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Als ich eines Nachmittags mit der Straßenbahnlinie 3 in die HfK fahren wollte, wurde der Verkehr wegen einer Demonstration angehalten. Ich setzte mich auf den Bordstein und genoss das schöne Wetter.
Als die Demonstranten an mir vorbeigingen, versuchte ich zu deuten, wogegen oder wofür sie demonstrierten. Ich erkannte worum es ging. Gleichzeitig erkannte ich auch einen meiner Kollegen, der aus der Masse auf mich zu kam. Er grüßte mich, und nach einigen Sätzen fragte er mich, ob ich nicht mitlaufen wollen würde. Weil die Straßenbahn nicht fuhr und das Wetter schön war – dazu das Engagement für die Sache –, lief ich mit.
In so einer großen Masse in eine Richtung laufen, das kannte ich nicht. Es brachte mich zum Überlegen, was hier genau passierte.
Ich mochte die Musik, die aus dem Wagen kam, der vor uns fuhr. Bei den Reden konnte ich nicht wirklich alles verstehen, bis auf einige Ausschnitte.
Mein Telefon klingelte. Mein Bruder war dran und ich lud ihn ein, mitzukommen. Wo ich bin? Auf einer Demo gegen Nazis.
Als wir zum späten Nachmittag unser Ziel erreichten, war es anders. Es hat was gefehlt. Es war nicht so ein Ziel, wie ich es kannte, wie zum Beispiel beim Ankommen einer Reise. Nein, es war keine Erfüllung da. Im Nachhinein war es für mich ernüchternd, dass es kein Ziel gab. Es gab Aggressionen, die entstanden waren, ein Gegner sollte gesucht werden.
Ich dagegen habe mir gesagt, das Laufen, das darüber Nachdenken war der Weg – und somit mein Ziel.
Nach diesem Erlebnis habe ich mich mehr und mehr mit dem Phänomen Demonstration auseinandergesetzt. Ich habe angefangen, einzelne Demonstranten zu malen mit einer Botschaft. Mir Slogans überlegt, diese mit Werbung verglichen. Menschen in einer Aktion dazu aufgefordert, ihren Slogan zu schreiben. Diese Schilder habe ich im Siebdruck vervielfältigt. Damit diese eine größere Masse erreichen.
Nach diesen Schritten wurde die Arbeit komplettiert durch andere Bilder, die ich geschaffen habe, wie zum Beispiel „Fahne mit Joghurt“.
Diese Verbindungen habe ich gesehen und möchte sie in der Ausstellung „it’s my demo“ den Besuchern sichtbar machen.
Piotr Rambowski
Rambowskis Bilder lassen sich gut anschauen, so die mit dem Hochschulpreis der HFK Bremen ausgezeichnete Werkserie „Haltestellen“. Obwohl es sich scheinbar um eine möglichst realistische Bildung tatsächlich existierender Haltestellen handelt, mischt Rambowski kleine „politische“ Elemente in seine Bilder. So wird ein kleines Fenster in einer Mauer mit Gittern versehen oder die Anordnung der Stäbe eines fast belanglosen Zaunes bilden mit römischen Ziffern – die Zahl „1968“.
Seit dem Abschluss seines Studiums und dem Auszug aus dem Atelier in der Kunsthochschule, hat sich für den Künstler einiges verändert. Der vormals im Alltag an der HfK fast normale Austausch über Themen und Stile findet nun auf einer anderen Ebene statt. Nun ist der Künstler mehr auf sich selbst gestellt, hat ein neues Atelier bezogen, malt neue Bilder, die nicht zwangsläufig von vielen anderen gesehen werden können, experimentiert mit anderen Malfarben. Und auch politisch hat sich in der letzten Zeit viel getan, so beschäftigte Rambowski wie Millionen anderer Menschen die Wahl des amerikanischen Präsidenten, der ein neues weltpolitisches Zeitalter einläuten könnte. Die Frage, wohin geht es, oder gehen könnte, muss er nun selber beantworten.
Volker Schwennen

Biografie
Piotr Rambowski, Fangturm 1, 28195 Bremen rambowski@gmx.de
1980 in Tychy (Polen) geboren
1988-1998 Schulbesuch Deutschland / Delmenhorst
2000 Abschluss der Fachoberschule für Gestaltung in Oldenburg
2001/02 freie künstlerische Tätigkeit
2002 Studium der Freien Kunst Fachbereich Malerei an der Hochschule für Künste, Bremen
2002-2003 Student bei David Bade
2003-2008 Student bei Karin Kneffel
2008 Student bei Markus Willeke
2008 Meisterschüler von Karin Kneffel

Ausstellungen (Auswahl)