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Ausstellung vom 22.1. bis 23.3. 1998
Ahmad Motiees Werke sind durch eine ausgeprägte Farbigkeit, Harmonie und Phantasie gekennzeichnet. Seine Gemälde entstehen wie in der Abfolge der Zeit, wobei seine Gedanken und Phantasie das Geschehen des Bildes prägen und Geschichten entstehen lassen. Seine Bilder erzählen viele Geschichten, sie sind wie ein Buch aufgebaut. Die Harmonie der kräftigen Farbgestaltung bezieht sich dabei auf das Gleichgewicht der Natur. Dagegen zeigen düstere Farben die Zerstörung an.
Bei seinen Zeichnungen ritzt er ohne Farbe in leichte Pappe. Es entsteht eine plastische Struktur, die anstatt der Farbe herausgearbeitet wird. Die Darstellung ist eher fühlbar statt sichtbar. Durch den mehr oder weniger dezenten Einsatz von Farbe entstehen die Landschaften und Geschichten sichtbar erst im Nachhinein auf dem Papier. Vergleichbar dem Linolschnitt bleiben die Linien, das heißt die eigentliche Zeichnung von der Farbe ausgespart.
Bei der Keramik von Ahmad Motiee handelt es sich um die alte Fayence-Technik, deren Geschichte im 9. Jahrhundert in Bagdad begann und später zwar ganz Europa bereicherte, aber stets funktionalen Ansprüchen untergeordnet war. Als künstlerisches Objekt zum Selbstzweck ist sie seit Picasso und Miró in Vergessenheit geraten. Dem lichten, heiteren und farbenfrohen Charakter der Fayence ist in den Arbeiten von Ahmad Motiee sehr schön nachzuspüren, der zudem verbunden wird mit der Verspieltheit der Arbeiten von Niki de Saint Phalle. Die Malerei wird mit schnellen Strichen direkt auf den lasierten Ton gesetzt, und auf der sahnig glänzenden weißen Zinnglasur erscheint die Leuchtkraft der Farben. Malerische Grundstrukturen werden dabei plastisch aus dem Ton herausgearbeitet, wodurch sehr anmutige und lebendige Phantasieformen entstehen.
Verbindendes Element in seiner Malerei ist die Kalligraphie, die persische Schönschreibkunst. Die Schriftzüge werden zu autonomen Formen, sie verändern sich und werden zu Strukturen des Bildes. Die Kalligraphie stellt die Verbindungslinie zwischen Orient und Okzident, zwischen seinen Gedanken und der Malerei dar; sie leitet die Phantasie.
Ahmad Motiee verbindet in seinen Arbeiten die westliche Freiheit mit der östlichen Tradition, Orient und Okzident oder westliche und östliche Kunst. Tradition erscheint dabei nicht als verstaubte Hinterlassenschaft, als einengende Doktrin, sondern als ästhetisches und ethisches Gerüst der Gesellschaft. Es geht um das heutige Verhältnis, die heutige Gesellschaft, bezieht aber die Tradition mit ein.
So setzt er sich in seinen Werken auch mit der eigenen Erfahrung des Krieges auseinander, des Krieges, der alles zerstört: die Menschen, die Tiere, die Kultur, die Natur - alles, was schön ist. Doch die Menschen suchen Freiheit, Frieden und das Schöne. So setzt Ahmad dem Krieg die Natur, die Landschaft entgegen - die Naturschönheit, die unzerstörte Landschaft als Protest gegen den Krieg.
Dies hält ihn nicht davon ab, die Zerstörung der Natur durch die Gesellschaft, die Umweltzerstörung malerisch zu thematisieren. Er zeigt die Zerbrechlichkeit der Natur.
Dr. Anne Thurmann-Jajes