligen Beratungs- und Behandlungsangeboten für Mädchen und Frauen mit Essstörungen erreichen, zumal Magersucht bei Mädchen die Krankheit mit der höchsten Sterberate ist. Die Beratungsangebote für und von Frauen sollen Bestand haben.
Regierung, Verwaltung und Bremische Gesellschaften haben bei der Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann eine VorreiterInnen-Rolle. Inwischen sind auch die Bremischen Gesellschaften u.a. dazu verpflichtet, Frauenförderpläne zu erstellen, bei gleicher Eignung bevorzugt Bewerberinnen einzustellen und ihre Ausbildungsplätze der Geschlechterquotierung des öffentlichen Dienstes entsprechend zu vergeben.
Auch Unternehmen sollen mit einem Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft verpflichtet werden, Frauen stärker zu fördern und bestehende Nachteile im Berufsleben abzubauen. Bremen unternimmt dafür einen Vorstoß im Bundesrat. So soll in Aufsichtsräten eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt werden. Außerdem sollen sich die Unternehmen verpflichten, Programme zu entwickeln, mit denen Frauen gleiche Chancen wie Männer erhalten. Dazu gehört auch der gleiche Lohn für gleichwertige Arbeit. Nicht zuletzt sollen die Betriebe familiengerechte Arbeitsbedingungen schaffen. Insbesondere Arbeitszeiten und Präsenzpflichten sollen an die Erfordernisse von Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen angepasst werden.
Zur Schaffung tatsächlich gleicher Chancen für Frauen und Männer haben wir außerdem das Gender Mainstreaming in den Verwaltungen des Landes Bremen eingeführt. Das bedeutet, die Verwaltungen sind zum geschlechtergerechten Handeln verpflichtet. Sie müssen darauf achten, dass sich ihre Maßnahmen nicht zum Nachteil eines Geschlechts auswirken. Damit wird die Geschlechterperspektive in alle Entscheidungsprozesse integriert. Dem dient auch das Gender Budgeting. Mit diesem haushaltspolitischen Kontrollinstrument kann erfasst werden, ob öffentliche Mittel so eingesetzt werden, dass sie Frauen und Männern gleichermaßen zugute kommen.