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Die Nordsee soll künftig von einer europäischen Strategie profitieren. Das fordert der Ausschuss der Regionen (AdR), die Versammlung der Regional- und Kommunalvertreter der EU. Die engere Zusammenarbeit der Anrainer soll z.B. dazu dienen, die Überfischung und Umweltverschmutzung zu verringern oder auch nachhaltig von der Ölförderung auf die Offshore-Windenergie umzustellen. Die Initiative geht zurück auf einen Bericht des Bürgerschaftsabgeordneten Hermann Kuhn, der Bremen im AdR vertritt. Er erläutert die Ziele einer Nordsee-Strategie im Interview.
Was kann das Ziel einer Nordsee-Strategie sein, die von der EU-Kommission erarbeitet werden soll?
Hermann Kuhn: Ähnlich wie das bei der Ostsee schon der Fall ist, soll die EU gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten, Regionen und Verbänden einen Aktionsplan ausarbeiten, in dem auf bestimmten Handlungsfeldern konkrete Ziele der Zusammenarbeit benannt werden. Dazu gehören beispielsweise die Bereiche Meerespolitik, Umwelt, Energie, Transport und Verkehr sowie Industrie und Wissenschaft. Es geht um eine gemeinsame Plattform der Nordsee-Anrainer, auf der die drängenden Probleme gemeinsam gelöst werden sollen.
Was heißt das konkret?
Das Meeresgebiet von Nordsee und Ärmelkanal ist das meist befahrene Seegebiet der Welt und wird außerordentlich intensiv genutzt – durch Schifffahrt, Fischerei, Öl- und Erdgasförderung, Tourismus oder auch Offshore-Energie. Die Anrainerländer stehen vor Herausforderungen, die nicht von den einzelnen Regionen oder EU-Mitgliedsstaaten allein gelöst werden können. Bei der Entwicklung der Offshore-Energie ist z.B. die Frage der Netze entscheidend, damit der Strom bei den KundInnen ankommt. Da ist es wichtig, dass die Anrainer ein gemeinsames Netz aufbauen. Ein anderes Beispiel ist die Überfischung. Da müssen wir eine gemeinsame Lösung entwickeln, um die Bestände besser zu schützen und die nachhaltige Fischerei voranzubringen. Eine Nordsee-Strategie würde da eine dauerhafte Zusammenarbeit schaffen, in der auch der wichtigste politische „Rohstoff“ wächst: gegenseitiges Vertrauen. Nicht zuletzt macht es aus der besonderen Interessenlage der Nordsee Sinn, gemeinsame Vorschläge von Gewicht in die internationale Diskussion einzubringen – etwa wenn es darum geht, die Schifffahrt und Häfen sauberer und umweltverträglicher zu machen.
Zahlreiche Fischbestände sind längst vom Aussterben bedroht, die ersten Testparks mit Offshore-Windkraftanlagen werden bereits installiert: Lassen es die drängenden Probleme zu, erst eine Strategie zu erarbeiten?
Bremen fährt mehrgleisig. Wir beteiligen uns längst an der Diskussion von Fragen, die gelöst werden müssen. Wir wollen die Probleme schon heute angehen, soweit das möglich ist. Aber für die Umsetzung wäre es hilfreich, wenn es eine gemeinsam abgestimmte Nordsee-Strategie gäbe und dafür auch bereits vorhandene Gelder gezielter genutzt werden könnten. Wir warten nicht auf die Nordsee-Strategie, die ja nicht von heute auf gleich kommt; aber wir arbeiten an ihr, damit wir morgen besser gerüstet sind, unser gemeinsames Gut Nordsee zu schützen und zu nutzen.