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Ausstellung vom 8.5. bis 23.7. 1998
Sirma Kekeç setzt sich in ihren Werken mit der Natur, mit vorgefundenen Gegebenheiten und Gegenständen auseinander. Ihren Kunstwerken liegen so vier wesentliche Aspekte zugrunde: zufällig gefundene Gegenstände oder vorgefundene Situationen – Malerei, Radierung und Installationen als künstlerischer Akt der Transformation – die Fotografie als Medium der Erinnerung – als Fazit eine Dokumentation, die alte und neue Geschichten erzählt.
Die landschaftliche Schönheit eines Dorfes in Portugal, einer intakten harmonischen Dorfgemeinschaft, eingebunden in traditionelle Bezüge, hielt sie direkt vor Ort zwischen Weinreben auf der Radierplatte fest. Die Ätzradierungen entstanden auf einer kleinen alten improvisierten Radierpresse. Anders reagierte sie auf die Zerstörung von Naturschönheit.
Am Strand eines Touristenortes sammelte sie Labels, ausgeschnitten aus alten angespülten Plastikbehältern, und befestigte sie auf Zäunen. Durch ihre eigene Farbigkeit und Gestaltung erschienen die Labels wie „künstlerische Meeresfrüchte“ – die erst bei genauerem Hinsehen den ehemalig umweltschädigenden Inhalt erahnen ließen. Die Darstellung dieser Arbeit sind Erinnerungsfotos, die den Zustand eines vergänglichen Kunstwerks vor Ort repräsentieren. Seine Bedeutung und Ästhetik ist an den Entstehungsort gebunden. Die Fotografien sind künstlerischer Ausdruck und Anklage zugleich. Fasziniert hat Sirma die Schönheit der Plastik-Farben und ihr Schimmern in der Sonne – die politische Aussage kam später von alleine.
Material, Form und Farbe spielen bei allen ihren Fundstücken eine große Rolle, seien es Bierdeckel, alte Zeitungen, Fotos, Schallplatten oder Schaumstoff-Kacheln. „Ich nehme die Dinge aus dem Zusammenhang und ordne sie neu, transformiere sie, wodurch sie eine neue Aussage erhalten“, beschreibt sie ihre Methode.
So hat Sirma Kekeç auch den Abriß des China-Restaurants am Hauptbahnhof fotografisch festgehalten. Neben dem Café Ambiente war es eines der letzten Bremer Bauwerke von Ottilie Hoffmann. Die Fotografien dienten als Vorlage für das Flachdruckverfahren. Die entstandenen Schwarz/Weiß-Drucke, die sie zu einem Buch zusammenfaßte, sind eine künstlerische und historische Dokumentation des Gebäudes. Verkehrte Welt – wenn alte vertraute Bauwerke einer monotonen Einheitsarchitektur weichen, wenn Schönes Verderben bringt.
Fotografien zur Erinnerung oder Dokumentation wie bei den Künstlern Richard Long oder Daniel Buren und die Herausarbeitung von historischen Zusammenhängen wie bei Hans Haacke verbindet Sirma Kekeç auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten.
Es ist eine Kunst, die authentisch in den Ursprüngen und universell im Verständnis ist. Sie mahnt das an, was in der lebendigen Tradition einer Gemeinschaft wurzelt und schafft eine künstlerische Dokumentation unserer Kultur.
Dr. Anne Thurmann-Jajes