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Der Klimawandel wird in den nächsten Jahrzehnten auch im Nordwesten das Leben verändern. In 30 bis 40 Jahren gehören hier wärmere Winter mit viel Regen, staubtrockene Sommer, starke Stürme und ein steigender Meeresspiegel zum Alltag. Das zeigt eine Prognose, die der Wissenschaftler Stefan Wittig vom Forschungsprojekt ,Nordwest 2050‘ jetzt bei einer Veranstaltung der Grünen vorgestellt hat. Das Projekt ist eines von sieben Modellprojekten, die im Rahmen des Programms ‚Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten‘ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Das Projekt verfolgt das Ziel, in der Region die nötigen Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln.
Wie sichert man die Häfen vor zunehmenden Sturmfluten? Kann die Küstenlinie gehalten werden oder müssen für den Blanken Hans die Deiche geöffnet und vor einer zweiten Deichlinie ggf. Polderräume geschaffen werden? Was machen die Landwirte, wenn bei häufigerem Starkregen die Pflanzen zu ertrinken oder durch längere Trockenzeiten einzugehen drohen? Wie kann bei zunehmenden Hitzewellen das gesundheitliche Risiko insbesondere von älteren Menschen in den Städten begrenzt werden? Die Liste der Fragen ist lang. Antworten darauf soll das Projekt ‚Nordwest 2050‘ in den nächsten Jahren liefern.
„Wir müssen die Risiken und Chancen kennen, um den nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandel gestalten zu können. Dazu gehört die Sicherung der Küstenlinie genauso wie die Chance einer längeren Vegetationsperiode für die Landwirtschaft. Gleichzeitig ist klar, dass wir unseren Ressourcenverbrauch minimieren müssen, um den von Menschen verursachten Klimawandel möglichst gering zu halten“, betont die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen Silvia Schön. Die Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses hatte sich jüngst in Grönland aus erster Hand über den Stand des zentralen Klima-Forschungsprojektes NEEM informiert, das an Hand von Eisbohrkernen möglichst genaue Klimaszenarien entwickelt (mehr dazu hier). Daran ist auch das Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven beteiligt.
Dessen stellvertretender Direktor Prof. Heinrich Miller machte deutlich, dass der Anstieg des Treibhausgases Kohlendioxid durch Menschen verursacht ist. Während die CO2-Konzentration in der Atmosphäre über 800.000 Jahre nie höher als 200 ppm (Teilchen pro Million) war, ist seit Beginn der Industriealisierung eine deutliche Zunahme auf heute 387 ppm belegt. „Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre bedeutet global eine Erwärmung. Wenn es wärmer wird, werden die Küstenregionen die direkten Folgen des Meeresspiegel-Anstiegs spüren. In der letzten Warmzeit bis vor 120.000 Jahren war es in Grönland vier bis fünf Grad wärmer. Der globale Meeresspiegel war ca. vier Meter höher. Der Meeresspiegel-Anstieg ist für die Küstenregionen das gravierendste Problem in diesem Jahrhundert“, so Miller.