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Gülsen Sariergin (l.) berichtete Zahra Mohammadzadeh über Schwieirgkeiten auf dem Weg in die Selbstständigkeit.Immer mehr MigrantInnen machen sich selbstständig. Und entgegen gängiger Klischees gründen sie nicht nur Änderungsschneidereien oder Gemüsehandlungen. Ein Beispiel dafür ist Gülsen Sariergin, Betreiberin der „Nordseepflege“. Mit ihr sprach Zahra Mohammadzadeh jetzt in Bremerhaven über ihren Weg in die Selbstständigkeit.
Gülsen Sariergins Eltern kamen in den 70er Jahren aus der Türkei nach Bremerhaven. Der Vater arbeitete in einem Restaurant, während die Mutter die Kinder versorgte. Als Gülsen Sariergin ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen hatte, machte sie sich mit einem ambulanten Pflegedienst in Cuxhaven selbstständig. Da war sie gerade 20 Jahre alt. Ihren Eltern gefiel das nicht. Und ihr gefielen die Einwände ihrer Eltern nicht. So machte sie einfach weiter.
„Erst hat die Zahl der Aufträge nicht gereicht, um die Kosten zu decken. Deswegen habe ich damals in Bremerhaven einen Imbiss eröffnet. Der lief so gut, dass weitere Stände in der Region dazu kamen. Damit konnte ich den Pflegedienst am Laufen halten“, berichtete die Unternehmerin.
Als sie eines Tages in der Bremerhavener Innenstadt eine Baulücke entdeckte, fasste sie den Plan, an jener Stelle ein eigenes Pflegeheim zu bauen. Die Finanzierung gestaltete sich schwierig. Nach zähen Verhandlungen willigten die Geldgeber schließlich ein. 2001 konnte Gülsen Sariergin dann die „Nordseepflege“ eröffnen.
„Hilfe habe ich selten bekommen. Ich habe gelernt, gegen Widerstände zu kämpfen. So konnte ich mir meinen Traum vom eigenen Pflegedienst erfüllen“, berichtete die 31-Jährige, die inzwischen eine Vielzahl von Einrichtungen mit etwa 120 MitarbeiterInnen erfolgreich betreibt. Die Imbisswagen hat Gülsen Sariergin inzwischen verkauft. „Pflegedienst und Imbiss – das wäre dann doch des Guten zu viel“, sagte die Unternehmerin augenzwinkernd.
„Bremen kann es sich nicht leisten, auf die vielen wirtschaftlichen Initiativen und großen Potenziale seiner MigrantInnen zu verzichten“, so Zahra Mohammadzadeh. „Wir Grüne wünschen uns noch mehr MigrantInnen, die – wie Gülsen Sariergin – den Weg in die Selbstständigkeit suchen.“ Gleichzeitig sprach sich die grüne Abgeordnete für eine noch bessere Förderung und Beratung für migrantische UnternehmerInnen aus. In diesem Bereich der Wirtschaft bestehen hohe Kontaktbarrieren, große Beratungsbedarfe und Informationsdefizite, wie aktuelle Studien zur Gründungstätigkeit der MigrantInnen zeigen.
Zahra Mohammadzadeh: „Wir müssen darüber nachdenken, wie migrantische UnternehmerInnen noch besser erreicht werden können, um sie über die bestehenden Möglichkeiten der Gründungsförderung und der praxisnahen Qualifikationsangebote in Betriebswirtschaft und Gewerberecht zu informieren. Andernfalls bleiben zu viele Potenziale in unserer Stadt ungenutzt“, so die Abgeordnete.