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Blendet Bremen die Probleme Bremerhavens aus? Müsste Bremen Bremerhaven vielleicht an die „Kandare“ nehmen? Wäre das Land Bremen ohne Bremerhaven überhaupt überlebensfähig? SpitzenvertreterInnen aus Wirtschaft, Medien und Politik gaben am Dienstagabend im Bremerhavener Klimahaus Antworten auf diese Fragen.
Auf Einladung der Grünen Bürgerschaftsfraktion verfolgten weit über 100 Menschen eine Debatte, die das Potenzial für hitzige Auseinandersetzungen hatte. Dass es dann doch sachlich aber mit viel Humor zuging, lag vor allem am ernsthaften Interesse der TeilnehmerInnen, ausgetretene Klischees nicht über die Maßen zu strapazieren.
Handelskammerpräsident Lutz H. Peper, der einst behauptete, jedes Schlagloch in Bremen habe seinen Ursprung in Bremerhaven, zeigte sich kritisch, was den knappen Investitionshaushalt anging. Davon würde Bremerhaven mehr profitieren als Bremen. Ferner müsse darüber geredet werden, ob Bremerhaven wirklich zwei Hochschulen brauche. Als Missgunst wolle er seine Anmerkungen jedoch nicht verstanden wissen. Die besonderen Probleme der Seestadt erforderten schließlich erhebliche finanzielle Anstrengungen.
Auch Claus Brüggemann, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven, machte klar, dass ihm an einer Neiddebatte nicht gelegen sei. Er würde sich aber freuen, wenn die Bremer mit Stolz auf das blicken würden, was sich in den letzten Jahren Positives in Bremerhaven getan habe.
Als Zugereister habe er einen anderen Blick auf das Verhältnis der beiden Städte, erklärte Lars Haider, Chefredakteur des Weser-Kuriers. „Außenstehende sagen: Das Land hat größere Probleme, als den Streit zwischen beiden Städten“, so Haider. Eigentlich seien die BremerInnen aber doch ganz stolz auf die Seestadt.
Ähnlich sah das sein Kollege Jost Lübben, Chefredakteur der Nordsee-Zeitung: „Die Bremer sind zunehmend zufrieden mit dem, was hier zum Beispiel mit der Ansiedlung der Windenergiebranche oder den Havenwelten geschaffen wurde.“ Auf der anderen Seite würden die Bremerhavener ganz genau wissen, was sie an Bremen hätten: „Den Menschen ist auch klar, dass es Bremerhaven außerhalb des Landes Bremen sehr schwer haben würde“, so Lübben.
Oberbürgermeister Jörg Schulz räumte ein, dass die Landeshauptstadt immer „die Klagemauer für Bremerhaven“ gewesen sei. Gelegentlich müsse sich Bremerhaven aber auch an die eigene Nase fassen. Einen Seitenhieb Richtung Bremen konnte sich Schulz dennoch nicht verkneifen: Man müssen bedenken, dass Bremen sich im Bund immer als Fußabtreter fühle, weil es ständig auf das Geld der anderen angewiesen sei. Auf Landesebene wäre dann eben Bremerhaven der Fußabtreter.
Ein großer Streitpunkt zwischen beiden Städten sei immer gewesen, dass der Seestadthafen zur Stadt Bremen gehört: „Ein Stachel im Fleisch“, wie Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Karoline Linnert betonte. Die Übertragung der stadtbremischen Häfen auf Bremerhaven, wie sie Jörg Schulz scherzhaft forderte, könne sie sich durchaus vorstellen. Während sie dafür aber auf der politischen Ebene derzeit keine Lösung sah, forderte die Bürgermeisterin insgesamt mehr Transparenz in der Beziehung zwischen beiden Städten. „Dann sind auch die Bremer überzeugt, dass Bremerhaven eben nicht zu viel bekommt.“
Linnert wies zum Schluss noch einmal auf den notwendigen Sparkurs des Landes hin. Vor dem Hintergrund des Schuldenstopps ab 2019 müsse alles auf den Prüfstand. Dennoch zeigte sie sich zuversichtlich: „Wir müssen verabreden, wer in welcher Höhe welche Anteile übernimmt. Aber - und da bin ich mir ganz sicher - wir werden uns einigen!“