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Bericht

18. Februar 2010

Afrikanische MigrantInnen: „Wir brauchen Unterstützung, kein Mitleid!“

Afrikanische MigrantInnen wollen stärker berücksichtigt werden

Afrikanische MigrantInnen diskutieren mit Zahra Mohammadzadeh (Bildmitte)

   
Mit welchen besonderen Integrationsproblemen müssen sich die afrikanischen MigrantInnen in Bremen auseinandersetzten? Das wollte die migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Zahra Mohammadzadeh, jüngst in Erfahrung bringen und lud deshalb MigrantInnen afrikanischer Herkunft zum Gespräch in das grüne Fraktionsbüro an der Schlachte ein.

16 Frauen und Männer, die aus schwarzafrikanischen Ländern wie Kamerun, Togo, der Elfenbeinküste und dem Senegal stammen, waren der Einladung gefolgt, um ihren Anliegen verstärkt Gehör zu verschaffen. Denn während die zahlenmäßig stark vertretenen Gruppen der türkischstämmigen MigrantInnen oder Spätaussiedler ihre Interessen in die bremische Integrationspolitik einbringen, bemühen sich die AfrikanerInnen noch um Anerkennung in der MItte der Gesellschaft.

Im Fokus des dreistündigen Treffens standen vor allem zwei Themen: Bildung und Ausgrenzung im Alltag. Alle Teilnehmenden blicken auf unterschiedliche Aufenthaltszeiten in Deutschland zurück und sie leben in verschiedenen Stadtteilen Bremens. Was viele von ihnen aber eint, ist die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder, denn die meisten sind Eltern von Schülerinnen und Schülern.

VertreterInnen der bunt gemischten Gruppe aus StudentInnen, Arbeitsuchenden, AkademikerInnen und Flüchtlingen berichteten von Projekten, in denen sie mitwirken. Besonders die Studierenden unterstrichen dabei die Notwendigkeit, Nachhilfe-Angebote für Kinder und Jugendliche zu verbessern. Auch der Einsatz von Mediatoren, die zwischen Eltern und Schule vermitteln, wurde vorgeschlagen. Nicht wenige Studentinnen und Studenten wären bereit, selbst als Mediatoren aktiv zu werden. Allerdings sei dazu die Unterstützung der Schulbehörde erforderlich, um die nötige Akzeptanz durch die Schule zu erreichen. „Gegenüber anderen MigrantInnengruppen haben wir in dieser Hinsicht noch einiges nachzuholen“, so die Meinung eines Vater.

Ob hier oder in Afrika geboren, die meisten afrikanischen Kinder hätten in der Schule einen schweren Stand, so die einhellige Meinung. Das Schulsystem sei für die Eltern nicht leicht zu verstehen, die Auseinandersetzung mit den Lehrkräften zuweilen sehr schwierig. Die Eltern fühlten sich vom Schulpersonal nicht ernst genommen. Deshalb gäbe es Probleme, AnsprechpartnerInnen zu finden, mit denen Gespräche „auf Augenhöhe“ möglich seien. Dies wiederum führe zu Spannungen zwischen Eltern und Kindern, so die überwiegende Meinung der TeilnehmerInnen.

Auch das in der Schule vorherrschende undifferenzierte Afrikabild bleibt nach Ansicht der Eltern nicht ohne Folgen für die Kinder. „Wir brauchen Unterstützung, kein Mitleid“, spitzte ein Gesprächsteilnehmer die Kritik zu.

Auch Selbstkritik wurde in der Gruppe deutlich geäußert. So bemängelten Einige die Probleme, die afrikanische Herkunftsgruppen mit der Zusammenarbeit untereinander hätten. Diese Auseinandersetzungen behinderten die Bemühungen Aller, für MigrantInnen mit afrikanischem Hintergrund einen Platz in der Gesellschaft mit allen zugehörigen Rechten und Pflichten zu erlangen. Wichtigstes Mittel, um Ausgrenzung zu überwinden, sei die Sprachkompetenz. Nur so könne man schließlich mit den Einheimischen kommunizieren. Ungeachtet dessen, könnte das deutsche Bildungssystem aber weitaus mehr zum Kenntnisstand der deutschen Gesellschaft über afrikanische Kultur und Lebensweise beitragen als das bisher der Fall sei. 

„Wir Grünen nehmen die geäußerten Probleme einschließlich der Kritik sehr ernst“, erklärte Zahra Mohammadzadeh abschließend. „Was gebraucht wird, sind maßgeschneiderte, zielgruppengerichtete Integrationsprojekte für MigrantInnen mit afrikanischem Hintergrund in den Bereichen Bildung, Qualifizierung und Ausbildung. Um die Situation der afrikanischen MigrantInnen durch konkrete Teilhabe zu verbessern, müssen wir gemeinsam an den politischen Rahmenbedingungen arbeiten. Und die in Bremen lebenden AfrikanerInnen müssen aktiviert und motiviert werden, dabei mitzuwirken“, so Zahra Mohammadzadeh.

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