

Gute Bildung ist eine entscheidende Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Von Anfang an muss gewährleistet sein, dass jedes Kind die gleichen Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsabschluss und damit auf soziale, kulturelle und ökonomische Teilhabe hat. Die PISA-Studien haben die Mängel des völlig zergliederten Bremer Schulsystems deutlich gemacht: Die Lernpotenziale wurden nicht ausgeschöpft, Talente nicht erkannt, Förderangebote kamen zu spät. Zu viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Und nirgends bestimmt die soziale Herkunft so sehr über die schulischen Chancen wie hierzulande.
![Schülerin [(c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka] Schülerin [(c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka]](../../../media/68/68956.schuelerin_c_www_bilderbox_com_erwin_wod.jpg)
Vor diesem Hintergrund wollen wir mit der Reform des Bremer Schulwesens die Qualität des Unterrichts verbessern, die Koppelung von sozialer Herkunft der Kinder und ihren Bildungsabschlüssen abbauen sowie die Förderung sowohl lernschwacher als auch begabter Kinder vorantreiben. Grünes Ziel ist es, allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern bessere Bildungschancen einzuräumen. Mit unserer Bildungspolitik wollen wir auch Wege aus der Armut eröffnen. In dieser Legislaturperiode führen wir den Reformprozess für eine qualitative Weiterentwicklung der Schulen fort und setzen schrittweise die Inklusion um. Nachdem wir für kleinere Klassen gesorgt und ein anregendes Lernklima auf den Weg gebracht haben, geht es jetzt um mehr Arbeits- und Übungszeiten, mehr Bewegung und kreatives Entfalten, mehr individuelle Förderung. Dafür legen wir einen Schwerpunkt auf den weiteren Ausbau der Ganztagsschulen und verbessern die bestehenden in ihrer Ausstattung. Ganztagsgrundschulen sollen mit mehr LehrerInnenstunden am Nachmittag ausgestattet werden - gestaffelt nach Sozialindikatoren.
Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Nur wenn schon im Kindergarten gezielt auf die individuellen Stärken und Schwächen eingegangen wird, erreichen wir den notwendigen Bildungsschub. Um die individuelle Förderung zu verbessern, haben wir die Kitas insbesondere in benachteiligten Stadtteilen personell verstärkt. Wir haben die Sprachförderung verbindlich gemacht, um damit einen erfolgreichen Schulstart zu erleichtern. Der Kindergarten bildet zusammen mit der Grundschule das Fundament des Bildungswesens. Mit einer engeren Verzahnung bei den Übergängen vom Elementar- zum Primarbereich sowie vom Primar- zum Sekundarbereich wollen wir erreichen, dass im Bildungsweg der jungen Menschen mehr Kontinuität gewährleistet ist. Die Zusammenarbeit zwischen Elementar- und Primarbereich bauen wir weiter aus - u.a. mit einem gemeinsamen Bildungsplan.
Bildung ist die wirksamste Möglichkeit, auch Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern eine Perspektive zu verschaffen. In den Grundschulen wird die Basis für den künftigen Schulerfolg gelegt. Ganztagsgrundschulen können eine kindgerechte Lernkultur umsetzen, die auf die Interessen und Möglichkeiten des einzelnen Kindes eingeht und Freude am Lernen und Leistung vermittelt. Die Kinder profitieren vom Ganztagsbetrieb, der mehr Zeit zum Lernen und gemeinsame Aktivitäten lässt. Das Freizeitangebot gibt jedem Kind die Chance, seine besonderen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Die gebundene Ganztagsschule trägt zur Integration sowie zum sozialen Zusammenhalt bei und erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deshalb sind wir gegen eine Aufweichung der gebundenen Form.
Nach dem jahrelangen Hin und Her in der Schulpolitik haben wir den Schulen die Ruhe verschafft, sich qualitativ weiter zu entwickeln. Davon profitieren die Kinder. Dafür waren wir Grüne bereit, den Schulkonsens mit SPD und CDU zu unterschreiben – auch wenn der Kompromiss nicht 100-prozentige grüne Bildungsprogrammatik enthält. Unser langfristiges Ziel bleibt die ‚Schule für alle‘ mit längerem gemeinsamem Lernen von Klasse 1 bis 10. Eine Schule, die die Heterogenität ihrer Schülerschaft als Chance begreift. Eine Schule, in der Begabtenförderung und Förderung der Benachteiligten sich einander bedingen. Eine von Methodenvielfalt geprägte Schule, in der beim Lernen miteinander und voneinander die individuellen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen optimal entwickelt werden. Aber Schulentwicklung ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen funktioniert. Wir wollen die LehrerInnen und Eltern auf dem Weg zu einem leistungsfähigeren Schulsystem, in dem alle Kinder mit Begeisterung lernen, mitnehmen.
Auch mit unserer aktuellen Reform macht die bessere Förderung von Kindern nun Schule. Teamarbeit und gemeinsamer Unterricht auf unterschiedlichen Niveaus stehen hoch im Kurs. Mit den integrativ arbeitenden Oberschulen ist das Abitur nach Klasse 13 in der Fläche zurückgekehrt, um Jugendliche vom überbordenden Leistungsstress zu entlasten. Die Oberschulen werden gut ausgestattet. Oberschulen fußen auf dem Prinzip der Gesamtschule. Sie schaffen mehr Durchlässigkeit im System und bieten alle Schulabschlüsse an – wo gewünscht, auch das Abitur nach Klasse 12, so wie es in den acht Gymnasien der Fall ist. Die Oberschulen entwickeln wir als Jahrgangsteam-Schulen weiter, in denen ein festes LehrerInneteam den Werdegang der SchülerInnen von der 5. bis 10. Klasse begleitet.
Unser besonderes Augenmerk gilt auch den SchulabbrecherInnen. Ohne Abschluss haben Jugendliche heute kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Um potenziellen SchulabbrecherInnen eine Perspektive zu bieten, haben wir die Werkschule eingerichtet. Sie ermöglicht diesen Jugendlichen einen an praktischen Fähigkeiten ausgerichteten Weg zum Abschluss.
Behinderte und nicht behinderte SchülerInnen haben das Recht auf gemeinsamen Unterricht. Mit der im Schulgesetz verankerten Inklusion übernimmt Bremen bundesweit eine Vorreiterrolle. Die Förderzentren werden nach und nach aufgelöst. An ihre Stelle treten Zentren für unterstützende Pädagogik an allgemeinen Schulen. Die Eltern können im Rahmen der Kapazitäten entscheiden, ob die Förderung in einer Regelschule oder in einem Förderzentrum stattfinden soll. Bis 2019/20 soll der Prozess abgeschlossen sein, wobei die Entwicklung des Elternwillens und die Haushaltslage berücksichtigt werden sollen.
Aus grüner Sicht ist klar: Individuelle Förderung muss in allen Schulen in den Vordergrund rücken. LehrerInnen müssen dafür aus- und fortgebildet werden. Schulen brauchen neben Lehrkräften weitere pädagogische Fachkräfte wie SozialpädagogInnen und ErzieherInnen.
Mit der Schulreform soll auch eine Weiterentwicklung der LehrerInnenausbildung einhergehen. Die Ausbildung muss an die Anforderungen des neuen Schulsystems angepasst werden. Im Mittelpunkt stehen dabei u.a. die Vermittlung fächer- und schulartenübergreifender Kompetenzen unter besonderer Berücksichtigung des Umgangs mit Heterogenität sowie die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen und der Kompetenz für Deutsch als Fremsprache.
Unsere Gesellschaft ist vielfältig. Bereits jetzt haben rund 50 Prozent der Kinder im Kita-Bereich und jedes dritte Schulkind einen Migrationshintergrund. Das muss im Bildungssystem berücksichtigt werden. Neben der Sprachförderung wollen wir aus der Expertise 'Migration und Bildung' in einem breiten Beteiligungsverfahren einen Entwicklungsplan mit konkreten Förderempfehlungen ableiten, der dann schrittweise umgesetzt wird.
SchülerInnen brauchen ein attraktives Lernumfeld. Die Schulsanierungen müssen konsequent fortgesetzt werden. Mobilbauten und Containerklassen sollen kurz- bis mittelfristig abgeschafft werden.
Um eine Qualitätsverbesserung des Schulsystems zu erreichen, muss die Selbstverantwortung der Schulen gestärkt werden. Selbstständige Schulen orientieren sich an den Bildungsstandards, können aber die pädagogischen Konzepte in eigener Verantwortung entwickeln und umsetzen. Die Grünen unterstützen reformpädagogische Ansätze. Die Anträge sollen wohlwollend geprüft werden. Die Schulen sollen selbst über den Personaleinsatz, die Unterrichtsgestaltung und Verwendung der Finanzmittel entscheiden können. Ihnen soll überlassen bleiben, wie sie die vorgegebenen Bildungsziele erreichen wollen. Damit die Schulen ihrer Eigenverantwortung wahrnehmen können, müssen sie von unnötiger Bürokratie entlastet werden.
Die soziale Wirklichkeit soll sich auch in Schulen in freier Trägerschaft widerspiegeln. Bei der Novellierung des Privatschulgesetzes wollen wir prüfen, ob neu genehmigte Schulen in freier Trägerschaft verpflichtet werden können, Standards des Bremischen Schulgesetzes wie Inklusion oder Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund umzusetzen.