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Interview

1. Februar 2012

Mehr Ganztagsschulen im Grundschulbereich

GrundschülerInnen [Quelle: iStockphoto.com]

 

Die Koalition hat sich auf das Vorgehen beim weiteren Ausbau des ganztägigen Lernens geeinigt: Neben vier gebundenen Ganztagsschulen mit verpflichtendem Nachmittagsangebot in den nächsten zwei Jahren starten zum kommenden Schuljahr neun weitere Schulen als offene Ganztagsschulen mit freiwilligem Nachmittagsangebot. An den jeweiligen Schulen werden so viele Plätze im Ganztag angeboten, wie es Bewerbungen gibt. Damit ist eine Begrenzung auf nur ein Drittel der Kinder, wie ursprünglich geplant, vom Tisch. Zudem bleiben alle Horte bestehen, um auch die Früh- und Spätbetreuung sicherzustellen. Im Interview erläutert die bildungspolitische Sprecherin Sülmez Dogan, warum die Grünen der flächendeckenden Einführung von offenen Ganztagsschulen, die auf nur ein Drittel der Schüler begrenzt sein sollten, nicht zugestimmt haben und worauf es aus grüner Sicht beim ganztägigen Lernen ankommt.

Welche inhaltlichen Vorbehalte haben die Grünen gegen die flächendeckende Einführung von offenen Ganztagsschulen?

Sülmez DoganSülmez Dogan: Die offene Ganztagsschule unterscheidet sich von der gebundenen Schule darin, dass hier nur ein Teil der Schülerinnen und Schüler am ganztägigen Unterricht teilnimmt. Die Fachleute sind sich aber darin einig, dass nur die gebundene Ganztagsschule, an der alle Kinder gemeinsam und verbindlich bis in den Nachmittag hinein unterrichtet werden, ein pädagogisches Gesamtkonzept ermöglicht, das am erfolgversprechendsten den engen Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen überwinden kann. Für uns Grüne zählt vor allem die Qualität. Daher bevorzugen wir grundsätzlich das gebundene Modell. Auch die neuen offenen Ganztagsschulen dürfen nicht zu „Ganztagsschulen light“ werden. Daher wollen wir im Herbst noch einmal überprüfen, wie die Schulen arbeiten und uns mit der Senatorin und der SPD über das weitere Vorgehen verständigen.

Nun gibt es auch Schulen und Eltern, die offene Ganztagsschulen werden wollten und es zum neuen Schuljahr nicht werden. Was sagen die Grünen jenen, die jetzt enttäuscht sind?

Wir Grünen machen uns dafür stark, dass es in den nächsten Jahren weitere Ganztagsschulen gibt, zunächst im Grundschulbereich. Dabei gilt es aber gleichermaßen, die bestehenden Ganztagsschulen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Immer wieder hören wir aus den Schulen und von den Eltern, dass es wichtiger ist, dass die Ganztagsschulen gute Arbeit leisten und entsprechend ausgestattet werden, als eiligst in der Fläche neue Ganztagsschulen einzurichten. Ein Teil der Eltern benötigt außerdem deshalb einen Platz für ihr Kind, da sie berufstätig und alleinerziehend sind oder beide Elternteile arbeiten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist uns Grünen wichtig. Daher bleiben auch die bestehenden Hortplätze erhalten. Auch über eine Früh- und Spätbetreuung und eine Betreuung während der Ferienzeit für die Kinder an den Ganztagsschulen haben wir uns mit unserem Koalitionspartner geeinigt. Durch die Einrichtung von weiteren elf Ganztagsschulen im kommenden Schuljahr und das Aufrechterhalten des bestehenden Hortangebotes kommen wir den Schulen und Eltern in ihren berechtigten Forderungen entgegen.

Welches Konzept haben die Grünen, um ganztägiges Lernen unter den Bedingungen der Haushaltsnotlage zu verbessern?

Uns Grünen ist sehr wichtig, dass die bestehenden Schulen finanziell gut ausgestattet sind und die eingesetzten Mittel auch bei den Kindern ankommen. Bremen muss als Haushaltsnotlageland genau schauen, wo welches Geld wie eingesetzt wird. Dabei hat die Koalition einen Schwerpunkt auf den Bildungsbereich gelegt. Wir wollen auch in Zukunft weitere Ganztagsschulen, dabei kommt es uns aber auf die Qualität an. Mit dem Koalitionspartner haben wir uns darauf verständigt, im Herbst die weiteren Schwerpunkte in diesem Bereich festzulegen. Dazu gehört aus grüner Sicht aber auch die Frage verbindlicher pädagogischer und konzeptioneller Standards für die Schulen dazu. Sollte es notwendig sein, hier noch nachzusteuern, werden wir uns dafür stark machen. In einem ersten Schritt werden wir die Senatorin bitten, eine Ganztagsschulverordnung vorzulegen, in der diese Standards für die offenen und die gebundenen Ganztagsschulen für alle Schulen formuliert sind.

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